Ein Abend im Five Spot, drei weit geöffnete Stücke
At the Five Spot, Volume 1 führt in einen konkreten Raum und an einen konkreten Abend: den 16. Juli 1961 im New Yorker Five Spot Café. Eric Dolphy steht mit Booker Little, Mal Waldron, Richard Davis und Ed Blackwell auf der Bühne. Esmond Edwards produzierte die Aufnahme, die noch im selben Jahr auf New Jazz erschien. Die LP enthält nur drei Stücke, doch ihre ausgedehnten Formen geben der Gruppe reichlich Gelegenheit, Themen zu entwickeln, Beziehungen aufzubauen und die musikalische Verantwortung von einer Stimme zur nächsten weiterzureichen.
Der Ort gehört zur Geschichte des modernen Jazz; für diese Platte ist vor allem die Begegnung der fünf Beteiligten wichtig. Ein Clubauftritt schafft andere Bedingungen als eine Folge knapp bemessener Studiotitel. Die Musiker können einen Gedanken länger verfolgen und auf das antworten, was sich innerhalb der Gruppe gerade ergibt. Dabei bleibt ein komponiertes Thema der Ausgangspunkt. Die Dauer allein erklärt noch keine musikalische Freiheit: Interessant ist, was die Spieler mit dem verfügbaren Raum anfangen und wie sie den Zusammenhang erhalten.
Dolphy spielt auf diesem ersten Band Altsaxofon und Bassklarinette. Eine Flöte ist auf den drei Titeln dieser LP nicht beteiligt. Diese Unterscheidung ist hilfreich, weil Dolphys umfangreicheres Instrumentarium und die weiteren Veröffentlichungen aus dem Five-Spot-Zusammenhang leicht zu einer ungenauen Albumvorstellung führen können. Hier steht sein Alt auf „Fire Waltz“ und „The Prophet“ im Mittelpunkt; „Bee Vamp“ zeigt ihn an der Bassklarinette. Der Instrumentenwechsel gibt der ersten Seite einen zusätzlichen Kontrast.
Für eine Sammlung ist Volume 1 damit ein klar umrissenes Dokument. Die Platte kann für sich stehen und zugleich den Blick auf die Partnerschaft von Dolphy und Little öffnen. Beide waren Komponisten und Bläser mit eigenständigen Vorstellungen. Ihr Zusammenspiel muss nicht als Einigung auf eine einzige Sprache verstanden werden. Gerade die Unterschiede schaffen Möglichkeiten für Antwort, Ergänzung und Reibung. Die langen Stücke erlauben es, diese Beziehungen über mehr als einen kurzen Themenvortrag oder einen einzelnen Soloeinsatz zu verfolgen.

Fünf Musiker, drei Komponisten, ein gemeinsamer Verlauf
Booker Little spielt auf allen drei Titeln Trompete. Auf diesem Album trägt er mit „Bee Vamp“ außerdem eine eigene Komposition bei. Damit ist seine Rolle doppelt sichtbar: Er beteiligt sich an der unmittelbaren Entwicklung der Musik und liefert einen Teil ihres Ausgangsmaterials. Die Verbindung von Little und Dolphy ist ein wesentlicher Anziehungspunkt der Aufnahme. Für ein aufmerksames Hören kann es aufschlussreich sein, ihre Linien zunächst getrennt wahrzunehmen und anschließend auf die Momente zu achten, in denen eine Idee eine Reaktion beim anderen auszulösen scheint.
Mal Waldron sitzt am Klavier und steuert mit „Fire Waltz“ das eröffnende Stück bei. Seine Beteiligung hilft, das Album nicht allein als Treffen zweier Bläser zu betrachten. Der Pianist ist an der Gestaltung des Repertoires ebenso beteiligt wie am Verlauf der Aufführung. Das Verhältnis zwischen Wiederholung, harmonischer Orientierung und neuer Bewegung bietet dabei einen eigenen Zugang. Auch eine scheinbar zurückhaltende Figur kann im Zusammenhang einer längeren Improvisation Gewicht bekommen, wenn andere Stimmen sich auf sie beziehen.
Richard Davis am Kontrabass und Ed Blackwell am Schlagzeug vervollständigen das Quintett. Sie sind auf dem gesamten Originalprogramm beteiligt. Die Länge der Stücke gibt ihren Aufgaben besonderes Gewicht: Ein gemeinsamer zeitlicher Zusammenhang muss bestehen bleiben, während sich die Vordergrundstimmen verändern. Wer Bass und Schlagzeug bewusst verfolgt, hört nicht nur eine Begleitung hinter den Solisten, sondern die Bedingungen, unter denen deren Linien Gestalt annehmen. Gerade im Quintett können kleine rhythmische Entscheidungen den Charakter einer Passage deutlich verschieben.
Die Kompositionen stammen somit von Waldron, Little und Dolphy. Drei Mitglieder bestimmen das Material, alle fünf seine Entwicklung in der Aufführung. Diese Verteilung erklärt einen Teil der inneren Vielfalt der Platte. Es gibt keinen einzelnen Autor, dessen musikalische Welt allen anderen lediglich als Spielfeld dient. Das Programm setzt mehrere Ausgangspunkte nebeneinander und überlässt es dem gemeinsamen Spiel, daraus einen zusammenhängenden Konzertabschnitt zu formen. Für Liebhaber kleiner Jazzgruppen ist diese Verbindung von individueller Handschrift und kollektiver Arbeit besonders reizvoll.

