Mehr Farben hinter der schweren Gitarre
Auf Purple lassen Stone Temple Pilots ihren Songs mehr Bewegungsfreiheit. Das zweite Album von 1994 besitzt weiterhin die schweren Gitarren, die schon Core geprägt hatten, öffnet daneben aber Platz für akustische Passagen, ungewöhnliche Akkordfolgen und einen Sänger, der seine Rolle von Stück zu Stück verändert. „Meatplow“ und „Vasoline“ können den Eindruck einer geschlossenen Front vermitteln. Spätestens „Interstate Love Song“ zeigt, wie viel melodische Beweglichkeit sich hinter dieser Oberfläche verbirgt. Die Band erweitert ihre Sprache, ohne ihre Besetzung zu vergrößern.
Scott Weiland singt, Dean DeLeo spielt Gitarre, Robert DeLeo Bass und Eric Kretz Schlagzeug. Als Produzent kehrte Brendan O’Brien zurück. Den Großteil des Albums nahm die Gruppe in Atlanta auf; einzelne Stücke waren bereits früher entstanden. Diese Entstehung aus mehreren Etappen hört sich nicht wie eine Materialsammlung an. Wiederkehrende Klangfarben und die Handschrift der vier Musiker verbinden die Stücke, während die Arrangements bewusst unterschiedliche Wege einschlagen. Gerade der Wechsel zwischen Dichte und Offenheit hält die Platte in Bewegung.

Ein Radiosong mit ungewöhnlichem Ursprung
Robert DeLeo erinnerte sich an „Interstate Love Song“ als eine Idee, die auf einer Nylonsaitengitarre im Wohnmobil zunächst etwas von Bossa nova hatte. Das ist ein nützlicher Hinweis für das Hören: Unter dem griffigen Gitarrenmotiv steckt eine harmonische Bewegung, die nicht allein aus schweren Rockriffs stammt. Weiland setzt eine Gesangslinie darüber, die diese Wendungen mitnimmt. Der Song ist unmittelbar zugänglich, aber seine Selbstverständlichkeit entsteht aus sorgfältig ineinandergreifenden Teilen.
„Big Empty“ war bereits auf dem Soundtrack zu The Crow erschienen. Seine zurückgenommenen Passagen und der kräftige Refrain zeigen eine andere Art, Spannung aufzubauen. „Pretty Penny“ wiederum stellt die akustische Seite der Gruppe in den Vordergrund. Wer Purple nur über „Vasoline“ kennt, bekommt hier eine zusätzliche Perspektive. Laut und leise sind keine getrennten Lager auf diesem Album: Die ruhigeren Momente verändern auch die Wirkung der schweren Stücke, weil sie dem Ohr einen anderen Bezugspunkt geben.

Vier Musiker, viele kleine Entscheidungen
Dean DeLeos Gitarrenspiel liefert nicht nur Gewicht, sondern auch bewegliche Figuren und unterschiedliche Texturen. Robert DeLeos Bass ist ein guter zweiter Orientierungspunkt: Achte darauf, wann er eine Gitarrenbewegung unterstützt und wann er einen eigenen Weg darunter legt. Eric Kretz hält diese Teile zusammen, während Weiland zwischen erzählender Zurückhaltung und stärkerem Nachdruck wechselt. Der Charakter der Band liegt in diesen Beziehungen ebenso wie in den sofort erkennbaren Melodien. Die Songs bleiben auch dann interessant, wenn die Refrains längst vertraut sind.
Ein Gast setzt einen gezielten Akzent: Paul Leary von den Butthole Surfers spielt das abschließende Gitarrensolo in „Lounge Fly“. Das passt zu einer Platte, deren Neugier sich eher in Einzelheiten als in großen stilistischen Ansagen zeigt. „Still Remains“, „Silvergun Superman“ und „Kitchenware & Candybars“ erweitern das Bild über die Singles hinaus. Wenn du das Album am Stück hörst, wird aus einer Reihe bekannter Rocktitel ein abwechslungsreicher Ablauf, in dem sich Härte, Melodie und akustische Farben gegenseitig schärfen.
Diese Ausgabe
Die Atlantic-75-Ausgabe von Analogue Productions trägt die Katalognummer AAPA 029-45. Sie umfasst zwei 180-Gramm-LPs mit 45 U/min. Ryan K. Smith masterte bei Sterling Sound direkt vom originalen Masterband; so beschreibt der Herausgeber die Quelle und den Arbeitsgang. Die Platten werden bei Quality Record Pressings gepresst und stecken in einem Tip-On-Gatefold von Stoughton Printing. Das Album verteilt sich hier auf vier Seiten.
Auch als SACD: Purple
Kundenfragen: Atlantic 75: welche Titel lohnen sich? · Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Scott Weiland | Perkussion, Gesang, Gitarre |
| Dean DeLeo | Slide-Gitarre, Perkussion |
| Robert DeLeo | Perkussion, Gitarre, Bass |
| Eric Kretz | Perkussion, Schlagzeug |
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Gegenüber seiner US-Erstpressung hört Michael mehr Offenheit und Druck. Selbst die dichten Klangwände bleiben für ihn strukturiert; bei Interstate Love Song hebt er die ruhigere, klar getrennte Darstellung hervor. Insgesamt bevorzugt er die Atlantic-75-Ausgabe deutlich.











Ralf Doerner –
Beim zuhören meint man im Konzert dabei zu sein. Eine hervorragende Pressung die unglaublich viel Spaß macht, obwohl ich kein Crunge Fan bin. 😍🥰