Nuthin’ Fancy: Hinter dem lässigen Titel steckt eine ganze Band
Nuthin’ Fancy klingt nach einer freundlichen Absage an große Umstände. Das dritte Studioalbum von Lynyrd Skynyrd, erschienen im März 1975, lässt sich von diesem Titel jedoch nur zum Teil erklären. Acht Stücke zeigen eine Band, deren Sprache aus Rock, Blues und Country besteht und deren Stärke im Zusammenspiel liegt. Gitarren gehören unübersehbar dazu, aber ebenso ein Sänger mit erzählerischem Instinkt, bewegliche Tasteninstrumente und eine Rhythmusgruppe, die den Stücken ihre Haltung gibt. Die Platte braucht keine thematische Verkleidung. Ihr Zusammenhang entsteht aus den Menschen, die diese Songs gemeinsam in Form bringen.
Nach Second Helping bedeutete das Album zugleich Kontinuität und Veränderung. Artimus Pyle übernimmt das Schlagzeug; Ed King, Allen Collins und Gary Rossington bilden die Gitarrenbesetzung. Leon Wilkeson spielt Bass, Billy Powell Keyboards, Ronnie Van Zant singt. Diese Namen sind nicht bloß ein berühmtes Mannschaftsfoto. Sie bezeichnen unterschiedliche Aufgaben innerhalb eines Klangbildes, das leicht auf das Schlagwort Southern Rock verkürzt wird. Wer genauer hinsieht, findet darin Platz für schwere Riffs, rollende Bewegungen, Balladen und ein Stück wie Made in the Shade, dessen Instrumentarium deutlich über die Vorstellung von drei elektrisch verstärkten Gitarren hinausgeht.
Produzent Al Kooper bleibt auch musikalisch beteiligt. Der überwiegende Teil des Albums wurde im Januar 1975 in den WEBB IV Studios in Atlanta aufgenommen; Saturday Night Special stammt bereits aus einer Aufnahme vom August 1974 im Studio One in Doraville. Die Platte ist also kein einziger festgehaltener Abend, sondern eine Studioarbeit mit ihrer eigenen Entstehungsgeschichte. Das Ergebnis verbindet eine bereits gefestigte Bandidentität mit neuen personellen Akzenten. Für Sammler lohnt sich gerade dieser Zwischenstand: Ed King ist hier noch dabei, während Pyle bereits jene rhythmische Rolle übernimmt, die für die folgende Phase wichtig wird.

Acht Songs zwischen Warnung, Fernweh und Selbstbehauptung
Saturday Night Special eröffnet das Album mit einem Thema, das hinter dem griffigen Rocksong nicht verschwinden sollte. Der Text handelt von der Gefahr billiger Handfeuerwaffen und impulsiver Gewalt. Van Zants Erzählhaltung gibt dem Stück damit eine andere Bedeutung als eine pauschale Feier von Härte. Musikalisch ist es ein guter Einstieg, um auf die Verbindung von Riff, Gesang und rhythmischen Akzenten zu achten. Die Energie erklärt sich nicht allein durch Lautstärke; ein Song gewinnt Gewicht auch dadurch, dass seine Teile gemeinsam auf eine Aussage zulaufen. Cheatin’ Woman setzt anschließend einen anderen zwischenmenschlichen Konflikt daneben.
Railroad Song und I’m a Country Boy bilden auf dieser Ausgabe die zweite Seite. Das Motiv des Unterwegsseins trifft auf eine ausdrücklich behauptete Herkunft. Dabei lohnt ein Blick auf die Besetzung: Gary Rossington ist für Railroad Song gerade nicht als Gitarrist beteiligt. Jimmy Hall spielt dort Mundharmonika, Al Kooper Orgel und Bobbye Hall Perkussion; Wilkeson gehört auch zu den Begleitstimmen. Diese Details machen die Platte interessanter als die Vorstellung eines Gitarrensatzes, der unverändert durch jedes Stück marschiert. Der Bandsound bleibt erkennbar, während sich die Aufgaben und Farben innerhalb der einzelnen Songs verschieben.
Mit On the Hunt und Am I Losin’ folgt ein Paar, das unterschiedliche Arten von Spannung zulässt. Danach weitet Made in the Shade das Instrumentarium besonders deutlich: Barry Lee Harwood ist mit Mandoline und Dobro belegt, Jimmy Hall mit Mundharmonika, Kooper mit Klavier und Ed King mit Moog-Bass. Whiskey Rock-a-Roller beendet die Platte; hier ist David Foster am Klavier dokumentiert. Die Abfolge führt also keineswegs achtmal durch denselben Aufbau. Wer das Album in Ruhe durchhört, kann verfolgen, wie die Band zwischen öffentlicher Pose und persönlicherer Ansprache wechselt. Gerade diese Abwechslung hält das scheinbar unkomplizierte Programm lebendig und gibt auch den weniger häufig genannten Stücken ihr eigenes Gewicht.

