Dreizehn Streicher, kein Dirigent
Die Società Corelli spielt Vivaldis Vier Jahreszeiten als Ensemble von dreizehn Streichern ohne Dirigenten. Damit steht hinter diesem RCA-Album von 1960 eine überschaubare Besetzung. Die in Italien entstandene Aufnahme versammelt vier eigenständige Konzerte, die heute meist als gemeinsamer Zyklus gehört werden. Ein genaues Aufnahmedatum ist für diese Ausgabe nicht sicher ausgewiesen.
Der kleine personelle Rahmen gibt einen konkreten Ausgangspunkt fürs Hören: Verfolge die Wechsel zwischen Solovioline und gemeinsamem Einsatz. Vivaldi lässt nicht einfach eine Melodie über gleichbleibender Begleitung laufen. Mal tritt die einzelne Geige hervor, mal bestimmt das Ensemble den Verlauf. Diese Aufgaben müssen die Spieler hier ohne einen Dirigenten vor dem Orchester miteinander abstimmen.
Der Solopart wird Vittorio Emanuele zugeschrieben. Hinter dem Namen Società Corelli steht die bewusste Bezugnahme auf Arcangelo Corelli, dessen Bedeutung für die italienische Streichermusik der Herausgeber hervorhebt. Der Namenspatron ist also nicht der Komponist der hier gespielten Konzerte. Diese Unterscheidung ist klein, aber hilfreich: Vivaldi liefert die Werke, Corelli den historischen Bezug des Ensemble-Namens, und die dreizehn Musiker formen daraus eine Aufnahme ihrer eigenen Zeit. Für die italienische Produktion ist Sergio Marcotulli als Toningenieur dokumentiert.
Ein dirigentenloses Ensemble ist nicht automatisch ein historisches Instrumentenensemble. Die vorliegenden Angaben rechtfertigen weder eine Behauptung über Darmsaiten noch über Barockbögen oder eine bestimmte historische Stimmung. Interessant ist zunächst das belegte Organisationsprinzip: Die Verantwortung für Zusammenspiel und Übergänge liegt bei den Musikern. Für eine Begegnung mit einer Aufnahme aus der frühen Stereozeit ist das ein greifbarer Anhaltspunkt. Du kannst nach gemeinsamen Einsätzen, Antworten auf die Solovioline und der Länge von Schlussgesten hören, ohne aus einem Etikett bereits das Ergebnis abzuleiten.
Die RCA-Stereoausgabe erschien als LSC-2424, daneben gab es die Mono-LP LM-2424. Sie gehört in eine Zeit, in der Vivaldis Musik durch Schallplatten ein immer größeres Publikum erreichte. Die vier Konzerte waren keineswegs immer jene allgegenwärtigen Repertoirestücke, als die sie heute erscheinen. Gerade deshalb kann es reizvoll sein, eine ältere Ensembleauffassung als eigenständige Begegnung mit den Werken zu betrachten. Sie braucht weder zum endgültigen Maßstab erhoben noch allein wegen ihres Alters als überholt behandelt zu werden.

Vier Konzerte aus einer Sammlung von zwölf
Die Jahreszeiten erschienen 1725 in Amsterdam als erste vier Konzerte einer Sammlung von zwölf Werken unter der Opuszahl 8. Jedem der vier Konzerte ist ein Sonett zugeordnet. Wer diese Gedichte verfasst hat, ist nicht sicher geklärt. Die Texte begleiten eine Musik, deren Naturbilder an vielen Stellen ausdrücklich in der Partitur verankert sind.
Jedes Konzert hat drei Sätze. Der Frühling steht in E-Dur, der Sommer in g-Moll, der Herbst in F-Dur und der Winter in f-Moll. Es handelt sich also nicht um vier Sätze einer einzigen Sinfonie. Die jeweils eigene dreiteilige Form macht es sinnvoll, eine Jahreszeit am Stück zu hören.
Der Sammlungstitel lautet Il cimento dell’armonia e dell’inventione: das Wagnis oder Kräftemessen von Harmonie und Erfindung. Schon darin steckt eine produktive Spannung. Die wiederkehrenden Formen halten die Konzerte zusammen, während die bildlichen Einfälle ständig neue Aufgaben erzeugen. Ein Vogelruf, eine Bewegung im Wind oder die Unruhe vor einem Gewitter ist musikalisch zugleich eine Frage nach Rhythmus, Register, Wiederholung und Kontrast. Wer die Stücke nur als hübsche Naturbeschreibung kennt, kann gerade an diesem Wechsel zwischen Form und Einfall neue Freude finden.
Die drei Sätze einer Jahreszeit lassen sich als unterschiedliche Blickrichtungen auf dieselbe Welt hören. Die schnellen Außensätze geben Raum für Bewegung und Wechsel, der langsame Mittelsatz bündelt die Aufmerksamkeit auf weniger Vorgänge. In der Werkübersicht sind deshalb alle zwölf Sätze unter ihren vier Konzerttiteln aufgeführt. Das hilft auch beim Wiederauflegen: Vielleicht möchtest du zunächst ein vollständiges Konzert verfolgen und erst später die langsamen Sätze miteinander vergleichen. Beide Wege respektieren die innere Gliederung, anstatt die bekanntesten Themen zu einem einzigen unbestimmten Vivaldi-Stück zusammenzuziehen.

