Zwei große Stimmen im selben Quartett
Art Tatum und Ben Webster bringen in The Tatum Group Masterpieces zwei sehr unterschiedliche musikalische Persönlichkeiten zusammen. Das Klavier ist hier nicht einfach die Begleitung des Saxofons, und der Tenor muss nicht jede freie Stelle besetzen. Sieben Standards bilden den gemeinsamen Bezugspunkt, an dem sich beide orientieren und voneinander entfernen können. Dazu kommen Red Callender am Bass und Bill Douglass am Schlagzeug. Die vier Musiker machen aus bekannten Liedern ein Quartettprogramm, dessen Reiz im Verhältnis der Stimmen liegt. Wenn du zwischen Klavier und Saxofon wechselst, kannst du denselben musikalischen Moment aus verschiedenen Perspektiven verfolgen.
Die Sitzung fand am 11. September 1956 in Los Angeles statt, unter der Leitung des Produzenten Norman Granz. Sie war die letzte Gruppensitzung seines großen Tatum-Aufnahmeprojekts. Weniger als zwei Monate später, am 5. November, starb der Pianist. Diese zeitliche Nähe gibt dem Album historisches Gewicht, sollte aber nicht jede Phrase nachträglich in eine Abschiedsgeste verwandeln. Die Musiker spielen ein sorgfältig ausgewähltes Standardprogramm, keine ausdrücklich als Vermächtnis angekündigte Suite. Die Aufnahme dokumentiert Tatum im Zusammenspiel mit drei Kollegen und lässt sich gerade in dieser konkreten Situation verstehen, ohne ihr unbelegte Absichten zuzuschreiben.

Die Rhythmusgruppe gehört zum Gespräch
Callender und Douglass waren mit Tatum vertraut. Beide hatten bereits an seiner Quartettaufnahme mit Buddy DeFranco mitgewirkt. Das ist für diese Begegnung wichtig: Die Rhythmusgruppe musste nicht erst eine gemeinsame Grundlage mit dem Pianisten finden. Callender war als Bassist und Tubist in der Musikszene von Los Angeles tätig, spielt hier aber Bass. Douglass hatte unter anderem mit Benny Goodman gearbeitet und gehörte zu den Musikern, die sich für die Aufhebung der rassistischen Trennung der örtlichen Musikergewerkschaften einsetzten. Solche Biografien machen deutlich, dass hinter den beiden Begleitnamen eigenständige Laufbahnen stehen.
Webster und Tatum, beide Jahrgang 1909, begegnen sich nicht in einem Wettstreit um möglichst viele Noten. Fürs Hören ist interessanter, wie die Rollen beweglich bleiben. Wann hält der Tenor eine Melodie zusammen, während das Klavier ihren harmonischen Raum erweitert? Wo werden Bass und Schlagzeug besonders wichtig, weil sie den Zusammenhang sichern? Solche Fragen helfen, die Gruppe als Ganzes wahrzunehmen. Die Aufnahme ist instrumental; Gesang und zusätzliche Bläser gehören nicht zur Besetzung. Gerade der begrenzte Rahmen macht es möglich, die Beiträge aller vier Musiker über die gesamte Platte hinweg miteinander in Beziehung zu setzen.

Von Verve zu Pablo – mit anderer Reihenfolge
Die Aufnahme erschien zunächst bei Verve als The Art Tatum • Ben Webster Quartet. Pablo existierte damals noch nicht. Erst 1975 veröffentlichte Granz die Sitzung innerhalb der Tatum Group Masterpieces erneut. Dabei änderte sich die Reihenfolge: Das ursprüngliche Verve-Album begann mit „All The Things You Are“, die Pablo-Fassung eröffnet mit „Gone With The Wind“. Die hier angebotene Analogue-Productions-LP folgt diesem späteren Pablo-Ablauf. Der Albumtitel bezeichnet somit auch eine neue Einordnung älterer Aufnahmen. Er ist kein Hinweis darauf, dass die Musik ursprünglich für das erst viel später gegründete Label eingespielt worden wäre.
Auf „Gone With The Wind“ folgen „All The Things You Are“, „Have You Met Miss Jones?“ und „My One And Only Love“. Die zweite Seite bringt „Night And Day“, „My Ideal“ und „Where Or When“. Das Repertoire verbindet Broadway-Komponisten wie Jerome Kern, Cole Porter sowie Richard Rodgers und Lorenz Hart mit weiteren Liedautoren. Alle sieben Stücke waren bereits vorhandene Kompositionen. Spätere CDs ergänzten Alternativtakes, die auf dieser LP nicht enthalten sind. Du hörst daher ein begrenztes Albumprogramm und keine vollständige Dokumentation aller Versuche der Sitzung. Auch die Reihenfolge ist eine redaktionelle Entscheidung innerhalb der langen Veröffentlichungsgeschichte.
Ein neuer Schnitt für die Pablo-Fassung
AAPJ 164 ist eine einzelne 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen aus der ersten Pablo-Staffel von Analogue Productions. Matthew Lutthans verantwortet das Mastering und den Lackschnitt bei The Mastering Lab. Der Herausgeber nennt das ursprüngliche analoge Band als Quelle; die Formulierung wird hier nicht zu einer detaillierteren, unbelegten Bandkette erweitert. Die dokumentierten Auslaufrillen stützen den neuen Schnitt. Diese Ausgabe ist außerdem von der älteren 45er-Doppel-LP zu unterscheiden. Dasselbe Album und derselbe Reissue-Verlag bedeuten nicht automatisch dieselbe technische Bearbeitung oder dasselbe Format.
Quality Record Pressings und eine Stoughton-Tip-on-Hülle mit einer Tasche sind ausgewiesen. Die Ausgabe wird bei Discogs als Mono geführt; der Herausgeber kennzeichnet die Kanalzahl auf seiner Produktseite nicht ausdrücklich. Eine Nummerierung gilt nur für die anfänglichen Abonnentenexemplare und wird nicht für jede Platte versprochen. Die Pablo-Aufmachung bewahrt die Verbindung von Webster, Tatum, Callender und Douglass in sieben Standards. Wer die Musik über einzelne berühmte Solisten entdeckt, findet hier einen guten Anlass, ihren Zusammenhang als Quartett zu hören und die weniger prominenten Namen ebenso ernst zu nehmen. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Art TatumKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Ben WebsterTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Red CallenderBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Bill DouglassSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Quartett auf allen sieben LP-Titeln. CD-Bonustakes gehören nicht zu dieser Ausgabe.









Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.