Ein Kirchensaal, eine Gitarre und ein Tenorsaxofon
Jazz Samba verbindet Stan Getz’ Tenorsaxofon mit Charlie Byrds Gitarre und einem überwiegend brasilianischen Repertoire. Die Aufnahme entstand am 13. Februar 1962 in Washington, D.C., in der Pierce Hall der All Souls Unitarian Church. Dieser konkrete Ort gehört zur Geschichte der Platte: ein Kirchensaal, kein gewöhnlicher Studiotermin in New York. Wer Jazz Samba auf Vinyl kaufen möchte, bekommt hier die Acoustic-Sounds-Series-Ausgabe mit sieben Stücken auf einer Stereo-LP, 180 Gramm und 33⅓ RPM.
Schon die beiden Namen auf dem Cover geben unterschiedliche Wege in diese Musik vor. Getz steht für die melodische Stimme des Tenorsaxofons, Byrd für die Gitarre als ebenso eigenständigen Partner. Das Album lässt sich über die vertrauten Melodien entdecken, aber auch über das Verhältnis dieser Instrumente: Der Atem eines Bläsers und der Anschlag einer Saite setzen Töne auf unterschiedliche Weise in Bewegung. Diese Begegnung bildet einen klaren Mittelpunkt, während die weitere Besetzung für die rhythmische Umgebung sorgt.
Die Gruppe besteht aus sechs Musikern. Neben Getz und Charlie Byrd sind Gene Byrd, Keter Betts, Buddy Deppenschmidt und Bill Reichenbach genannt. Gene Byrds Credit umfasst Gitarre und Bass, Betts spielt Kontrabass; Deppenschmidt und Reichenbach sind als Schlagzeuger aufgeführt. Eine einzelne Rollenliste sollte daraus nicht unbemerkt eine feste Instrumentenkombination für jeden Moment der Platte machen. Die Albumcredits belegen die Beteiligten, lassen die genaue Verteilung auf die einzelnen Titel jedoch offen.
Das ist auch eine Einladung, genauer auf Begleitung zu achten. Jazz Samba besteht nicht nur aus einer eingängigen Tenormelodie über einer beliebigen Rhythmusspur. Die Gitarre gehört zum musikalischen Gespräch, und hinter ihr stehen mehrere ausdrücklich genannte Instrumentalisten. Die übersichtliche Länge von sieben Titeln macht die Platte zugänglich, ohne dass ihre Besetzung auf zwei berühmte Namen zusammengestrichen werden müsste. Die Musikerübersicht unter dem Text hält deshalb alle sechs Mitwirkenden sichtbar zusammen.

Desafinado und drei weitere Perspektiven auf Seite A
Desafinado eröffnet das Album. Die Komposition von Antônio Carlos Jobim ist zugleich ein naheliegender Einstieg in dessen musikalische Welt. Für diese LP ist jedoch zunächst die konkrete Aufnahme wichtig: ein Instrumentalstück innerhalb einer Session mit Getz und Byrd, nicht jede spätere Gesangs- oder Konzertfassung desselben Titels. Bekannte Melodien können den Zugang erleichtern, aber die Wahl einer Schallplatte entscheidet auch darüber, in welcher Besetzung und in welcher Reihenfolge man ihnen begegnet.
Danach folgt Samba Dees Days, Charlie Byrds eigener Beitrag zum Programm. Er ist die einzige Komposition auf der Platte, die nicht von brasilianischen Autoren stammt. Dadurch erhält Byrd neben seiner Rolle als Gitarrist eine zweite, klar erkennbare Präsenz. Die Auswahl verbindet Material, das die Musiker aufgreifen, mit einem Stück aus dem eigenen Kreis. Jazz Samba ist somit kein bloßes Nebeneinander beliebiger bekannter Titel, sondern eine Zusammenstellung, deren Herkunft und Abfolge sich konkret nachvollziehen lassen.
O Pato von Jayme Silva und Neuza Teixeira ist mit zweieinhalb Minuten der kürzeste Titel der Ausgabe. Zwischen längeren Stücken wirkt eine solche kompakte Aufnahme wie ein anderer Blickwinkel auf dieselbe Besetzung. Nicht jede musikalische Idee braucht denselben Raum. Das kurze Format lenkt die Aufmerksamkeit auf die Geschlossenheit eines Stücks, während längere Titel mehr Zeit für die Entwicklung einzelner Beiträge lassen. Gerade die Abwechslung verhindert, dass die Seite nur als gleichförmiger Hintergrund wahrgenommen werden muss.
Samba Triste von Baden Powell und Billy Blanco schließt Seite A. Damit stehen auf der ersten Plattenhälfte vier Stücke von unterschiedlichen Autoren, obwohl die instrumentale Umgebung zusammengehört. Es lohnt sich, bei einem vollständigen Durchgang nicht nur den Rhythmus, sondern auch die Konturen der einzelnen Melodien im Ohr zu behalten. Die Titel sind keine Varianten einer einzigen Komposition. Ihre Verschiedenheit trägt das Album ebenso wie die Gemeinsamkeit seiner Besetzung und seines musikalischen Bezugsrahmens.