„Fire Waltz“, „Bee Vamp“ und die lange zweite Seite
„Fire Waltz“ eröffnet die LP mit Dolphy am Altsaxofon. Der Titel dauert in der dokumentierten Tracklist rund dreizehneinhalb Minuten. Diese Dimension gibt dem Themenmaterial und den einzelnen Beiträgen einen anderen Maßstab als bei einer knapp gehaltenen Songaufnahme. Es lohnt sich, den Anfang als Orientierung mitzunehmen und später darauf zu achten, wie weit sich die Musik von diesem Ausgangspunkt entfernt und auf welche Weise sie wieder Zusammenhang herstellt. Das Thema ist dabei eine hörbare Bezugsmöglichkeit, keine bloße Pflichtstation vor den Soli.
„Bee Vamp“, Littles Stück, folgt mit etwa zwölfeinhalb Minuten und Dolphy an der Bassklarinette. Ein anderer Komponist und eine andere Bläserfarbe verändern den Zugang, während die übrige Besetzung gleich bleibt. Darin liegt ein besonderer Reiz der ersten Seite: Das Quintett muss sich nicht personell verändern, um ein anderes Verhältnis zwischen seinen Stimmen zu erzeugen. Wer Dolphys Bassklarinette bislang vor allem aus Studioaufnahmen kennt, findet hier einen klar abgegrenzten Livezusammenhang, in dem dieses Instrument Teil einer länger angelegten Gruppenaufführung ist.
Die gesamte zweite Seite gehört „The Prophet“, einer Komposition Dolphys von gut einundzwanzig Minuten. Er kehrt dafür zum Altsaxofon zurück. Eine einzige ausgedehnte Aufführung beansprucht damit den Raum einer Plattenseite. Für den Umgang mit der LP ist das eine schöne, konkrete Eigenschaft: Nach dem Umdrehen kann man einem Stück ohne weitere Unterbrechung folgen. Die lange Form lenkt den Blick auf Übergänge und Entwicklungen, deren Bedeutung sich erst im Zusammenhang mit dem Vorhergehenden erschließt.
Die vorliegende LP enthält genau diese drei Originaltitel. Ein alternativer „Bee Vamp“-Take aus späteren Erweiterungen gehört ebenso wenig dazu wie „Like Someone in Love“ oder „Aggression“ aus Volume 2. Diese Abgrenzung bewahrt die Identität des ersten Albums. Sammler können so die verschiedenen Veröffentlichungen aus demselben Aufnahmezusammenhang auseinanderhalten und sich zugleich auf die musikalische Architektur dieses Bandes konzentrieren: zwei Stücke auf der ersten, eine große Form auf der zweiten Seite.
Die Prestige-Neuauflage von Analogue Productions
Diese Ausgabe trägt die Bestellnummer APRJ 8260 und erscheint in der Prestige-Reihe von Analogue Productions als Stereo-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Kevin Gray ist für das Mastering von den originalen Analogbändern genannt. Die Fertigung erfolgt bei Quality Record Pressings, mit Gary Salstrom als ausgewiesenem Verantwortlichen für das Plating. Die klassische Tip-on-Hülle hält die äußere Präsentation im Zusammenhang mit der historischen LP-Tradition. Das sind konkrete Angaben zu dieser Ausgabe, anhand derer sie sich von anderen Veröffentlichungen desselben Mitschnitts unterscheiden lässt.
Das Ein-LP-Format erhält die ursprüngliche Aufteilung besonders anschaulich. „Fire Waltz“ und „Bee Vamp“ bilden gemeinsam die erste Seite, „The Prophet“ steht für sich auf der zweiten. Wer längere Jazzimprovisationen gern als fortlaufende Entwicklung erlebt, findet darin eine passende Hörform. Ein Vergleich mit anderen Pressungen bleibt eine eigene Frage; aus Format und Herstellungsangaben allein lässt sich kein universeller klanglicher Sieger ableiten. Sie geben jedoch einen nachvollziehbaren Rahmen für die Entscheidung, welche Ausgabe in die eigene Sammlung passt.
At the Five Spot, Volume 1 dokumentiert fünf Musiker, deren individuelle Beiträge sich innerhalb langer Formen begegnen. Dolphy und Little stehen sichtbar im Vordergrund, doch Waldron, Davis und Blackwell sind für die Identität der Aufnahme ebenso wesentlich. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir übernehmen den US-Import und versenden aus Hilden. Eine LP für alle, die das Zusammenspiel dieser Gruppe mit Zeit und Aufmerksamkeit verfolgen möchten und den Reiz einer vollständigen Plattenseite als musikalischen Raum schätzen.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Eric DolphyPorträtvorlage 1960Altsaxofon A1/B1; Bassklarinette A2Mitwirkung: Alle Titel
- Booker Littleum 1960/61TrompeteMitwirkung: Alle Titel
- Mal WaldronKlavierMitwirkung: Alle Titel
- Richard DavisKontrabassMitwirkung: Alle Titel
- Ed BlackwellSchlagzeugMitwirkung: Alle Titel
Nur die drei Originaltitel von Volume 1. Aufnahme 16.07.1961, Five Spot Café, New York; Produktion Esmond Edwards. Keine Flöte auf diesen drei Titeln; Like Someone in Love und Aggression gehören zu Volume 2. Kein Bee-Vamp-Alternativtake.











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