Ein Album, das die Innenwelt nach außen kehrt
Am Anfang von Pet Sounds steht ein Wunsch: endlich dort anzukommen, wo Liebe, Alltag und Erwachsensein zusammenpassen. Schon „Wouldn’t It Be Nice“ macht daraus ein ganzes kleines Drama. Die Musik drängt nach vorn, während der Text von einem Leben erzählt, das noch nicht möglich ist. Als das Album am 16. Mai 1966 bei Capitol erschien, hatte Brian Wilson den vertrauten Beach-Boys-Kosmos weit geöffnet. Die Sehnsucht blieb, aber sie galt nun weniger einem Ort an der Küste als einem Zustand innerer Sicherheit. Hinter den eingängigen Melodien liegen Zweifel, Verletzlichkeit und das Gefühl, mit der eigenen Empfindsamkeit nicht recht in die Umgebung zu passen.
Wilson produzierte und arrangierte die Aufnahmen und schrieb den größten Teil der Musik; Tony Asher wurde sein wichtigster Textpartner. Die Arbeit erstreckte sich von 1965 bis ins Frühjahr 1966, mit dem Schwerpunkt in den ersten Monaten des Jahres 1966. Western, Gold Star, Sunset Sound und die Studios von CBS Columbia Square gehörten zu den beteiligten Orten in Hollywood. Chuck Britz war einer der entscheidenden technischen Partner. Während die Beach Boys auf Tournee waren, entwickelte Wilson im Studio Instrumentalspuren mit Musikern, die später unter dem Sammelnamen Wrecking Crew berühmt wurden. Diese Arbeitsteilung machte das Album jedoch keineswegs zu einer Platte ohne die Beach Boys: Ihre Stimmen geben den ausgefeilten Arrangements eine unverwechselbare menschliche Gestalt.
Die Stücke erzählen keine fortlaufende Handlung, und doch entsteht ein Zusammenhang. Auf die Hoffnung des Anfangs folgen Selbstzweifel, Geborgenheit, Entfremdung und Erinnerung. „That’s Not Me“ lässt den Wunsch nach Unabhängigkeit mit dem Bedürfnis nach Nähe kollidieren; „I Just Wasn’t Made for These Times“ formuliert das Gefühl des Fremdseins ohne große Pose. Den Schluss bildet „Caroline, No“, dessen Verlustgefühl weit über einen einzelnen Abschied hinausreicht. Die anschließenden Alltagsgeräusche holen diese sorgfältig gebaute Welt wieder nach draußen. Gerade das Nebeneinander von kunstvoller Konstruktion und einfachen menschlichen Fragen macht das Album so zugänglich.

Stimmen, die den Arrangements ein Gesicht geben
Brian Wilson steht oft im Vordergrund, doch ein genauer Blick auf die Leadstimmen zeigt, wie verschieden die Beach Boys diese Lieder erzählen. Mike Love übernimmt unter anderem „Here Today“ und wesentliche Teile von „That’s Not Me“; in „Sloop John B“ wechseln sich seine und Brians Stimme ab. Al Jardine ist an „I Know There’s an Answer“ beteiligt. Und Carl Wilson singt „God Only Knows“ mit jener unmittelbaren, unangestrengten Ansprache, die das Stück von jeder bloßen Demonstration kompositorischer Raffinesse entfernt. Im auslaufenden Vokalgeflecht kommen Brian Wilson und Bruce Johnston hinzu. Die Verschiedenheit der Stimmen gehört zur Dramaturgie des Albums, auch wenn der gemeinsame Harmoniegesang sie immer wieder verbindet.
