Die Nacht beginnt am Klavier
Ein Gerry-Mulligan-Album, das mit Mulligan am Klavier beginnt: Schon das Titelstück von Night Lights lädt dazu ein, genauer hinzuhören. Auf den weiteren fünf Nummern wechselt er zum Baritonsaxofon. Die 1963 in den New Yorker Nola Penthouse Studios entstandene Aufnahme versammelt ein Sextett mit Art Farmer, Bob Brookmeyer, Jim Hall, Bill Crow und Dave Bailey. Hal Mooney betreute die Produktion, Tommy Nola die Aufnahmetechnik.
Hier lässt sich die Aufmerksamkeit auf sechs Musiker richten, die unterschiedliche Klangfarben in ein überschaubares Ensemble einbringen. Klavier beziehungsweise Bariton, Flügelhorn und Trompete, Ventilposaune, Gitarre, Bass und Schlagzeug bieten viele Möglichkeiten, eine Melodie zu begleiten. Der Wechsel des Bandleaders vom Klavier zum Saxofon gehört dabei ausdrücklich zum Konzept der Besetzung.

Farmer, Brookmeyer und Hall als eigene Stimmen
Art Farmer spielt Flügelhorn und Trompete, Bob Brookmeyer Ventilposaune, Jim Hall Gitarre. Diese Instrumente geben der vorderen Reihe mehrere Register und unterschiedliche Arten, einen Ton zu formen. Dazu kommen Bill Crows Kontrabass und Dave Baileys Schlagzeug. Alle sechs Musiker sind für das Programm dokumentiert; einzelne Soloverläufe sollte man dagegen beim Hören entdecken, statt sie aus pauschalen Albumcredits abzuleiten.
Gerade für einen ruhigen Abend ist das eine schöne Hörperspektive: einmal der Gitarre folgen, dann dem Bass, dann dem Zusammenspiel der Bläser. Ein vertrautes Thema kann dabei immer wieder anders erscheinen. Die Freude liegt im Wiedererkennen der Musiker und in den kleinen Entscheidungen, mit denen sie einander Raum geben.

Von Brasilien zu Chopin
Die sechs Titel führen durch verschiedene musikalische Zusammenhänge. Morning Of The Carnival bringt Luiz Bonfás Melodie aus Black Orpheus ins Programm. Dazu kommt ein Prélude von Chopin. Neben solchen Vorlagen stehen Mulligans eigene Stücke und Standards wie In The Wee Small Hours Of The Morning. Die Zusammenstellung verbindet Bekanntes mit dem besonderen Charakter dieser Besetzung.
Der Titel Night Lights legt eine Stimmung nahe, doch die eigentliche Entdeckungsreise liegt in der Musik. Wie verändert das Sextett eine bereits bekannte Melodie? Welche Unterschiede entstehen, wenn Mulligan am Klavier sitzt oder zum Bariton greift? Es lohnt sich, die beiden Plattenseiten als zusammenhängendes Programm zu hören und anschließend zu den Momenten zurückzukehren, die neugierig gemacht haben.
Night Lights in der Acoustic Sounds Series
Diese Philips-Ausgabe der Acoustic Sounds Series erschien 2024 als Stereo-LP mit 33⅓ Umdrehungen und 180 Gramm Vinyl. Ryan K. Smith schnitt sie bei Sterling Sound; der Herausgeber nennt die originalen analogen Bänder als Quelle. Gepresst wurde bei Quality Record Pressings. Zur Ausstattung gehören ein Stoughton-Tip-on-Klappcover und eine Einlage.
Die Aufnahme selbst stammt aus dem Jahr 1963. Bei den genauen Sitzungstagen unterscheiden sich die Quellen, weshalb hier kein einzelner Tag als abschließend gesichert erscheint. Sicher bleibt das musikalische Zentrum: Mulligans Sextett in den Nola Penthouse Studios. Die sorgfältig beschriebene Ausgabe ist eine Einladung, diesen sechs Musikern Zeit zu geben – und einem Album, das seine Besonderheiten nicht erst durch große Gesten erklären muss.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Gerry MulliganKlavier, Baritonsaxofon, ArrangementMitwirkung: Klavier: A1 · Bariton: A2–B3
- Art FarmerFlügelhorn, TrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Bob BrookmeyerVentilposauneMitwirkung: Album-Besetzung
- Jim HallGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
- Bill CrowKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
- Dave BaileySchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Gerry Mulligan: Klavier auf Night Lights (A1), Baritonsaxofon auf A2–B3. Sextettbesetzung auf allen sechs Titeln. Produktion: Hal Mooney; Aufnahmetechnik: Tommy Nola.












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