Drei Musiker und der Platz zwischen den Noten
Bei Count Basie denkt man zuerst an eine Big Band: an Bläsersätze, die gemeinsam ansetzen, und an ein Orchester, das schon mit wenigen Takten seine Identität verrät. For The Second Time rückt den Mann am Klavier in eine andere Größenordnung. Neben ihm stehen Ray Brown am Kontrabass und Louie Bellson am Schlagzeug. Die drei brauchen keine Bläser, um die Sprache des Swing zu sprechen. Gerade diese kleine Besetzung macht den Reiz aus: Basies knappe Einwürfe bekommen Raum, während Bass und Schlagzeug den Verlauf mitgestalten. Das Klavier muss weder eine Orchesterpartitur ersetzen noch jede freie Stelle ausfüllen.
Die Aufnahme entstand am 28. August 1975 in den Cherokee Studios in Los Angeles. Basie hatte eine Woche zuvor seinen 71. Geburtstag gefeiert; Brown war 48, Bellson 51. Norman Granz produzierte, Ed Greene betreute die Aufnahme. Hinter dem entspannten Format steckt damit eine enorme gemeinsame Erfahrung aus Orchestern, kleinen Gruppen und Studios. Als Album erschien die Sitzung erst 1983 bei Pablo. Zwischen dem Tag im Studio und der Veröffentlichung lagen also rund acht Jahre. Der Titel bezeichnet eine Fortsetzung: Bereits 1974 hatten die drei For The First Time aufgenommen. Hier begegnen sie einander mit einem neuen Programm aus acht Stücken.

Vier Blues und vier alte Bekannte
Die Dramaturgie ist erfreulich übersichtlich. Vier Stücke tragen die Namen Basie und Brown als Komponisten: „Sandman“, „Draw“, „Blues For Eric“ und „Racehorse“. Dazwischen stehen vier Standards. Das lässt sich als Wechsel zwischen eigener musikalischer Kurzschrift und gemeinsamem Gedächtnis hören. Ein Blues liefert den vertrauten Rahmen, in dem eine kleine Verschiebung viel bedeuten kann; bei einem Standard bringt bereits die Melodie ihre Geschichte mit. Für ein Trio dieser Art sind beide Wege ergiebig. Man kann dem Thema folgen und zugleich darauf achten, wie die drei den nächsten Einsatz vorbereiten, einen Gedanken beantworten oder bewusst eine Lücke stehen lassen.
„If I Could Be With You One Hour Tonight“ führt besonders weit zurück. Die Musik stammt von James P. Johnson, einem der Pianisten, die Basie in seinen frühen Harlemer Jahren kennenlernte. „On The Sunny Side Of The Street“, „The One I Love Belongs To Somebody Else“ und „I Surrender, Dear“ gehören ebenfalls zu einem Repertoire, das lange vor dieser Sitzung gewachsen war. Basie behandelt solche Titel aus der Perspektive eines Musikers, für den sie gelebte Gegenwart geblieben sind. Ihre Bekanntheit wird zur Voraussetzung für Freiheit: Wer die Melodie im Ohr hat, kann auch einer Andeutung folgen, ohne dass jeder Abschnitt ausführlich ausbuchstabiert werden muss.

Ray Brown und Louie Bellson auf Augenhöhe
Brown war über viele Jahre ein prägender Partner Oscar Petersons gewesen und hatte für Granz' verschiedene Labels unzählige Aufnahmesituationen erlebt. Bellsons Weg führte unter anderem durch die Orchester von Benny Goodman und Duke Ellington. Auf dieser Platte begegnen sich damit drei Musiker, die wissen, wie eine große Formation funktioniert, und dieses Wissen in ein kleines Ensemble übersetzen können. Der Albumname Kansas City 3 passt zu Basies Pablo-Aufnahmen in wechselnden kleinen Besetzungen. Er verspricht hier kein verkleinertes Bläserorchester, sondern einen unmittelbaren Zugang zum Pianisten und zu seinen beiden Partnern.
Ein guter Einstieg ist, bei „Sandman“ zunächst den Bass als eigene Stimme zu verfolgen und erst danach die Aufmerksamkeit auf Basies Antworten zu richten. Beim erneuten Hören kann Bellsons Arbeit die Orientierung übernehmen. Solche Perspektivwechsel passen zu einem Album, dessen Material keiner langen Erklärung bedarf, das aber viele Beziehungen innerhalb der Besetzung anbietet. Die LP bewahrt die acht Titel des ursprünglichen Albums. Zwei weitere Aufnahmen derselben Sitzung, „Love Me Or Leave Me“ und „Madame Fitz“, erschienen später auf Basie And Friends. For The Second Time bleibt deshalb ein eigenständig zusammengestelltes Programm mit einem klaren Anfang und Ende.
Diese Ausgabe von Analogue Productions
Die angebotene Ausgabe trägt die Katalognummer AAPJ 166 und gehört zur Pablo-Reihe von Analogue Productions. Sie erscheint als einzelne 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Matthew Lutthans betreute das Mastering bei The Mastering Lab. Nach Angaben des Herausgebers wurde dafür ein ungemischtes Vierspurband der Sitzung während des Schnittvorgangs zu Stereo gemischt. Das ist eine konkrete Besonderheit dieser Ausgabe: Als Ausgangspunkt nennt der Herausgeber das Sessionband mit seinen getrennten Spuren. Die Musik bleibt das achtteilige Albumprogramm; die technische Arbeit betrifft dessen Präsentation auf dieser Neuauflage.
Gepresst wird die LP bei Quality Record Pressings. Die Hülle fertigt Stoughton Printing als Tip-on-Ausführung mit einer Tasche. Für die Einordnung im Regal sind Katalognummer und Format hilfreich, denn von diesem Titel existiert auch eine ältere Analogue-Productions-Ausgabe auf zwei Platten mit 45 Umdrehungen und anderen Masteringcredits. AAPJ 166 ist die hier beschriebene Ein-LP-Fassung mit Lutthans' Mastering. Sie bringt Basies späte Trioarbeit in einem kompakten Albumformat zusammen: vier Standards, vier Blues und drei Musiker, deren Erfahrung sich gerade darin zeigt, wie selbstverständlich sie einander Platz lassen.
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Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Count Basie | Klavier | Album-Besetzung |
| Ray Brown | Kontrabass | Album-Besetzung |
| Louie Bellson | Schlagzeug | Album-Besetzung |
Trio auf allen acht Albumtiteln. Louie Bellson ist auf der Hülle als Louis Bellson genannt.







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