Unter den Stimmen arbeitet ein außergewöhnlich vielseitiges Ensemble. Carol Kaye am E-Bass und Lyle Ritz am Kontrabass stehen für zwei unterschiedliche Fundamente, die in den dokumentierten Credits häufig zusammen erscheinen. Hal Blaine gehört zu den zentralen Schlagzeugern; Jim Gordon und weitere Kollegen sind an einzelnen Titeln beteiligt. Barney Kessel, Glen Campbell, Billy Strange und Jerry Cole bringen unterschiedliche Gitarrenfarben ein. Larry Knechtel und Al de Lory erweitern die Tastenpalette, während Holzbläser, Streicher, Akkordeons und Schlaginstrumente das übliche Vokabular einer Popgruppe weit überschreiten. Diese Namen bezeichnen wechselnde Besetzungen, keine einzige Band, die sämtliche Stücke unverändert durchspielt.
Bei „God Only Knows“ treffen etwa Akkordeon, Streicher und Horn auf die Rhythmusgruppe. „You Still Believe in Me“ arbeitet mit Cembalo und Holzbläserfarben. Für „I Just Wasn’t Made for These Times“ spielte Paul Tanner das Electro-Theremin: ein elektronisches Instrument mit mechanischer Tonhöhensteuerung, das häufig verkürzt als Theremin bezeichnet wird. Es ist kein frei zwischen zwei Antennen gespieltes Instrument. Solche Unterschiede sind mehr als Fußnoten, denn Wilson suchte sehr konkrete Klangmischungen. Auch die beiden Instrumentalstücke, „Let’s Go Away for Awhile“ und „Pet Sounds“, sind deshalb keine Pausenfüller. Sie lassen die Arrangements selbst sprechen und geben dem Album zwei anders geartete Atemräume.

Dreizehn Stücke, deren Details zusammengehören
Ein reizvoller Zugang ist, den Basslinien und den Übergängen zwischen den Stimmen zu folgen. Viele Arrangements gewinnen ihre Beweglichkeit dadurch, dass eine Begleitstimme mehr tut, als nur einen Grundton festzuhalten. Gleichzeitig wechseln die instrumentalen Farben oft auf engem Raum. In „Don’t Talk (Put Your Head on My Shoulder)“ kann man darauf achten, wie die Streicher die Intimität des Gesangs umrahmen, ohne den Text mit zusätzlicher Handlung zu überladen. „I’m Waiting for the Day“ stellt der Verletzlichkeit eine deutlich energischere Bewegung gegenüber. So entsteht Abwechslung innerhalb einer sehr geschlossenen emotionalen Welt.
„Sloop John B“ nimmt eine Sonderstellung ein. Das traditionelle Lied kam auf Anregung Al Jardines ins Repertoire, der die Fassung des Kingston Trio kannte. Seine Erzählung von einer missglückten Reise scheint zunächst weiter vom übrigen Album entfernt zu sein. Der Wunsch, wieder nach Hause zu kommen, verbindet es aber mit den Fragen nach Zugehörigkeit und Halt, die auch die anderen Stücke beschäftigen. Zwischen den persönlich gefärbten Liedern öffnet es ein Fenster nach außen. Dass ein bekanntes Volkslied, zwei Instrumentals und so intime neue Songs auf einer Platte zusammenfinden, zeigt die Spannweite von Wilsons Albumdenken.
Für Sammler liegt der Reiz nicht allein in der späteren Berühmtheit der Platte. Pet Sounds ist ein Werk, bei dem die Geschichte der Mischung eng mit der künstlerischen Absicht verbunden ist. Wilson konzipierte die ursprüngliche Veröffentlichung in Mono. Die echte Stereofassung entstand erst Jahrzehnte später unter Beteiligung Mark Linetts und erschien im Zusammenhang mit The Pet Sounds Sessions 1997. Beide Perspektiven haben deshalb unterschiedliche historische Voraussetzungen. Es lohnt sich, die konkrete Ausgabe bewusst zu wählen und die vertrauten Melodien einmal als zusammenhängenden Albumablauf zu hören: vom erwartungsvollen Aufbruch bis zu jener letzten Frage, die „Caroline, No“ offenlässt.
