Welcome To My Nightmare als Hybrid-Stereo-SACD aus der Atlantic 75 Series: Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering hat Alice Coopers Konzeptalbum von 1975 direkt nach DSD gemastert. Alle elf Titel laufen als ein zusammenhängendes Musiktheater durch – von der Einladung zu Beginn über Vincent Price als „The Curator“ bis zu Escape.
Auftritt Steven
Eine Einladung kann ziemlich unheimlich sein. Auf Welcome To My Nightmare begrüßt Alice Cooper sein Publikum nicht einfach zum nächsten Rockalbum: Er führt es in eine Welt, deren Regeln sich mit jedem Stück verschieben. Verführerische Melodien stehen neben grellen Gitarren, eine vertraute Stimme wird zur Drohung, und hinter dem Spuk wartet die verletzliche Figur Steven. Das 1975 erschienene Album lebt von diesem Wechsel zwischen Unterhaltung und Verstörung, und seine Wirkung reicht weit über die Requisiten des Shock Rock hinaus. Wer den elf Titeln in ihrer Reihenfolge folgt, entdeckt eine sorgfältig gebaute musikalische Dramaturgie.
Zugleich markiert die Platte einen wichtigen personellen Einschnitt. Der Name Alice Cooper hatte zunächst eine Band bezeichnet; Welcome To My Nightmare ist das erste Soloalbum ihres Sängers. Die Zusammenarbeit mit Produzent Bob Ezrin ging weiter, doch um Cooper herum entstand eine neue Besetzung. In Nordamerika erschien das Album bei Atlantic, international war auch Anchor beteiligt. Hinter der bekannten Kunstfigur wuchs eine neue Arbeitsweise: Cooper konnte Songs, gesprochenes Theater, aufwendige Arrangements und wechselnde Studiomusiker zu einem zusammenhängenden Programm verbinden.
Besonders wichtig wurde Dick Wagner, der als Gitarrist und Mitautor an mehreren Schlüsselsongs beteiligt ist. Schon die Spanne zwischen Titelsong und Only Women Bleed zeigt, wie weit dieser gemeinsame Wortschatz reichte – hier die zweideutige Einladung in einen Albtraum, dort eine ernste, verletzliche Ballade. Cooper brauchte Musiker, die beide Seiten glaubwürdig tragen konnten, und die neue Besetzung gibt ihm genau diese Beweglichkeit: Sie begleitet eine Rolle, ohne die menschlichen Regungen dahinter verschwinden zu lassen.

Bob Ezrins Ensemble für jede Szene
Die Verbindung zu Lou Reeds musikalischem Umfeld ist ein guter Schlüssel zur Entstehung. Dick Wagner und Steve „Deacon“ Hunter hatten sich als Gitarrenduo bereits einen Namen gemacht; Bassist Prakash John und Schlagzeuger Pentti „Whitey“ Glan kamen aus demselben Kreis. Ihre Erfahrung trifft auf Ezrins feines Gespür für Übergänge, Klangfarben und szenische Zuspitzung. Die Gitarren müssen nicht ständig vorne stehen – gerade ihr Zusammenspiel mit Tasteninstrumenten, Gesang und gesprochenen Passagen macht die Arrangements beweglich und gibt jeder Szene ihren eigenen Charakter.
Dabei spielt nicht durchgehend dieselbe Rhythmusgruppe. Die Originalcredits nennen Tony Levin am Bass und Johnny „Bee“ Badanjek am Schlagzeug für Welcome To My Nightmare, The Black Widow und Escape; auf anderen Stücken legen John und Glan das Fundament. Jozef Chirowski steuert verschiedene Tasteninstrumente bei, Ezrin selbst spielt ebenfalls Keyboards und singt. Wer die Titel einzeln betrachtet, trifft deshalb auf kein starres Bandporträt, sondern auf ein bewusst zusammengestelltes Ensemble – und genau diese Unterschiede hält die Musikerübersicht unten fest.
Aufgenommen wurde in Toronto und New York. Soundstage in Toronto gehört zu den zentralen Orten, die Credits nennen außerdem Record Plant East, Electric Lady und A&R in New York. Zu den Toningenieuren zählen Dave Palmer, Jim Frank, Corky Stasiak, Ed Sprigg, Rod O’Brien und Phil Ramone; für die Arrangements stehen Ezrin und Allan Macmillan. Diese vielen Beiträge erklären, wie aus einer Rockbesetzung eine größere Theaterwelt werden konnte, ohne dass die Songs ihre eigene Form verloren.

