Eine Band findet ihren neuen Schwerpunkt
Als Humble Pie 1972 Smokin’ veröffentlichten, war die wichtigste Veränderung bereits vollzogen: Peter Frampton hatte die Gruppe verlassen, Clem Clempson seinen Platz übernommen. Neben Steve Marriott, Greg Ridley und Jerry Shirley stand damit ein Gitarrist, der zuvor bei Colosseum gespielt hatte. Das Album entstand in den Londoner Olympic Studios und zeigte, wie selbstverständlich sich diese Besetzung zwischen schwerem Rock, Blues und Soul bewegen konnte. Marriott blieb eine prägende Stimme, doch die Platte lebt ebenso von wechselnden Stimmen, gemeinsamen Riffs und dem Zusammenspiel einer Band, die ihre Möglichkeiten neu ordnete.
Der Wechsel bedeutete keine Stunde null. Mit dem Livealbum Performance: Rockin’ the Fillmore hatten Humble Pie bereits gezeigt, wie weit sie bekannte Stücke ausdehnen konnten. Smokin’ übersetzt diese Offenheit in ein Studioalbum mit klar unterscheidbaren Stationen. „Hot ’N’ Nasty“ eröffnet das Programm, „30 Days In The Hole“ beginnt die zweite Seite. Dazwischen stehen fremde Songs, eigene Stücke und eine akustische Unterbrechung. Die Abfolge macht aus dem Album mehr als eine Reihe gleich gebauter Rocknummern: Es lässt Platz für verschiedene Traditionen und für Musiker, die innerhalb eines Stücks mehrere Aufgaben übernehmen.

Besuch aus dem Nebenraum
Zu den aufschlussreichen Geschichten dieser Sessions gehört Stephen Stills. Jerry Shirley und Clem Clempson erinnerten sich später an seinen Besuch und seinen Gesangsbeitrag zu „Hot ’N’ Nasty“. Solche Begegnungen erklären etwas von der Durchlässigkeit der Londoner Studios jener Zeit: Neben der eigentlichen Band konnten Musiker aus einer benachbarten Sitzung in ein Stück hineinfinden. Stills wird hier als Gaststimme auf diesem Titel geführt. Das ist ein kleiner, konkreter Beitrag, der die Aufnahmegeschichte interessanter macht, ohne aus dem Album nachträglich eine Zusammenkunft wechselnder Superstars zu machen.
Weitere Gäste erweitern andere Stellen des Programms. Doris Troy und Madeline Bell sind mit Begleitgesang bei „You’re So Good To Me“ verbunden. Auf „Old Time Feelin’“ wirkt Alexis Korner mit Gesang und Tiple mit, einem kleinen Saiteninstrument, das neben den elektrischen Gitarren einen anderen Akzent setzt. Clempson singt dort ebenfalls. Der Blick auf diese Beiträge zeigt, warum eine einfache Trennung in Sänger, Gitarrist und Rhythmusgruppe zu kurz greift. Auch die vier Bandmitglieder wechseln zwischen Gesang und Instrumenten; Jerry Shirley ist beispielsweise bei „You’re So Good To Me“ am Klavier dokumentiert.

Rock mit einer langen Erinnerung
Die Songauswahl führt zu den musikalischen Bezugspunkten der Gruppe. „C’mon Everybody“ stammt von Eddie Cochran und Jerry Capehart, „Road Runner“ aus dem Umfeld von Holland–Dozier–Holland. Bei „I Wonder“ reicht die Geschichte zu Cecil Gant zurück; Clempson nannte Ray Charles’ Interpretation als Anregung. Humble Pie bringen damit Rock ’n’ Roll, Motown und Blues in ein gemeinsames Programm. Die Herkunft dieser Stücke ist keine bloße Fußnote: Sie macht nachvollziehbar, weshalb Soulgesang und elektrische Gitarren auf Smokin’ so eng zusammengehören.
