Zwei Stücke für „Rabbit“
„Bunny“ und „18 Carrots for Rabbit“ sind keine zufälligen Titel. Johnny Hodges wurde unter Musikern „Rabbit“ genannt, und Gerry Mulligan widmete ihm auf diese Weise zwei eigene Kompositionen. Schon die Titelliste erzählt damit etwas über die Begegnung: Der Baritonsaxofonist bringt Material mit, das seinen Partner ausdrücklich in den Mittelpunkt rückt.
Aufgenommen wurde am 17. November 1959 in Los Angeles. Neben Mulligan und Hodges spielen Claude Williamson Klavier, Buddy Clark Bass und Mel Lewis Schlagzeug. Norman Granz produziert. Die sechs Stücke stammen aus dem kompositorischen Umfeld der beiden Bläser; ein Programm aus allgemein bekannten Standards ist dieses Treffen nicht. Es erhält seinen Rahmen durch die eigenen Beiträge der Musiker.

Der Komponist lässt den Gast allein
Ein besonders sprechendes Detail steckt in „What’s the Rush“. Das Stück trägt die Namen Gerry Mulligan und Judy Holliday, der Schauspielerin und damaligen Lebensgefährtin Mulligans. Ausgerechnet hier setzt der Baritonsaxofonist aus. Hodges übernimmt den Bläserpart allein, begleitet von der Rhythmusgruppe. Wer beide Hörner über das gesamte Album erwartet, bekommt also bewusst eine Ausnahme.
Diese Abweichung macht einen Vergleich möglich: Höre „What’s the Rush“ zunächst für sich und anschließend im Zusammenhang mit den übrigen Stücken. Wie verändert sich die Aufmerksamkeit, wenn ein zweiter Bläser hinzukommt? Wo stützen sich die Instrumente, wo werden ihre unterschiedlichen Lagen zum Thema? „Bunny“, „Back Beat“ und „Shady Side“ bieten weitere Ansatzpunkte, um die Rollen der beiden Musiker zu verfolgen, ohne die Musik auf ein bloßes Gegenüber von Alt und Bariton zu verkürzen.

Hodges zwischen Ellington und eigener Band
Hodges gehörte seit 1928 zum Umfeld Duke Ellingtons. 1951 verließ er dessen Orchester für einige Jahre, um eine eigene Gruppe zu führen; 1955 kehrte er zurück. In seiner eigenen Band spielten zeitweise auch Ben Webster und John Coltrane. Damit führt diese Begegnung zu Musikern, deren spätere Aufnahmen ganz andere Kapitel der Jazzgeschichte aufschlagen.
Mulligan kommt aus einer anderen Arbeitsweise, in der das Arrangieren ebenso wichtig war wie das Solospiel. Sein Bariton und Hodges’ Alt stehen hier vor einer kleinen Rhythmusgruppe. Claude Williamson, Buddy Clark und Mel Lewis sind deshalb mehr als eine Hintergrundbesetzung: Ihre Beiträge gehören zu den Bedingungen, unter denen die beiden Bläser miteinander arbeiten. Beim Wiederauflegen kannst du den Blick einmal dorthin richten. Welche Antwort kommt vom Klavier, wie lang bleibt ein Bassgang präsent, und wo greift das Schlagzeug einen Akzent auf? Die eigenen Kompositionen bieten dafür wechselnde Ausgangspunkte.
Die Stereoausgabe auf einer LP
AVER 77189 erscheint als 180-Gramm-Stereo-LP mit 33⅓ RPM in der Acoustic Sounds Series. Laut Acoustic Sounds masterte Matthew Lutthans bei The Mastering Lab von den originalen analogen Bändern. Die Pressung übernimmt Quality Record Pressings, die Verpackung ist eine Stoughton-Tip-On-Klapphülle. Das Album enthält sechs Titel. „What’s the Rush“ bleibt dabei die besondere Konstellation ohne Mulligans Bariton, nicht ein Fehler in der Besetzungsliste.
Michael 45 lagert die Platte in Deutschland und versendet sie aus Hilden, sodass Käufer keinen eigenen Import aus den Vereinigten Staaten samt der daraus entstehenden Wartezeit beim Zoll organisieren müssen.
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Gerry Mulligan | Baritonsaxofon |
| Johnny Hodges | Altsaxofon |
| Claude Williamson | Klavier |
| Buddy Clark | Bass |
| Mel Lewis | Schlagzeug |
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