Wie ein Trio so viel Bewegung erzeugt
„Waitin’ for the Bus“ und „Jesus Just Left Chicago“ gehören zu den Übergängen, die man irgendwann als Einheit im Kopf hat. Das erste Stück endet, das nächste übernimmt, und aus zwei Songs wird ein Auftakt mit eigener Dramaturgie. ZZ Top zeigen dabei schon sehr früh auf Tres Hombres, dass ihre Stärke nicht allein im markanten Gitarrenriff liegt. Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard verstehen, wie man einen Groove aufbaut, Spannung zurückhält und im richtigen Moment die Perspektive wechselt.
Das dritte Album des Trios erschien 1973. Wer bei ZZ Top zuerst an die Videos und elektronisch gefärbten Produktionen der Achtziger denkt, trifft hier auf eine andere Phase. Die Musik entwickelt ihren Charakter aus Blues, Boogie und dem direkten Zusammenwirken der Instrumente. Sie kann schwer auftreten, ohne unbeweglich zu werden, und sie besitzt einen Humor, der nicht extra angekündigt werden muss.

Texas aufgenommen, in Memphis geformt
Die Entstehung verbindet zwei Orte: Aufnahmen in den Robin Hood Studios in Tyler, Texas, mit Robin Brians, und die Mischung durch Terry Manning bei Ardent in Memphis. Produzent war Bill Ham. Diese Arbeitsteilung ist ein hilfreicher Hintergrund für eine Platte, die so selbstverständlich aus einem Guss wirkt. Hinter dem Eindruck von Unmittelbarkeit stehen durchaus Entscheidungen über Klangfarben, Balance und die Art, wie einzelne Teile ineinandergreifen.
Das sollte man nicht mit einem dokumentarischen Mitschnitt dreier Musiker verwechseln. Ein Studioalbum darf seinen eigenen Raum schaffen. Gerade bei Tres Hombres lohnt es sich, zwischen dem Kern des Trios und der fertigen Gestaltung zu unterscheiden: Der Rhythmus vermittelt die gemeinsame Bewegung, während die Gitarren unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Mal tragen sie den Song, mal setzen sie kurze Antworten, mal verändern sie die Intensität einer bereits vertrauten Figur.

Mehr als „La Grange“
„La Grange“ ist der naheliegende Magnet des Albums. Sein Reiz liegt auch darin, wie viel Erwartung aus einer zunächst zurückgenommenen Figur entsteht. Die Musik verrät nicht sofort alles, was sie noch vorhat. Wer sich nur an das berühmte Riff erinnert, kann beim Wiederhören besonders auf den Wechsel zwischen Zurückhaltung und Ausbruch achten – und darauf, wie entscheidend Bass und Schlagzeug diesen Wechsel mittragen.
„Hot, Blue and Righteous“ setzt einen anderen Akzent. Hier bekommt die Gesangslinie Raum, und der Blues zeigt seine Nähe zur getragenen, fast bekenntnishaften Darstellung. „Beer Drinkers & Hell Raisers“ öffnet wiederum eine rauere, nach außen gerichtete Seite. Solche Kontraste halten Tres Hombres davon ab, zu einer bloßen Reihe ähnlich gebauter Boogies zu werden. Zehn Titel reichen, um eine deutlich breitere Persönlichkeit zu zeigen, als das spätere Bandklischee vermuten lässt.
Auch das Essen gehört zur Geschichte
Das berühmte Tex-Mex-Essen im Inneren des Originalcovers kam von Leo’s Mexican Restaurant in Houston. Fotografiert wurde es jedoch in Galen Scotts Fotostudio; Bill Narum war an der Covergestaltung beteiligt. Das ist mehr als eine dekorative Kuriosität. Das Album zeigt damit eine konkrete Alltagswelt statt einer abstrakten Rockpose. Die Verbindung aus lokaler Identität, Sinnlichkeit und trockenem Witz passt auffallend gut zur Musik.
Für erneutes Hören empfiehlt sich besonders Frank Beards Arbeit unter den Gitarren: nicht nur der kräftige Schlag, sondern die Art, wie kleine rhythmische Antworten einen Abschnitt beleben. Dusty Hills Bass hält daneben den Zusammenhang, ohne jede Gitarrenbewegung nachzeichnen zu müssen. Tres Hombres bleibt so ein Album über das gemeinsame Timing. Die Riffs kann man wiedererkennen; das Zusammenspiel lässt sich immer neu entdecken.
Mehr aus der Reihe: UHQR
Auch als SACD: Tres Hombres
Kundenfrage: UHQR sammeln: limitierte Ausgaben großer Alben
Serie: UHQR – alle 31 Ausgaben mit Auflage und Mastering
Beteiligte Musiker
Besetzung anhand der Albumquellen abgeglichen.
- Billy GibbonsGesang, Gitarre, Mundharmonika
- Dusty HillGesang, Bass
- Frank BeardPerkussion, Schlagzeug
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Gegenüber der US-Erstpressung hört Michael mehr Dynamik und Transparenz sowie deutlich kräftigere Schlagzeugimpulse. Besonders überrascht ihn der satte, tiefe, klanglich dichte Charakter der UHQR, den er ausdrücklich nicht mit einem dunkleren Klang gleichsetzt.
🎧 Review video: ZZ Top Tres Hombres UHQR vs. US 1st Pressing, German and Europe Pressing!!
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