Auf der zweiten Seite geht „Road Runner“ in den „Road Runners ’G’ Jam“ über. Diese Verbindung erinnert an die Lust der Band, aus einem Song weiteres Material zu entwickeln. Zugleich bewahrt die LP die neun Programmnummern des Originals; das Medley umfasst zwei benannte Teile. Wer das Album neu entdeckt, kann den Wechsel zwischen kompakteren Liedern, akustischen Passagen und ausgedehnteren Formen verfolgen. „Sweet Peace And Time“ beschließt die Platte. Der gemeinsame Nenner ist die Besetzung von 1972, deren verschiedene Stimmen und Erfahrungen in einem Album zusammenkommen, das den Übergang nach Framptons Weggang dokumentiert.
Diese Ausgabe: ein Schnitt mit Vorgeschichte
Die hier vorgestellte Ausgabe von Analogue Productions trägt die Nummer AAPP 168: eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Kevin Gray verantwortet das Mastering und den Schnitt bei AcousTech Mastering. Der Herausgeber nennt als Quelle ausdrücklich eine unbearbeitete ½-Zoll-Bandkopie des Originalmasters. Die Unterscheidung ist für diese Ausgabe wesentlich, denn eine Kopie und das ursprüngliche Masterband sind unterschiedliche Quellen. Die 2024 erschienene Nachpressung führt den Schnitt der Analogue-Productions-Ausgabe von 2009 weiter; sie ist kein für 2024 neu angefertigter Schnitt.
Gepresst wird diese Ausführung bei Quality Record Pressings. Zum Ausstattungskonzept gehört ein Tip-on-Klappcover von Stoughton Printing mit Sessionfotos von Michael Putland. Damit verbindet die Ausgabe ältere Schnittarbeit mit einer späteren Pressung und neu gestalteter Verpackung. Sie ist von der separat angebotenen 45-RPM-Doppel-LP zu unterscheiden. Für das Album selbst bleibt die vertraute Einteilung auf zwei Seiten erhalten: vom eröffnenden „Hot ’N’ Nasty“ bis „Sweet Peace And Time“, einschließlich des akustischen Ausflugs und des zweiteiligen „Road Runner“-Abschnitts.
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Auch als LP mit 45 RPM: Smokin‘
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Steve Marriott | Gesang, Gitarre, Mundharmonika, Tasteninstrumente, Hammondorgel (A1), Klavier (A1), E-Piano (B1) | Album-Besetzung |
| Clem Clempson | Gitarre, Tasteninstrumente, Gesang, Leadgesang (A5) | Album-Besetzung |
| Greg Ridley | Bass, Gesang, Leadgesang Strophen (B4), Wechselgesang (A3) | Album-Besetzung |
| Jerry Shirley | Schlagzeug, Tasteninstrumente, Klavier (A3) | Album-Besetzung |
| Alexis Korner | Gesang, Tiple (Martin) | A5 |
| Stephen Stills | Begleitgesang | A1 |
| Doris Troy | Begleitgesang | A3 |
| Madeline Bell | Begleitgesang | A3 |
Bandcredits gelten für das Album, nicht für jedes Instrument auf jedem Titel. Gäste: Korner A5, Stills A1, Troy und Bell A3.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael beschreibt diese 33⅓-RPM-Ausgabe als unmittelbar zugänglichen Bluesrock: geradlinig, direkt und mit viel Wucht. Für ihn klingt die Platte wunderbar – eine begeisterte Empfehlung für alle, die kraftvollen Bluesrock mögen.
🎧 Review video: 14 Amazing New Reissues
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Manfred Stock –
Once again a great sound. If you listen to the album quietly, you might be disappointed at first. Make sure you listen at a higher volume. Suddenly the sound explodes with an incredible punch and richness of detail. A phenomenon that I have not yet experienced with AP releases is that the sound seems to open up with increasing volume. Fabulous.