Drei Nächte im Black Hawk
Im September 1959 spielte Shelly Manne mit seinem Quintett im Black Hawk in San Francisco. Der Club an der Ecke Turk und Hyde Street war ein Ort, an dem Jazz vor einem unmittelbaren Publikum entstand. Lester Koenig ließ Howard Holzer die Auftritte vom 22. bis 24. September aufnehmen. Aus diesen drei Abenden wurden zunächst vier Contemporary-LPs. At the Black Hawk, Vol. 1 öffnet also ein Fenster in ein mehrtägiges Engagement, nicht in ein eigens für eine einzelne Platte angesetztes Konzert.
Manne spielte mit Joe Gordon an der Trompete, Richie Kamuca am Tenorsaxofon, Victor Feldman am Klavier und Monty Budwig am Bass. Diese fünf Musiker stehen auch hinter den übrigen Bänden. Vol. 1 verbindet drei Aufnahmen des ersten Abends mit zwei des letzten. „Summertime“, „Our Delight“ und „Poinciana“ stammen vom 22. September; „Blue Daniel“ und die kurze Schlussmelodie vom 24. September. Die Auswahl bewahrt den Charakter einer eingespielten Clubband und ist zugleich ein bewusst zusammengestelltes Album.

Der Bandleader sitzt am Schlagzeug
Manne hatte bereits mit Woody Herman und Stan Kenton gearbeitet, bevor er sich an der Westküste niederließ. Auch Hollywood gehörte zu seinem Berufsalltag: Für The Man with the Golden Arm half er Frank Sinatra bei der Darstellung eines Schlagzeugers. Im Black Hawk steht jedoch die eigene Gruppe im Mittelpunkt. Ein Jahr nach diesen Aufnahmen wurde Manne Mitinhaber des Clubs Shelly’s Manne-Hole in Hollywood. Regelmäßige Arbeit vor Publikum war ein wesentlicher Teil seiner musikalischen Umgebung.
Joe Gordon brachte Erfahrungen mit Charlie Parker, Art Blakey und Dizzy Gillespie mit. Kamucas Weg führte unter anderem durch die Bands von Kenton und Herman. Feldman wiederum kam aus London und spielte neben Klavier auch Vibrafon und Schlagzeug; hier ist er als Pianist zu hören. Diese verschiedenen Erfahrungen treffen auf Budwigs Bass und Mannes Schlagzeug. Hör einmal gezielt auf die Übergänge zwischen den Solisten: Dort lässt sich besonders gut verfolgen, wie die fünf Musiker eine lange Darbietung gemeinsam in Bewegung halten.

Vier lange Stücke und siebzehn Sekunden
Die erste Plattenseite besteht nur aus „Summertime“ und Tadd Damerons „Our Delight“, beide fast zwölf Minuten lang. Auf der zweiten folgen „Poinciana“ und Frank Rosolinos „Blue Daniel“. Die kurzen Formen einer Single spielen hier keine Rolle; Themen können vorgestellt, weitergegeben und nach längeren solistischen Wegen wieder aufgenommen werden. Gerade „Blue Daniel“ eröffnet mit seinem Walzer eine weitere rhythmische Perspektive innerhalb des Programms. Die verschiedenen Formen geben der Band jeweils andere Aufgaben.
Am Ende steht „Theme: A Gem from Tiffany“ von Bill Holman, eine nur rund siebzehn Sekunden lange Erkennungsmelodie. Nach den ausgedehnten Stücken erinnert dieser knappe Abschluss an die praktische Realität eines Clubsets. Wichtig ist auch die Editionsgeschichte: Ein weiterer Take von „Blue Daniel“ erschien später auf der OJC-CD. Er gehört nicht auf diese LP. Wer eine Titelliste mit zwei Fassungen findet, sieht damit eine andere Zusammenstellung der Black-Hawk-Aufnahmen und nicht den Umfang dieser Ausgabe.
Der erste Band als 180-Gramm-LP
ACONC 601 ist die Neuauflage in Crafts Contemporary Records Acoustic Sounds Series. Bernie Grundman schnitt die Lackfolien nach Herstellerangabe analog von den Originalbändern. Die 180-Gramm-Platte wurde bei Quality Record Pressings hergestellt und steckt in einer Tip-on-Hülle. Sie enthält fünf Einträge: vier ausgedehnte Darbietungen und die kurze Schlussmelodie. Die Angaben betreffen diese Ausgabe und nicht die ältere Analogue-Productions-Neuauflage mit eigener Schnitt- und Pressgeschichte.
Für die Einordnung des Albums hilft schließlich ein Blick auf seine spätere Erweiterung. Die ursprünglichen vier LP-Bände wurden auf CD um weiteres Material ergänzt, darunter ein fünfter Band mit zuvor unveröffentlichten Aufnahmen. Vol. 1 bleibt trotzdem ein eigenständiger Einstieg. Du bekommst keine vollständige Chronologie aller drei Abende, sondern eine Auswahl, in der Solisten, Rhythmusgruppe und Repertoire über längere Strecken zusammenarbeiten dürfen. Genau diese Gelegenheit unterscheidet das Black-Hawk-Projekt von einer üblichen kurzen Studiosession.
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Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Die Besetzung dieser Albumfassung ist belegt. Angaben zu einzelnen Titeln stehen in der letzten Spalte.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Shelly Manne | Schlagzeug, Leitung | Album-Besetzung |
| Joe Gordon | Trompete | Album-Besetzung |
| Richie Kamuca | Tenorsaxofon | Album-Besetzung |
| Victor Feldman | Klavier | Album-Besetzung |
| Monty Budwig | Kontrabass | Album-Besetzung |







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