Eine Stimme, sechs Saiten
Detroit, April 1959. John Lee Hooker nimmt für Riverside allein mit seiner akustischen Gitarre auf. Auf Burning Hell trägt kein Ensemble den Puls weiter, niemand füllt die Pausen. Stimme und Saiten müssen das ganze Geschehen entfalten. Gerade diese kleine Besetzung macht die Platte so interessant: Man kann einem Musiker folgen, dessen Ausdruck aus dem Zusammenspiel von Erzählung, Wiederholung und einem ganz eigenen Zeitgefühl lebt.
Hooker hatte mit „Boogie Chillen’“ bereits 1948 einen großen Erfolg erlebt. Für Riverside rückten nun die Wurzeln seines Spiels in den Vordergrund. Die Aufnahmen entstanden im Umfeld der Sitzungen zu The Country Blues of John Lee Hooker, wurden als Burning Hell aber erst 1964 in Europa veröffentlicht. Zwischen der Session und ihrer Veröffentlichung lagen fünf Jahre. Die Musik führt in eine frühere Phase seines Schaffens zurück, lange vor den späten Begegnungen mit prominenten Rockmusikern.

Blues als persönliche Sprache
Die zwölf Stücke verbinden eigene Titel mit Liedern, die durch mehrere Hände gegangen sind. „Baby Please Don’t Go“, „Smokestack Lightnin’“ und „Key To The Highway“ gehören zu diesem gemeinsamen Repertoire des Blues. Hier ist es besonders reizvoll, auf das Verhältnis zwischen bekannter Form und persönlichem Vortrag zu achten. Was geschieht mit einer vertrauten Wendung, wenn eine einzige Stimme und eine einzige Gitarre ihr die Richtung geben?
Bei einer Soloaufnahme werden auch die kleinen Entscheidungen Teil der Geschichte: der Moment zwischen zwei Zeilen, der nächste Gitarreneinsatz, das Weitertragen eines Motivs. Burning Hell bietet dafür einen konzentrierten Rahmen. Die Gitarre ist Begleitung und rhythmisches Gegenüber zugleich. Wer Hooker vor allem aus elektrisch besetzten Aufnahmen kennt, findet hier einen anderen Zugang zu demselben Musiker.

Zwölf Titel mit eigener Geschichte
Der Titeltrack eröffnet die Platte, „Natchez Fire“ beschließt sie. Dazwischen stehen unter anderem „Graveyard Blues“, „Jackson, Tennessee“ und „Blues For My Baby“. Die Abfolge belässt die Aufmerksamkeit bei Hookers Solospiel. Es geht um die Möglichkeit, einem Menschen beim Erzählen zuzuhören und dabei zu entdecken, wie wenig Besetzung es braucht, um einen musikalischen Raum zu öffnen.
Für diese Ausgabe zählt die vollständige Abfolge von zwölf Titeln einschließlich „How Can You Do It?“. Sie folgt der Titelliste von Craft Recordings. Das ist bei einem Album mit einer langen Geschichte verschiedener Wiederveröffentlichungen ein wichtiges Detail: Die angebotene Bluesville-LP bewahrt das Programm von Burning Hell als zusammenhängendes Album.
Die Bluesville-Ausgabe
Die 2024 erschienene Ausgabe gehört zur Bluesville Acoustic Sounds Series von Craft Recordings. Angeboten wird eine 180-Gramm-LP, Katalog CR00657 beziehungsweise ACONC 657 im Vertrieb. Craft nennt einen vollständig analogen Lackschnitt von den Originalmasterbändern durch Matthew Lutthans bei The Mastering Lab. Gepresst wird bei Quality Record Pressings.
Die Tip-on-Hülle und der Obi mit einem Text von Scott Billington ergänzen die musikalische Wiederbegegnung um historischen Kontext. Solche Sorgfalt passt zu einem Album, das mit so wenigen Mitteln auskommt: eine einzelne Platte, ein klar umrissenes Programm und ein Musiker, dessen Stimme und Gitarre die ganze Aufmerksamkeit bekommen.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- John Lee HookerGesang, akustische GitarreMitwirkung: Album-Besetzung
Besetzung: John Lee Hooker – Gesang, akustische Gitarre; Soloaufnahme, alle zwölf Titel. Aufgenommen im April 1959 in Detroit (laut Sessiondiskografie am 20.04.1959). Produzent: Bill Grauer. Liner Notes: Alan Bates. Diese Ausgabe (2024): Mastering und Lackschnitt Matthew Lutthans (The Mastering Lab); Obi-Text Scott Billington; gepresst bei QRP.
🎧 Review video: Craft Recordings presents: Welcome to Bluesville! (Official Trailer)
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