Elf Herkunftsorte, eine erzählende Stimme
Ein Album mit Songs von Steely Dan, Marvin Gaye, den Beatles und Traffic könnte wie ein Gang durch verschiedene Plattensammlungen wirken. Rickie Lee Jones stellt auf It’s Like This außerdem Musical- und Songbook-Repertoire daneben. Die Verbindung entsteht nicht durch eine gemeinsame Entstehungszeit und auch nicht durch ein einzelnes Genre. Sie entsteht durch die Entscheidung einer Interpretin, diese elf Lieder als ihr gegenwärtiges Programm zu behandeln. Das am 12. September 2000 erschienene Album ist deshalb mehr als eine Sammlung bekannter Vorlagen. Es fragt, was ein Lied behält und was sich verändert, wenn eine andere Stimme seine Perspektive übernimmt.
Jones produziert gemeinsam mit Bruce Brody, der auch als Organist beteiligt ist. Ben Sidran ist bei fünf Titeln als Koproduzent genannt. Diese geteilten Aufgaben passen zu einem Album, das mehrere musikalische Herkünfte zulässt und dennoch nicht in voneinander getrennte Projekte zerfallen soll. Die Besetzung umfasst Gitarren, Tasteninstrumente, Kontrabass, Schlagzeug, Perkussion und einzelne Bläser. Das bedeutet nicht, dass alle Beteiligten in jedem Stück zu hören sind. Vielmehr steht ein personeller Kreis bereit, innerhalb dessen unterschiedliche Konstellationen möglich werden. Die Stimme ist der gemeinsame Bezugspunkt, um den diese Auswahl ihre Form findet.
Der Titel It’s Like This lässt sich als Einladung verstehen, einer persönlichen Erklärung zuzuhören. Nicht jede bekannte Melodie muss dabei als Erinnerung an die vertrauteste Fassung behandelt werden. Ein Song kann durch andere Nachbarn, eine andere Länge oder eine andere Stimme eine neue Funktion erhalten. Für die Sammlung ist gerade diese Offenheit attraktiv: Wer Rock und Jazzsong, Musical und Pop nicht in getrennten Regalfächern denken möchte, findet hier ein Programm, das solche Übergänge selbstverständlich zulässt. Die Namen der Autoren liefern Orientierung. Die eigentliche Albumidee liegt jedoch darin, dass sich ihre unterschiedlichen Geschichten in einer neuen Folge begegnen dürfen.

Gäste mit genau umrissenen Aufgaben
Die prominenten Gäste sind hier nicht einfach dekorative Namen. Joe Jackson ist für Klavier und Begleitgesang auf Show Biz Kids, For No One und One Hand, One Heart dokumentiert. Ben Folds spielt Klavier auf Low Spark Of High Heeled Boys, ist am Begleitgesang von Up A Lazy River beteiligt und singt das Schlussstück im Duett mit Jones. Dan Hicks und Taj Mahal gehören ebenfalls zum Begleitgesang von Up A Lazy River. Diese Zuordnungen machen bestimmte Begegnungen greifbar. Sie beschreiben jeweils einzelne Aufgaben und dürfen nicht zu einer Mitwirkung dieser Gäste auf dem gesamten Album ausgeweitet werden.
Daneben steht eine umfangreiche instrumentale Besetzung. John Pizzarelli ist an der akustischen Gitarre genannt, Alex Foster am Saxofon, Jeff Dellisanti an der Bassklarinette und Conrad Herwig an der Posaune. Richard Davis, Paul Nowinski und Mike Elizondo sind die drei dokumentierten Kontrabassisten; Peter Erskine, Carl Allen und Rick Marotta die Schlagzeuger. Bashiri Johnson ergänzt Perkussion. Für diese Musiker ist eine verlässliche Einzelzuordnung zu allen Titeln nicht vorhanden. Drei Bassisten in den Credits bedeuten deshalb weder drei gleichzeitig spielende Bässe noch eine belegte Verteilung, die man aus dem Charakter der Songs frei ableiten könnte.
