Muddy Waters und die Wirkung der kleinen Besetzung
Bei Folk Singer führt schon der Titel leicht auf eine falsche Fährte. Muddy Waters wird hier nicht zu einem anderen Musiker, der seine bisherige Sprache ablegt. Die Aufnahmen rücken vielmehr Stimme und Gitarren in eine andere Umgebung. Das akustische Grundkonzept lässt Beziehungen sichtbar werden, die in einer dichter besetzten Bluesband anders verteilt sind: eine Antwort zwischen zwei Gitarren, das Ende einer gesungenen Zeile, eine Pause, die keine zusätzliche Stimme ausfüllt. Der Blues bleibt der Zusammenhang; die Größe und Zusammensetzung des Ensembles verändern seine Darstellung.
Die ursprünglichen Albumaufnahmen entstanden im September 1963 in den Chicagoer Chess-Studios, die auch unter dem Namen Ter Mar beziehungsweise Tel Mar geführt werden. Veröffentlicht wurde Folk Singer 1964. Die neun Stücke des ursprünglichen Albums bilden bis heute den Kern dieser Aufnahmegeschichte. Für die vorliegende Band-Ausgabe reicht die oft abgedruckte Neun-Titel-Liste allerdings nicht aus: Sie enthält zusätzlich zwei spätere Aufnahmen. Wer eine bestimmte Fassung sucht, sollte deshalb nicht nur auf den Albumtitel achten, sondern auch auf das tatsächlich enthaltene Programm.

Buddy Guy, Begleiter und ein Solostück
Buddy Guy spielt auf acht der neun ursprünglichen Albumtitel Gitarre. Die Ausnahme ist „Feel Like Going Home“, das Muddy Waters allein vorträgt. Willie Dixon und Clifton James gehören ebenfalls zu den dokumentierten Albumcredits; ihre genaue Mitwirkung auf einzelnen Titeln wird von den Quellen jedoch nicht durchgehend einheitlich beschrieben. Aus vier bekannten Namen sollte deshalb keine Behauptung einer konstanten Quartettbesetzung entstehen. Die unterschiedlichen Konstellationen sind ein Teil des Albums und verdienen dieselbe Aufmerksamkeit wie seine Songs.
Gerade der Austausch zwischen Waters und Guy bietet einen guten Zugang. Du kannst die Gitarren als Gesprächspartner hören: Wo antwortet eine auf die andere, wo bleibt sie zurück, und wann tritt die Stimme dazwischen? Das bedeutet nicht, jede Note zweifelsfrei einem Musiker zuordnen zu müssen. Entscheidend ist zunächst die veränderte Beziehung zwischen Gesang und Begleitung. Bei „Feel Like Going Home“ verschwindet dann auch dieser zweite Gitarrenpartner. Die Solokonstellation macht sichtbar, wie viel die anderen Titel durch ein Gegenüber gewinnen – und was eine einzelne Stimme mit einem einzelnen Instrument selbst tragen kann.

Neun Albumtitel und zwei wichtige Ergänzungen
„My Home in the Delta“ eröffnet das ursprüngliche Programm; „Long Distance“, „My Captain“ und „Good Morning School Girl“ führen in unterschiedliche Situationen. Auf der zweiten Hälfte stehen unter anderem „Cold Weather Blues“ und „Country Boy“, bevor „Feel Like Going Home“ den ursprünglichen Schluss bildet. Es lohnt sich, diese neun Stücke zunächst als geschlossene Folge wahrzunehmen. Der Wechsel der Besetzungsdichte gehört zu ihrer Dramaturgie. Nicht jeder Titel verlangt dieselbe rhythmische Unterstützung, und nicht jede Pause wird auf dieselbe Weise beantwortet.
Auf dem Ultra Tape folgen außerdem „The Same Thing“ und „You Can't Lose What You Ain't Never Had“. Die beiden stammen aus dem Umfeld einer Chess-Single von 1964 und gehören nicht zur ursprünglichen September-1963-Albumssitzung. Otis Spann ist hier am Klavier dokumentiert. Andere Einzelcredits dieser zusätzlichen Aufnahmen bleiben teilweise strittig und werden entsprechend nicht als sichere Besetzung ausgegeben. Für dich als Hörer bedeutet das: Nach dem ursprünglichen Album kommt ein zusätzlicher Blick auf Waters in einer anderen Aufnahmesituation. Die Erweiterung ist konkret benennbar und sollte nicht stillschweigend unter einer verkürzten Titelliste verschwinden.
Folk Singer in dieser Bandfassung
RRAP 0016 bezeichnet die Ultra-Tape-Ausgabe von Analogue Productions. Sie verwendet Viertelzollband bei 15 ips im Zweispur- beziehungsweise Halbspurformat mit IEC-Entzerrung. Die Bandmaschine muss diese Wiedergabeparameter unterstützen. Die elf Titel sind in der dokumentierten Bandfassung enthalten, obwohl die Herausgeberseite nur das ursprüngliche Neun-Titel-Programm aufführt. Für die zusätzliche Trackfolge liegen Belege zur konkreten Bandausgabe vor; eine pauschale Übernahme der kürzeren Albumliste würde hier also Informationen verlieren.
Der Herausgeber beschreibt die Kopie als Echtzeitüberspielung auf einer ATR-modifizierten Ampex-Maschine und nennt eine Kopie des ursprünglichen analogen Masterbandes als Quelle. Eine genaue Generationenfolge oder ein Mastering-Credit anderer Ausgaben lässt sich daraus nicht für dieses Band ableiten. Der musikalische Schwerpunkt liegt auf dem ursprünglichen akustischen Album, ergänzt um die beiden späteren Titel. So bietet diese Fassung sowohl die konzentrierte Begegnung mit Stimme und Gitarren als auch eine klar abgrenzbare Erweiterung – mit den Besetzungsunterschieden, die zu ihrer tatsächlichen Geschichte gehören.
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Auch als Mono-LP: Folk Singer
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Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Herausgeberangaben sind gesondert gekennzeichnet; Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Muddy Waters | Gesang, Gitarre | Album-Besetzung |
| Buddy Guy | Gitarre | A1, A2, A3, A4, A5, B1, B2, B3 |
| Otis Spann | Klavier | B5, B6 |
Willie Dixon (Kontrabass) und Clifton James (Schlagzeug) werden in den Albumcredits genannt; die Titelzuordnung ist strittig. „Feel Like Going Home“ (B4): Muddy Waters solo. B5/B6 sind zusätzliche Aufnahmen von 1964 mit Otis Spann. Weitere Bonus-Besetzungsangaben bleiben ungeklärt.







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