Stereo auf einer LP: AAPP 067
AAPP 067 präsentiert Pet Sounds in Stereo auf einer Schallplatte mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray bei Cohearent Audio verantwortet das Mastering innerhalb der Beach-Boys-Reihe von Analogue Productions; Quality Record Pressings fertigt die Platte, die in einer Stoughton-Tip-on-Hülle erscheint. Der Herausgeber nennt heute 180 Gramm. Dokumentierte ältere Auflagen wurden auch mit 200 Gramm angeboten; eine bestimmte Lagercharge ist damit nicht automatisch bestimmt.
Entscheidend ist die Herkunft der Stereofassung. Mark Linett musste die getrennt aufgenommenen Instrumental- und Gesangsspuren zu einer gemeinsamen Arbeitsgrundlage zusammenführen. Die dokumentierte Herstellung beinhaltet einen digitalen Zwischenschritt und eine anschließende Übertragung auf Analogband. Ein analoger Schnitt oder eine analoge Bandvorlage am Ende dieser Kette macht das Ergebnis deshalb nicht zu einer durchgehend analogen Produktion. Die historische Leistung liegt vielmehr darin, Material, das 1966 für die Monomischung entstand, später in eine echte Stereoperspektive zu überführen.
Die einzelne 33⅓-LP bewahrt den vertrauten Ablauf mit einem Seitenwechsel: sieben Stücke auf Seite A, sechs auf Seite B, beginnend mit „God Only Knows“. Das kann besonders angenehm sein, wenn man den Zusammenhang der Lieder im Mittelpunkt behalten möchte. Die Alternative auf zwei 45er-LPs verteilt dieselbe Stereofassung über vier Seiten. Diese Ausgabe ist somit eine bewusste Wahl für Stereo und den zusammenhängenderen Ein-LP-Ablauf, ohne daraus ein unbelegtes allgemeines Klangurteil über die anderen Formate abzuleiten.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Al CaseyGitarreMitwirkung: A6, A7, B3
- Al de LoryCembalo, Orgel, KlavierMitwirkung: A1, A2, A4, A5, A6, A7, B2, B6
- Alan JardineLeadgesangMitwirkung: B2
- Alan RobinsonHornMitwirkung: B1
- Arnold BelnickViolineMitwirkung: A4, A6
- Barney KesselPorträt: BestandsporträtGitarre, MandolineMitwirkung: A1, A2, A6, B2, B4, B6
- Bill GreenPerkussionMitwirkung: B5
- Bill PitmanGitarreMitwirkung: A1
- Billy StrangeE-Gitarre, GitarreMitwirkung: A2, A4, A7, B5
- Bobby KleinTenorsaxofonMitwirkung: B2, B4
- Brian WilsonPorträt: 1966Leadgesang, Orgel, Klavier, GesangMitwirkung: A1, A2, A3, A4, A5, A7, B1, B2, B4, B5, B6
- Bruce JohnstonLeadgesangMitwirkung: B1
- Carl FortinaAkkordeonMitwirkung: A1, B1
- Carl WilsonGitarre, LeadgesangMitwirkung: A3, B1
- Carol KayeE-BassMitwirkung: A1, A2, A3, A4, A5, A6, A7, B1, B3, B5, B6
- Chuck BerghoferKontrabassMitwirkung: B4
- Darrel TerwilligerViolaMitwirkung: B1
- Dennis WilsonSchlagzeugMitwirkung: A3
- Don RandiKlavierMitwirkung: B1, B3, B4
- Ernie TackBassposauneMitwirkung: B3
- Frank CappGlocken, Pauken, Perkussion, Glockenspiel, VibrafonMitwirkung: A1, A3, A4, A7, B3, B4, B6
- Frank MaroccoAkkordeonMitwirkung: A1, B1
- Gail MartinPosauneMitwirkung: B3
- Gary ColemanPauken, BongosMitwirkung: A5