Jones selbst ist für Gesang, akustische und elektrische Gitarre sowie Orgel dokumentiert. Brodys instrumentale und produzierende Tätigkeit bleibt eine Beteiligung derselben Person mit zwei Aufgaben. Gerade bei einer solchen Liste lohnt diese Unterscheidung: Wer spielt, wer produziert und wer die Aufnahmen technisch betreut, sind verschiedene Fragen. Fürs Hören bietet die Besetzung trotzdem eine konkrete Orientierung. Man kann den benannten Gästen auf ihren Titeln folgen und an anderer Stelle auf die unterschiedlichen Klangfamilien achten. Das Album gewinnt dadurch Konturen, ohne dass jede hörbare Einzelheit vorschnell einem bekannten Namen zugeschrieben werden müsste. Die Vielfalt der Besetzung verbindet die verschiedenen Songtraditionen auch auf der Ebene der beteiligten Instrumente.

Ein Songbook ohne feste Genregrenze
Den Anfang machen Show Biz Kids von Donald Fagen und Walter Becker sowie Marvin Gayes Trouble Man. Danach folgen Lennon und McCartneys For No One, Smile und Low Spark Of High Heeled Boys von Jim Capaldi und Steve Winwood. Schon diese ersten fünf Titel wechseln mehrfach den kulturellen Bezugspunkt. Steely Dan, die Beatles und Traffic stehen neben einem Song, dessen melodischer Ursprung mit Charlie Chaplin verbunden ist. Die Reihenfolge ist gerade deshalb interessant, weil sie keine chronologische Musikgeschichte nacherzählt. Jones stellt diese Stücke auf dieselbe Ebene: als Material, das sich heute singen und innerhalb eines Albums neu aufeinander beziehen lässt.
On The Street Where You Live führt zu Lerner und Loewe, I Can’t Get Started zu Ira Gershwin und Vernon Duke. Auf der letzten Seite der Doppel-LP stehen Up A Lazy River, Someone To Watch Over Me, Cycles und One Hand, One Heart. Damit reicht das Programm von Hoagy Carmichael und Sidney Arodin über George und Ira Gershwin sowie Gayle Caldwell bis zu Leonard Bernstein und Stephen Sondheim. Solche Herkunftsangaben sind mehr als Bildungsetiketten. Sie verdeutlichen, wie weit die Auswahl greift und wie wenig sie von der Vorstellung abhängt, ein zusammenhängendes Album müsse aus einer einzigen Songtradition stammen.
Auch die Längen setzen unterschiedliche Gewichte. Mehrere Stücke bleiben um zwei Minuten, während Trouble Man und Low Spark Of High Heeled Boys jeweils über fünf Minuten erhalten. Das Programm besteht also nicht aus elf gleich dimensionierten Bearbeitungen. Kürzere Begegnungen stehen neben ausgedehnteren Stationen, bevor das Duett One Hand, One Heart den Abschluss bildet. Wer diese Platte nur über einen Lieblingssong betritt, sollte den Weg durch die übrigen Titel mitnehmen. Ihr Reiz liegt wesentlich in den Übergängen: Vertrautes erscheint neben Unerwartetem, und ein scheinbar entfernter musikalischer Herkunftsort kann plötzlich sehr nah an den nächsten rücken.
Eine spätere Vinyl-Ausgabe mit benannten Herstellern
Die hier vorgesehene Ausgabe ist die Stereo-Doppel-LP mit 180 Gramm pro Platte und 45 U/min mit der Shopkennung AAPP 51056 und der Katalognummer APP 51056. Sie gehört zu den späteren Vinyl-Wiederveröffentlichungen des ursprünglich bei Artemis Records erschienenen Albums. Kevin Gray ist für Mastering und Lackschnitt genannt, Quality Record Pressings als Presswerk. Analogue Productions steht für den Vertrieb dieser Ausgabe. Diese Angaben unterscheiden die konkrete Vinylfassung vom Originalalbum des Jahres 2000. Das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum ist deshalb nicht automatisch das Herstellungs- oder Erscheinungsjahr der hier behandelten Pressung, und die Geschichte des Albums sollte von der Geschichte seiner Ausgabe getrennt bleiben.