Ronnie Van Zant, Artimus Pyle und die Kunst des gemeinsamen Drucks
Ronnie Van Zants Rolle lässt sich nicht auf die eines Mannes vor einer Gitarrenwand reduzieren. Seine Texte und sein Vortrag müssen einen Standpunkt vermitteln, während hinter ihm mehrere Instrumente gleichzeitig um Bewegung und Raum arbeiten. Ein hilfreicher Hörzugang besteht darin, die Gesangszeilen einmal als gesprochene Gedanken aufzufassen: Wo liegt die Betonung, wie wird eine Aussage vorbereitet, und an welcher Stelle antwortet die Band? Aus dieser Perspektive erscheinen die Instrumentalpassagen nicht als Unterbrechung des Songs, sondern als Teil derselben Erzählung. Der Sänger hält die verschiedenen Charaktere des Programms zusammen.
Artimus Pyles Einstieg ist ein weiterer Schlüssel zum Album. Gemeinsam mit Leon Wilkeson bildet er das rhythmische Fundament, auf dem Gitarren und Tasten ihre unterschiedlichen Rollen entfalten können. Billy Powell erweitert dieses Gefüge von der harmonischen Seite. Drei Gitarristen bedeuten dabei nicht, dass jeder ständig möglichst viel spielen muss. Interessant wird die Besetzung, wenn sich Aufgaben unterscheiden: eine Figur trägt den Song, eine weitere setzt Gegenbewegung, ein Solo tritt zeitweise hervor. Beim bewussten Hören kann man diese Rollen verfolgen, ohne jede einzelne Note einem Spieler zuschreiben zu müssen, wenn die Credits eine solche Zuordnung nicht sicher hergeben.
Auch die zusätzlichen Musiker verdienen einen eigenen Blick. Kooper steuert auf Saturday Night Special Moog-Synthesizer bei, ist auf anderen Titeln an Orgel, Klavier oder Perkussion beteiligt und ergänzt Begleitgesang. Bobbye Halls Perkussion gehört außer zu Railroad Song auch zu On the Hunt. Diese Mitarbeit ist kein beliebig austauschbarer Studiozuschlag. Sie zeigt, wie das Album seine Farben konkret gewinnt. Für eine Sammlung der klassischen Skynyrd-Jahre ist Nuthin’ Fancy deshalb besonders reizvoll, wenn man es neben den Nachbaralben hört: als eigenes Ensemblebild, dessen Unterschiede genauso viel erzählen wie die vertrauten Gemeinsamkeiten. Die Platte muss dafür nicht größer gemacht werden, als sie ist. Acht sorgfältig unterscheidbare Songs reichen vollkommen.
Die Analogue-Productions-Ausgabe auf vier 45er-Seiten
Die vorliegende Ausgabe AAPP 2137-45 verteilt das Album auf zwei LPs mit 45 RPM. Der Herausgeber nennt Kevin Gray bei Cohearent Audio für das Mastering aus den analogen Originalbändern. Gepresst wurde die beschriebene 200-Gramm-Ausgabe bei Quality Record Pressings, die Galvanik betreute Gary Salstrom. Hinzu kommt ein kräftiges Tip-on-Klappcover. Damit ist die Herstellungsroute dieser Veröffentlichung konkret benannt, ohne daraus einen vorgetäuschten Vergleichstest oder das Versprechen einer grundsätzlich überlegenen Pressung abzuleiten.
Auf jeder Seite stehen zwei Stücke: Saturday Night Special und Cheatin’ Woman, dann Railroad Song und I’m a Country Boy, anschließend On the Hunt und Am I Losin’, zuletzt Made in the Shade und Whiskey Rock-a-Roller. Die höhere Drehzahl und die kürzeren Seiten geben dem Schnitt mehr Spielraum. Das ist ein nachvollziehbares technisches Konzept für dieses dicht besetzte Album, aber kein Automatismus für mehr Bass oder bessere Musik. Wer die ursprüngliche 33er-Dramaturgie schätzt, wird deren längere Hörabschnitte weiterhin sinnvoll finden; die 45er-Ausgabe setzt bewusst andere Pausen und verlangt drei Seitenwechsel.
Enthalten sind die acht ursprünglichen Studioaufnahmen. Die später auf CD ergänzten Liveversionen von Railroad Song und On the Hunt gehören nicht zu diesem Doppelalbum. Für den Sammler ist gerade diese Klarheit wichtig: Album, Konzertzugaben und unterschiedliche Ausgaben sollen nicht ineinanderlaufen. Hier bekommst du die konzentrierte 1975er Studioarbeit in einer aufwendigen Vinylfassung, die den einzelnen Songpaaren viel Platz gibt. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Ronnie Van ZantVorhandenes Porträt · 1976LeadgesangMitwirkung: Alle Titel
- Ed KingVorhandenes Porträt · frühe1970erGitarre; Moog-Bass D1Mitwirkung: Albumcredits; Moog-Bass nur Made in the Shade
- Allen CollinsVorhandenes Porträt · 1975GitarreMitwirkung: Albumbesetzung
- Gary RossingtonSpätere Porträtvorlage 2008GitarreMitwirkung: Alle außer B1 Railroad Song
- Leon WilkesonPorträtvorlage 1977Bass; Begleitgesang A1/B1/B2Mitwirkung: Albumcredits; Begleitgesang auf drei Titeln
- Billy PowellSpätere Porträtvorlage 1987KeyboardsMitwirkung: Albumbesetzung
- Artimus PyleVorhandenes Porträt · 1975–1977Schlagzeug, PerkussionMitwirkung: Albumbesetzung
- Al KooperSpätere Porträtvorlage 2009Moog A1; Orgel A2/B1; Perkussion B2; Klavier D1; Begleitgesang B1/C2/D2Mitwirkung: Titelgenau gemäß Albumcredits; auch Produktion
- Jimmy HallMundharmonikaMitwirkung: B1, D1
- Bobbye HallPerkussionMitwirkung: B1, C1
- Barry Lee HarwoodMandoline, DobroMitwirkung: D1
- David FosterKlavierMitwirkung: D2
Originalalbum mit acht Studiotiteln. Produktion Al Kooper. January-1975-Sessions WEBB IV Atlanta; Saturday Night Special August 1974 Studio One, Doraville. Titelbezüge aus den Liner Notes über die Albumdiskografie. Studiolaufzeiten; spätere Live-Bonustracks ausgeschlossen.















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