- Glen Campbellzwölfsaitige Akustikgitarre, GitarreMitwirkung: A3, A4, B2, B4, B6
- Hal BlainePorträt: 1995Schlagzeug, Pauken, BongosMitwirkung: A1, A2, A4, A6, A7, B1, B2, B4, B6
- Harry HyamsViolaMitwirkung: A5, A6
- Jack NimitzBaritonsaxofonMitwirkung: A7, B3
- James GetzoffViolineMitwirkung: A6
- Jay MiglioriBaritonsaxofon, Bassklarinette, Klarinette, Flöte, SaxofonMitwirkung: A1, A2, A5, A6, A7, B1, B2, B3, B4, B5, B6
- Jerome ReislerViolineMitwirkung: A6
- Jerry ColeE-Gitarre, GitarreMitwirkung: A1, A2, A7, B5
- Jerry WilliamsPerkussionMitwirkung: A2
- Jesse EhrlichVioloncelloMitwirkung: B1
- Jim GordonPorträt: BestandsporträtSchlagzeug, PerkussionMitwirkung: A5, B1
- Jim HornBaritonsaxofon, Flöte, Saxofon, TenorsaxofonMitwirkung: A2, A5, A6, A7, B1, B2, B5, B6
- Joseph DiFioreViolaMitwirkung: A6
- Joseph DiTullioVioloncelloMitwirkung: A6
- Joseph SaxonVioloncelloMitwirkung: A4, A6
- Jules JacobFlöteMitwirkung: A6
- Julius WechterPerkussion, Pauken, VibrafonMitwirkung: A2, A6, B2
- Justin DiTullioVioloncelloMitwirkung: A5
- Larry KnechtelPorträt: BestandsporträtOrgelMitwirkung: A1, A5, B1, B2, B3
- Leonard HartmanKlarinette, Bassklarinette, EnglischhornMitwirkung: A5, B1
- Leonard MalarskyViolineMitwirkung: A5, A6, B1
- Lyle RitzKontrabass, UkuleleMitwirkung: A1, A2, A3, A4, A5, A6, A7, B1, B2, B3, B5, B6
- Mike DeasyGitarreMitwirkung: B3
- Mike LoveLeadgesangMitwirkung: A1, A3, A7, B2, B3
- Mike MelvoinCembaloMitwirkung: B4
- Nick MartinisSchlagzeugMitwirkung: B3
- Norman BotnickViolaMitwirkung: A4
- Paul HornTenorsaxofonMitwirkung: B2
- Paul TannerElectro-ThereminMitwirkung: B4
- Plas JohnsonFlöte, Perkussion, Saxofon, TenorsaxofonMitwirkung: A1, A2, A6, B4, B5, B6
- Ralph SchaefferViolineMitwirkung: A4, A5, A6
- Ray PohlmanBass, E-Bass, Gitarre, MandolineMitwirkung: A1, A5, B1, B2, B4
- Richie FrostSchlagzeug, PerkussionMitwirkung: B5
- Ron SwallowTamburinMitwirkung: A7 · Zuordnung unsicher
- Roy CatonTrompeteMitwirkung: A1, A6, B5
- Sidney SharpViolineMitwirkung: A4, A5, A6, B1
- Steve DouglasKlarinette, Flöte, Perkussion, Saxofon, TenorsaxofonMitwirkung: A1, A2, A4, A6, A7, B2, B4, B6
- Terry MelcherTamburinMitwirkung: B3
- Tibor ZeligViolineMitwirkung: A4, A6
- Tommy MorganMundharmonikaMitwirkung: B2, B4
- Tommy TedescoAkustikgitarreMitwirkung: B5
- William GreenFlöte, Saxofon, TenorsaxofonMitwirkung: A2, A5, B1, B5, B6
- William KuraschViolineMitwirkung: A5, A6
- The Beach BoysGesangMitwirkung: Harmoniegesang; vollständige Titelzuordnung offen
Die Titelzuordnung folgt den dokumentierten Wiederveröffentlichungscredits. Instrumentenlisten sind zusammengefasste Rollen, nicht jedes Instrument auf jedem genannten Titel. Harmoniegesang nicht für jeden Titel einzeln belegt; Electro-Theremin ist das von Paul Tanner gespielte mechanisch gesteuerte Instrument, kein frei mit den Händen gesteuertes Theremin.













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