Sieben Stücke und sechs beteiligte Musiker
Seite B beginnt mit Samba De Uma Nota So von Jobim und Newton Mendonça. Danach folgen E Luxo So von Ary Barroso und Luiz Peixoto sowie Baia, ebenfalls von Barroso. Die Rückseite bündelt damit drei weitere Facetten des brasilianischen Repertoires. Mit gut sechs Minuten für den Auftakt und für Baia erhalten die äußeren Stücke mehr Raum als das dazwischenliegende E Luxo So. Diese Abfolge gibt der Seite eine eigene Proportion, die beim Hören der vollständigen LP erhalten bleibt.
Die Autorennamen sind ein guter Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen. Jobim und Barroso begegnen innerhalb dieses Albums mehrfach, Baden Powell und Billy Blanco bringen eine weitere Verbindung ein. Dabei sollte man Komponisten nicht mit den Musikern der Session verwechseln. Jobim spielt auf Jazz Samba nicht als zusätzlicher Pianist mit, nur weil sein Name bei den Stücken steht. Die Platte ist instrumental besetzt; ihre besondere Geschichte entsteht aus der Art, wie diese konkrete Gruppe das ausgewählte Material aufgreift.
Auch innerhalb der Band lohnt die genaue Unterscheidung. Charlie und Gene Byrd sind Brüder, aber keine austauschbaren Namensvarianten. Gene ist mit Gitarre und Bass dokumentiert. Bill Reichenbach wiederum ist hier der Schlagzeuger, nicht der gleichnamige Posaunist der nächsten Generation. Solche Einzelheiten helfen dabei, die Platte in der eigenen Sammlung richtig einzuordnen. Die Begleiter bleiben erkennbare Personen mit bestimmten Aufgaben und verschwinden nicht hinter einer pauschalen Formel wie „mit Rhythmusgruppe“.
Creed Taylor verantwortete die Produktion, Ed Greene die Aufnahme. Dom Cerulli schrieb den Hülltext; das Covergemälde stammt von Olga Albizu. Damit hat auch die sichtbare Gestaltung eine namentlich belegte Urheberin. Diese Rollen gehören zur Entstehungsgeschichte, sind jedoch von der spielenden Besetzung zu trennen. Jazz Samba ist zugleich das Ergebnis einer Session, einer Repertoireauswahl und einer gestalteten Veröffentlichung. Wer ein Album gern als vollständigen Gegenstand betrachtet, findet hier klare Anknüpfungspunkte jenseits der beiden Namen an der Spitze.
Die einzelne LP der Acoustic Sounds Series
Diese Neuauflage trägt die Katalognummer AVER 83001 und erschien 2023 in der Verve/UMe Acoustic Sounds Series. Ryan K. Smith schnitt bei Sterling Sound von den originalen Analogbändern. Quality Record Pressings presste die 180-Gramm-LP, Stoughton Printing fertigte das Klappcover im Tip-on-Stil. Die Ausgabe läuft mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Sie enthält die sieben Titel dieses Albums; spätere Bonustracks oder andere Aufnahmen der bekannten Kompositionen werden nicht in das Programm hineingemischt.
Vier Stücke auf der ersten, drei auf der zweiten Seite ergeben zwei angenehm überschaubare Hörabschnitte. Das Format bewahrt die Abfolge als Album und lässt sich ohne häufige Seitenwechsel durchhören. Es braucht kein pauschales Versprechen technischer Überlegenheit, um diese Ausgabe einzuordnen. Aussagekräftiger sind die klar benannte Reihe, das dokumentierte Mastering und die vollständige Titelfolge. Sie helfen dabei, genau diese LP von anderen Wiederveröffentlichungen, Kompilationen oder ähnlich betitelten Aufnahmen zu unterscheiden.
Jazz Samba bietet sich für Hörer an, die die Verbindung von Jazz und brasilianischem Repertoire über eine kleine, konkret benannte Gruppe erkunden möchten. Der Zugang kann leicht sein, die Aufmerksamkeit muss deshalb nicht beiläufig bleiben. Man kann zunächst der Tenorlinie folgen und später Byrds Gitarre oder die rhythmischen Beiträge stärker beachten. Die Gegenüberstellung kurzer und längerer Stücke macht es möglich, das Album sowohl als zusammenhängende Seite als auch über einzelne Kompositionen immer wieder neu zu betreten.
Gerade wenn Getz bereits in der Sammlung steht, lohnt der Blick auf den vollständigen Titel: Hier ist Charlie Byrd sein Partner. Diese Platte erzählt eine andere Begegnung als eine Aufnahme mit Sängerin, Orchester oder anderem Gitarristen. Die klaren Credits, der belegte Aufnahmeort und das sieben Stücke umfassende Programm geben der Auswahl eine konkrete Grundlage. So bleibt hinter einem vertrauten Albumtitel eine bestimmte musikalische Situation erkennbar.
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Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Stan GetzVorhandenes Porträt; keine SessionabbildungTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung; Einzelumfang nicht ausgewiesen
- Charlie ByrdSpätere Vorlage: 1997GitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Einzelumfang nicht ausgewiesen
- Gene ByrdGitarre, BassMitwirkung: Album-Besetzung; Einzelumfang nicht ausgewiesen
- Keter BettsKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung; Einzelumfang nicht ausgewiesen
- Buddy DeppenschmidtSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung; Einzelumfang nicht ausgewiesen
- Bill ReichenbachSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung; Einzelumfang nicht ausgewiesen
Sechs Musiker nach Albumcredits; kein belegter Einzeltrackumfang. Gene Byrd: Gitarre/Bass, keine Behauptung beider Instrumente gleichzeitig. Bill Reichenbach ist der Schlagzeuger, nicht sein gleichnamiger Sohn an der Posaune. Creed Taylor: Produktion; Ed Greene: Aufnahme; Olga Albizu: Covergemälde. Ryan K. Smith / Sterling Sound: Mastering vom originalen Analogband; QRP: Pressung; Stoughton: Cover.









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