New Orleans aus der Entfernung
Gris-Gris entstand in Los Angeles, doch seine musikalische Erinnerung führt nach New Orleans. Mac Rebennack hatte dort als Gitarrist, Songschreiber und Studiomusiker gearbeitet, bevor er Mitte der sechziger Jahre nach Kalifornien zog. 1967 nahm er in den Gold Star Studios das Album auf, das 1968 unter dem Namen Dr. John erschien. Es war der Beginn einer neuen öffentlichen Identität. Die Figur des Night Tripper verband lokale Geschichten, erfundene Rollen und musikalische Erfahrungen zu einer eigenen Bühnenwelt, die weit über das vertraute Bild eines Pianisten aus New Orleans hinausging.
An dieser Entstehung hatte Harold Battiste großen Anteil. Der Arrangeur und Produzent, ebenfalls aus New Orleans, arbeitete in Hollywood unter anderem mit Sonny & Cher. Über diese Verbindung wurde Studiozeit für Gris-Gris verfügbar. Battiste half, aus Rebennacks Ideen eine Platte zu formen, und spielte selbst mit. Das Debüt lässt sich deshalb auch als Begegnung zweier Orte verstehen: Musiker mit gemeinsamen Wurzeln nutzten die Möglichkeiten eines Los-Angeles-Studios, um etwas zu entwickeln, das ihre Herkunft auf eine ungewöhnliche Weise neu zusammensetzte.

Ein Ensemble mit vielen Farben
Das Instrumentarium reicht von Flöte, Klarinette und Saxofon über Gitarren, Mandoline und Banjo bis zu mehreren Formen von Perkussion. Plas Johnson ist am Tenorsaxofon beteiligt, Lonnie Boulden an der Flöte, Steve Mann an Bottleneck-Gitarre und Banjo. Ernest McLean bringt Gitarre und Mandoline ein. Harold Battiste wird mit Bass, Klarinette und Perkussion geführt, John Boudreaux mit Schlagzeug. Schon diese Zusammenstellung zeigt, dass eine übliche Rockband-Beschreibung das Album nur unzureichend erfasst. Die einzelnen Klangfarben sind Teil seiner besonderen musikalischen Sprache.
Dazu kommen Stimmen wie Shirley Goodman, Tami Lynn, Jessie Hill und Ronnie Barron. Die Beteiligten werden in den historischen Credits zum Teil mit spielerischen Namen und Fantasietiteln vorgestellt. Diese Verpackung gehört zur Dr.-John-Figur, ersetzt aber nicht die tatsächlichen Musiker. Die Besetzung ist für das Album dokumentiert, ohne dass sich jeder Beitrag einem einzelnen Titel zuordnen lässt. Gerade deshalb bleibt der Blick auf das Ensemble sinnvoll: Die Platte entsteht aus einer Vielzahl von Fähigkeiten, aus Gesang ebenso wie aus Saiten-, Blas- und Schlaginstrumenten.

Sieben Stücke als eigene Welt
Die Titel führen durch eine Folge von Namen, Tänzen und Vorstellungen. „Gris-Gris Gumbo Ya Ya“ eröffnet das Album, gefolgt von „Danse Kalinda Ba Doom“. „Mama Roux“ verbindet Rebennack mit Jessie Hill als Autor; „Croker Courtbullion“ stammt von Battiste. Diese Namen verweisen auf die gemeinsame Herkunft der Musiker und auf ihre kreative Umgestaltung von Überlieferung. Das Album wirkt deshalb nicht wie eine Sammlung gewöhnlicher Pop-Songs mit nachträglich hinzugefügter Kostümierung. Seine Erzählwelt steckt bereits in der Auswahl der Stücke, den Titeln und den beteiligten Stimmen.
„I Walk On Guilded Splinters“ beschließt die Platte und entwickelte anschließend ein langes Eigenleben. Cher nahm den Song auf, später auch andere Künstler; Humble Pie machten ihn zu einem ausgedehnten Teil ihres Liveprogramms. Dieser Weg führt zurück zu einer interessanten Verbindung: Studiozeit aus dem Umfeld von Sonny & Cher hatte das Original erst ermöglicht. Für Gris-Gris bleibt das Stück jedoch der Schluss eines siebenteiligen Albums. Wer es nur aus späteren Interpretationen kennt, begegnet hier seinem ursprünglichen Zusammenhang innerhalb von Dr. Johns Debüt.
Die Atlantic-75-Ausgabe
Die vorliegende Analogue-Productions-Ausgabe AAPA 046-45 gehört zur Atlantic 75 Series. Das Album wird auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 Umdrehungen verteilt. Ryan K. Smith bei Sterling Sound verantwortet das Mastering und den Schnitt. Als Quelle nennt der Herausgeber das originale Masterband. Das Programm umfasst die sieben Originaltitel, ohne Bonusmaterial. Die Aufteilung ist auf die unterschiedlichen Stücklängen abgestimmt: „I Walk On Guilded Splinters“ erhält die gesamte vierte Seite, während die ersten drei Seiten jeweils zwei Titel enthalten.
Die Verpackung besteht aus einem Tip-on-Klappcover mit zwei Plattentaschen von Stoughton Printing. Quality Record Pressings ist als Presswerk genannt; für spätere unnummerierte Auflagen der Reihe kommt auch RTI infrage. Eine bestimmte Nummerierung wird für das einzelne Exemplar nicht vorausgesetzt. Die Doppel-LP bietet damit eine klar definierte Fassung des Debüts von 1968. Aufnahmeort, Musiker und Entstehungszeit bleiben ebenso wichtig wie die ungewöhnliche Dr.-John-Figur: Hinter ihr steht ein konkret besetztes Studioensemble, das 1967 in Los Angeles eine eigene Form für seine musikalischen Erinnerungen fand.
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Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Dr. John | Gesang, Tasteninstrumente, Perkussion | Titelzuordnung offen |
| Harold Battiste | Bass, Klarinette, Perkussion | Titelzuordnung offen |
| Plas Johnson | Tenorsaxofon | Titelzuordnung offen |
| Lonnie Boulden | Flöte | Titelzuordnung offen |
| Steve Mann | Bottleneck-Gitarre, Banjo | Titelzuordnung offen |
| Ernest McLean | Gitarre, Mandoline | Titelzuordnung offen |
| Bob West | Bass | Titelzuordnung offen |
| John Boudreaux | Schlagzeug | Titelzuordnung offen |
| Mo Pedido | Congas | Titelzuordnung offen |
| Dave Dixon | Begleitgesang, Perkussion | Titelzuordnung offen |
| Jessie Hill | Begleitgesang, Perkussion | Titelzuordnung offen |
| Ronnie Barron | Begleitgesang, Perkussion | Titelzuordnung offen |
| Shirley Goodman | Begleitgesang | Titelzuordnung offen |
| Tami Lynn | Begleitgesang | Titelzuordnung offen |
| Joni Jonz | Begleitgesang | Titelzuordnung offen |
| Prince Ella Johnson | Begleitgesang | Titelzuordnung offen |
| Sonny Ray Durden | Begleitgesang | Titelzuordnung offen |
Albumcredits ohne gesicherte Zuordnung zu einzelnen Titeln. Widersprüchliche Rollen sind nicht als bestätigt übernommen.







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