Ein Hund, Sommerhitze und schlafende Zecher
Die Bildhaftigkeit reicht über Vogelstimmen und Gewitter hinaus. Im langsamen Satz des Frühlings gehört ein bellender Hund zur beschriebenen Szene. Der Sommer beginnt unter dem Eindruck drückender Hitze. Im langsamen Herbstsatz kommen die Feiernden zur Ruhe. Solche Angaben helfen, einzelne Begleitfiguren und Veränderungen der Bewegung bewusster wahrzunehmen.
Du kannst die Gedichte danebenlegen oder zunächst nur auf die musikalischen Mittel achten. Welche Stimme bleibt bei einer wiederholten Figur, während eine andere weiterzieht? Wann entsteht Bewegung aus kurzen Wechseln, wann aus einer längeren Sololinie? Die vier Konzerte bieten dafür unterschiedliche Beispiele. Auch wer ihre bekanntesten Themen längst kennt, kann über diese kleinen Aufgabenverteilungen einen neuen Zugang zum vollständigen Verlauf finden. Die Naturbilder sind dabei Anhaltspunkte in der Komposition, keine Aufforderung, jede Note in eine eindeutige Geschichte zu übersetzen.
Gerade die Solovioline kann den Blick auf diese Aufgaben schärfen. Sie muss ihre Eigenständigkeit gegen den gemeinsamen Klang behaupten und zugleich in ihn zurückfinden. Im Ensemble lässt sich parallel beobachten, wie Begleitung selbst zum Ereignis wird. Der Hund des Frühlings ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass eine wiederholte Begleitfigur eine ganz bestimmte Rolle übernehmen kann. Das vermeintlich Nebensächliche gehört zur Geschichte. Man muss nicht jede Stelle benennen können, um diese Beziehung zwischen Vordergrund und Hintergrund wahrzunehmen.
Die Aufnahme bietet auch einen Anlass, die eigene Vertrautheit mit dem Werk kurz beiseitezulegen. Ein bekanntes Thema kann dazu verführen, den folgenden Verlauf nur noch zu erwarten. Versuche stattdessen, auf die nächste Antwort zu hören: Wer übernimmt sie, wie lang bleibt sie stehen, welche andere Stimme verändert ihre Wirkung? Bei dreizehn Streichern erhält die Zusammenarbeit eine andere Größenordnung als bei einem großen Sinfonieorchester. Daraus ergibt sich ein interessanter Vergleich, aber noch kein pauschales Qualitätsurteil. Die konkrete Ausführung darf ihren eigenen Eindruck hinterlassen.
Für eine Living-Stereo-Sammlung ist diese italienische Produktion deshalb mehr als eine Ergänzung bekannter Chicagoer oder Bostoner Titel. Sie bringt eine andere Besetzung, einen anderen Produktionsort und das Zusammenspiel ohne Dirigenten ein. Die Musik bietet vertraute Anknüpfungspunkte, während die Aufnahmegeschichte einen eigenständigen Weg öffnet. Das macht die Platte sowohl für den ersten vollständigen Zugang zu den vier Konzerten als auch für das bewusste Wiederhören einer längst bekannten Werkfolge interessant.
Die 33er-Ausgabe: ein Album auf einer LP
Diese Veröffentlichung von Analogue Productions ist AAPC 2424, die einzelne Stereo-LP mit 33⅓ RPM. Sie gehört zur zweiten RCA-Living-Stereo-Wiederveröffentlichungsreihe. Der Herausgeber nennt die originalen Dreispur-Masterbänder als Quelle und Ryan K. Smith bei Sterling Sound für Bearbeitung und Schnitt. Gary Salstrom wird für die Galvanik, Quality Record Pressings für die Pressung genannt. Eine Stoughton-Tip-on-Hülle führt die historische RCA-Aufmachung weiter. Die konkreten Produktionsangaben dieser Ausgabe sollten nicht mit denen einer anderen Drehzahlvariante vermischt werden.
Die ebenfalls erhältliche Doppel-LP AAPC 2424-45 verteilt die vier Konzerte auf vier Seiten. Hier bekommst du dagegen das Album auf einem Tonträger und mit einem Seitenwechsel über die gesamte Folge. Das ist praktisch, wenn du die Jahreszeiten gern als zusammenhängendes Programm auflegst und eine kompakte Ausgabe bevorzugst. Eine exakte Zuordnung der zwölf Sätze zu den beiden Seiten ist in den für diese 33er geprüften Unterlagen nicht gesichert; deshalb wird keine Verteilung von der 45er übertragen. Die Musik und ihre Werkgliederung bleiben dieselben, die physischen Abschnitte der Ausgabe sind eine andere Frage.
Aktuell nennt Analogue Productions 180 Gramm. Frühere nummerierte Pressungen von 2019 und spätere dokumentierte Auflagen wurden mit 200 Gramm geführt. Die Katalognummer allein bestimmt daher nicht das Gewicht jeder Lagercharge. Auch eine bestimmte frühere Nummerierung wird nicht versprochen. Die klare Identifikation lautet: Società Corelli, RCA-Aufnahme LSC-2424, Analogue Productions AAPC 2424, Stereo, eine LP mit 33⅓ und Ryan K. Smiths Schnitt. So lässt sich die Ausgabe bewusst wählen, ohne die Formatentscheidung mit einem vorweggenommenen Urteil über die Interpretation zu verwechseln. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Auch in einer anderen Ausgabe: Vivaldi: The Four Seasons
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Società CorelliStreichensemble (ohne Dirigent)Mitwirkung: Album-Besetzung
- Vittorio EmanueleVioline (Solo)Mitwirkung: Album-Besetzung
Società Corelli ohne Dirigenten; Vittorio Emanuele, Solovioline. Aufnahme Italien; Sergio Marcotulli, Toningenieur. Datum und genauer Saal nicht gesichert. Diese 33⅓-Ausgabe: Ryan K. Smith, Sterling Sound; QRP. Werkübersicht ohne unbelegte LP-Seiten.







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