Vom Gruselkabinett zum echten Gefühl
Vincent Price ist für diese Welt der ideale Gast. Seine Sprechrolle als „The Curator“ gehört in den Übergang von Devil’s Food zu The Black Widow; der Credit steht bei Devil’s Food. Entscheidend ist die dramaturgische Aufgabe: Die gelassene Autorität des Erzählers lässt das Unheimliche beinahe höflich klingen, und Cooper kann musikalisch weiterführen, was die Stimme vorbereitet hat. Diese Verbindung von Darstellung und Song ist ein wesentlicher Teil des Albums, keine dekorative Unterbrechung.
Some Folks bringt eine weitere Bühnenfarbe ins Spiel, bevor Only Women Bleed den Blick auf eine sehr reale Form von Leid richtet. Gerade in diesem fantasievollen Rahmen bekommt die Ballade Gewicht: Die Platte darf albern, überzeichnet und makaber sein – und verkleinert doch den Abstand zwischen Maske und Empfindung. Auf Department Of Youth kommt der Summerhill Children’s Choir hinzu; die zusätzlichen Stimmen wechseln erneut die Perspektive und weiten die Szene über den einzelnen Sänger hinaus.
Später rücken Years Ago, Steven und The Awakening die Titelfigur ins Zentrum; auf Years Ago übernimmt Trish McKinnon die Sprechrolle „Mom“. Kleine Besetzungsdetails bekommen hier erzählerische Bedeutung: Eine andere Stimme oder Instrumentierung verändert die gefühlte Größe der ganzen Szene. Escape setzt schließlich einen energischen Schlusspunkt. Beim Wiederhören lohnt es sich, nicht nur auf die bekannten Refrains zu warten, sondern auf die Verbindungen zwischen den Stücken zu achten – dort zeigt sich, wie konsequent das Album seine Spannungen ordnet und wie viel seiner Wirkung an der vollständigen Reihenfolge hängt.
Die Hybrid-Stereo-SACD der Atlantic 75 Series
CAPA 015 SA ist eine Hybrid-Stereo-SACD aus der Atlantic 75 Series von Analogue Productions. Laut Herausgeber hat Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering sie direkt nach DSD gemastert. Die SACD-Schicht spielst du auf einem SACD-fähigen Spieler ab, die CD-Schicht auf jedem gewöhnlichen CD-Spieler. Die Disc enthält alle elf Titel des Originalalbums in ihrer ursprünglichen Reihenfolge.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Mehr aus der Reihe: Atlantic 75 Series
Auch in einer anderen Ausgabe: Welcome To My Nightmare
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Alice CooperLeadgesangMitwirkung: 1–11
- Dick WagnerE- und Akustikgitarre, GesangMitwirkung: 1–11
- Steve „Deacon“ HunterE- und AkustikgitarreMitwirkung: 1, 3–7, 9–11
- Prakash JohnBassMitwirkung: 2, 4–7, 9, 10
- Pentti „Whitey“ GlanSchlagzeugMitwirkung: 2, 4–7, 9, 10
- Tony LevinBassMitwirkung: 1, 3, 11
- Johnny „Bee“ BadanjekSchlagzeugMitwirkung: 1, 3, 11
- Jozef ChirowskiTasteninstrumente, GesangMitwirkung: Instrumente je Titel verschieden; Titel 1: Clavinet/Klarinette in den Originalcredits abweichend
- Bob EzrinTasteninstrumente, Gesang, Arrangements; ProduktionMitwirkung: Albumcredit; keine pauschale Zuordnung zu jedem Titel
- Allan MacmillanArrangementsMitwirkung: Albumcredit; keine pauschale Zuordnung zu jedem Titel
- Vincent PriceSprechrolle „The Curator“Mitwirkung: 2 · Devil’s Food
- Trish McKinnonSprechrolle „Mom“Mitwirkung: 8 · Years Ago
- Gerry LyonsGesangMitwirkung: 2 · Devil’s Food
- Michael ShermanGesang; ProduktionsassistenzMitwirkung: 2, 4, 6, 9, 11
- The Summerhill Children’s ChoirChorMitwirkung: 6 · Department Of Youth
- David EzrinGesangMitwirkung: In Albumlisten genannt; genaue Titelzuordnung offen
- A Cast Of ThousandsNicht namentlich aufgeschlüsselte GesangsstimmenMitwirkung: 3 · The Black Widow
Produktion: Bob Ezrin. Arrangements: Bob Ezrin und Allan Macmillan. Aufnahmen: Soundstage Toronto; Record Plant East, Electric Lady und A&R New York. Toningenieure: Dave Palmer, Jim Frank, Corky Stasiak, Ed Sprigg, Rod O’Brien und Phil Ramone. Original-Mastering: Mike Reese, The Mastering Lab. Artwork: Drew Struzan / Pacific Eye & Ear; Fotografie: Bret Lopez. Diese Ausgabe: DSD-Mastering von Chris Bellman, Bernie Grundman Mastering.










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