Ein Debüt mit vier Jahren Anlauf
Terry Callier war neunzehn, als er am 29. Juli 1964 bei Webb Recording in Chicago sein Debütalbum aufnahm. Veröffentlicht wurde es erst 1968. Schon diese Zeitverschiebung macht den Titel The New Folk Sound of Terry Callier interessant: Die Musik gehörte bei ihrem Erscheinen zu einem früheren Moment im Leben eines jungen Sängers, dessen weitere Laufbahn sich zwischen Folk, Soul und Jazz bewegen sollte.
Produzent war Samuel Charters. Die Aufnahme entstand an einem Tag, die Besetzung ist ungewöhnlich knapp: Callier singt und spielt Gitarre, Terbour Attenborough und John Tweedle spielen Kontrabass. Zwei Bässe, aber kein Schlagzeug und kein Klavier. Das „New“ im Titel lässt sich damit zunächst ganz konkret als Frage nach einer anderen Besetzung für vertrautes Liedmaterial verstehen.

Bekannte Lieder in einer eigenen Konstellation
Auf der ersten Seite stehen „900 Miles“, „Oh Dear, What Can the Matter Be“, „Johnny Be Gay If You Can Be“ und „Cotton Eyed Joe“. Traditionelle Lieder bilden also einen großen Teil des Programms. Auf der zweiten Seite folgen unter anderem „It’s About Time“ und „Spin, Spin, Spin“. Das Album besteht nicht aus acht Eigenkompositionen Calliers, sondern aus seiner Auswahl und Bearbeitung vorhandenen Materials.
Gerade bei bekannten Melodien kannst du die Aufmerksamkeit auf die Begleitung verschieben. Wo stützt die Gitarre den Gesang, wo werden die tiefen Instrumente eigenständig? Zwei Kontrabässe müssen nicht dieselbe Aufgabe übernehmen. Verfolge einmal die tiefe Grundlage und suche dann nach Bewegungen darüber. So wird die Besetzung zu mehr als einer ungewöhnlichen Zeile in den Credits; sie gibt dir eine konkrete Richtung für das Hören.

„I’m a Drifter“ nimmt sich Zeit
Der Schluss gehört „I’m a Drifter“, geschrieben von Travis Edmonson. Mit fast neun Minuten ist es deutlich länger als die übrigen Stücke. Die Dauer schafft Platz, um die Beziehung zwischen Stimme, Liedform und Begleitung über einen größeren Bogen zu verfolgen. Es lohnt sich, den Titel im Zusammenhang mit der gesamten zweiten Seite zu hören, statt ihn nur als langen Einzeltrack zu betrachten.
Callier wuchs in Chicago auf und nahm schon vor dieser Sitzung für Chess auf. Später entstanden mit Produzent Charles Stepney die Cadet-Alben Occasional Rain, What Color Is Love und I Just Can’t Help Myself. Das Debüt steht davor: Es zeigt die Arbeit mit einem kleinen akustischen Ensemble und einem Repertoire, das überwiegend aus anderen Quellen stammt. Wer Callier über seine späteren Soul-Aufnahmen kennt, findet hier einen früheren, eigenständigen Zugang zu seiner Stimme.
Die neue Bluesville-LP
ACONC 844 / CR00844 ist eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ RPM, gepresst bei Quality Record Pressings. Matthew Lutthans masterte bei The Mastering Lab; Craft Recordings nennt dafür die originalen Bänder. Eine Tip-On-Hülle und ein Obi mit Anmerkungen von Scott Billington gehören zur Ausstattung. Die acht Stücke entsprechen dem ursprünglichen Albumprogramm. Die Jahreszahlen beschreiben unterschiedliche Schritte: aufgenommen 1964, erstmals als Album veröffentlicht 1968.
Michael 45 lagert die Ware in Deutschland und versendet sie aus Hilden, sodass Käufer in Deutschland und der EU keinen eigenen US-Import organisieren und nicht auf die Zollabfertigung warten müssen.
Mehr von Analogue Productions
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Terry Callier | Gesang, Gitarre |
| Terbour Attenborough | Kontrabass |
| John Tweedle | Kontrabass |
🎧 Review video: 15 Amazing New Reissues you might want in your Collection
Dieses Video kommt von YouTube (Google). Es wird erst geladen, wenn du in den Cookie-Einstellungen „Funktionen“ einschaltest.







Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.