Die elf Titel sind auf vier Seiten verteilt: zwei auf Seite A, drei auf Seite B, zwei auf Seite C und vier auf Seite D. Dadurch erhalten die beiden längeren Eröffnungsstücke einen eigenen Abschnitt; das abschließende Songbook-Programm bildet wiederum eine zusammenhängende Gruppe. Das ist eine reale Eigenschaft dieser Seitenfolge und eine hilfreiche Orientierung für die Handhabung der Doppel-LP. Eine benannte Schnitt- und Presswerkskombination erlaubt zugleich, die Herstellung gezielt einzuordnen. Sie ersetzt weder die musikalische Auswahl noch eine persönliche Hörentscheidung. Der Wert der Angaben liegt darin, dass sie sich auf diese Fassung beziehen und nicht auf eine beliebige Ausgabe desselben Titels.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Wer dieses Album auf Vinyl kaufen möchte, findet hier die Angaben zur beschriebenen Ausgabe. It’s Like This eignet sich für Hörer, die eine Sängerin auch als Kuratorin eines Songbooks verstehen. Jones’ Auswahl führt nicht einfach bekannte Titel vor, sondern bringt verschiedene Formen des Schreibens und Singens in Nachbarschaft. Die Gäste ergänzen diese Idee mit konkreten Beiträgen, während die Hauptstimme den Bezugspunkt hält. So ergibt sich ein Album, das sowohl vom Wiedererkennen als auch von der Bereitschaft lebt, vertrautes Material neu einzuordnen. Für die Sammlung ist das ein überzeugender Anlass, den Blick über ein einzelnes Genre hinaus zu öffnen und diese elf Songs als ein gemeinsames Programm kennenzulernen.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Rickie Lee JonesSpäteres Porträt: 2022Gesang, Akustikgitarre, E-Gitarre, OrgelMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Bruce BrodyOrgelMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- John PizzarelliAkustikgitarreMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Alex FosterSaxofonMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Jeff DellisantiBassklarinetteMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Conrad HerwigPosauneMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Richard DavisFrüheres Porträt: 1964KontrabassMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Paul NowinskiKontrabassMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Mike ElizondoKontrabassMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Peter ErskinePorträtvorlage: 2001SchlagzeugMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Carl AllenSchlagzeugMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Rick MarottaSchlagzeugMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Bashiri JohnsonPerkussionMitwirkung: Albumcredits · Titelzuordnung nicht belegt
- Joe JacksonKlavier, BegleitgesangMitwirkung: A1, B1, D4
- Ben FoldsKlavier, Begleitgesang, DuettgesangMitwirkung: Klavier B3 · Begleitgesang D1 · Duett D4
- Dan HicksBegleitgesangMitwirkung: D1
- Taj MahalBegleitgesangMitwirkung: D1
Produktion Rickie Lee Jones und Bruce Brody (er spielt zugleich Orgel); Koproduktion Ben Sidran – nur A1, C1, C2, D1 und D3; Ton Barry Goldberg, James Farber, Larry Alexander, Rob Smith; Mastering und Lackschnitt dieser Ausgabe Kevin Gray; Gestaltung und Fotografie Lee Cantelon, grafische Produktion Michael Love.










Rickie Lee –
Rickie Lee Jones‘ It’s Like This is one of those rare albums that transcend time and genre. Her voice sounds as fresh and captivating as it did when the album was first released in 2000. The songs, both original and cover, are arranged and performed with honesty, simplicity and elegance. It’s Like This is a beautiful collection of songs that can lift the spirits of anyone who listens to it. A true masterpiece.