Charles Mingus’ Durchbruch als Bandleader, als Hybrid-Mono-SACD aus der Atlantic 75 Series: Pithecanthropus Erectus vereint die vier Stücke der Jazz-Workshop-Session von 1956 in einem durchgehenden Ablauf – vom dramatischen Titelstück bis zum langen „Love Chant“.
Musik, weitergegeben über das Ohr
Charles Mingus beschrieb die Arbeit seines Jazz Workshop als ein Verfahren, bei dem Musik über das Ohr weitergegeben wird: Er spielte seinen Musikern das Gerüst am Klavier vor und ließ ihnen darin Raum für eigene Linien. Pithecanthropus Erectus, am 30. Januar 1956 in New York aufgenommen, ist ein wichtiges Dokument dieses Ansatzes. Die Stücke haben klare Gestalt und unterschiedliche Aufgaben, doch ihre Ausgestaltung entsteht aus der Begegnung zwischen Mingus’ Idee und den Persönlichkeiten, die sie mit ihm spielen.
Neben Mingus am Kontrabass spielen Jackie McLean am Altsaxofon, J. R. Monterose am Tenorsaxofon, Mal Waldron am Klavier und Willie Jones am Schlagzeug; für Atlantic betreute Nesuhi Ertegun die Produktion. Die Sitzung in den Audio-Video Studios lieferte die vier Stücke des Albums, ein zusätzlich aufgenommenes „What Is This Thing Called Love“ blieb außen vor. Vier unterschiedlich angelegte Stücke genügen, um den Workshop von mehreren Seiten zu zeigen – ohne die Platte mit ähnlichen Nummern zu füllen.

Aufstieg und Fall in vier Stadien
Das Titelstück ist bei Mingus ein musikalisches Bild von Aufstieg, Überheblichkeit und Untergang; in seinen Notizen gliederte er die Erzählung in vier Stadien. Der Titel verweist auf die historische Bezeichnung des Java-Menschen, das Stück macht daraus eine Geschichte menschlicher Selbstüberschätzung. Wer die Idee kennt, hat beim Hören eine Orientierung: Achte darauf, wie aus wiederkehrenden Gestalten eine größere dramatische Entwicklung wächst und wie die Stimmen des Ensembles aufeinander reagieren.
Entscheidend ist die Verbindung von Komposition und gemeinsamer Improvisation. Mingus überträgt den Musikern Verantwortung, ohne das Ergebnis als bloße Folge einzelner Soli anzulegen. Waldron und Jones hatten schon kurz zuvor im Café Bohemia mit ihm gearbeitet; „Love Chant“ und „A Foggy Day“ waren dort bereits im Dezember 1955 zu hören, allerdings mit anderen Bläsern. Die Studioplatte gehört damit zu einem laufenden Arbeitsprozess, in dem Material auf der Bühne erprobt und in neuer Besetzung weiterentwickelt wurde.

Ein Stadtbild, ein Porträt und ein langes Finale
George Gershwins „A Foggy Day“ ist der einzige Titel des Albums, der nicht von Mingus stammt. Seine Bearbeitung stellt das bekannte Lied in eine eigene Szene; Kritiker hörten in den instrumentalen Einwürfen Stadtgeräusche. Neben dem Titelstück zeigt das, wie bildhaft Mingus dachte: Die vertraute Melodie bleibt Bezugspunkt, um den die Gruppe eine neue Umgebung entstehen lässt.
„Profile Of Jackie“ richtet den Blick auf Jackie McLean, der bei der Aufnahme 24 Jahre alt war. Das kurze Porträt steht im deutlichen Gegensatz zum ausgedehnten „Love Chant“, das das Album beschließt. Zusammen zeigen die vier Stücke mehrere Seiten von Mingus’ Arbeit – ein programmatisches Titelstück, einen verwandelten Standard, eine konzentrierte Widmung und eine lange gemeinsame Erkundung. Wer Mingus kennenlernen möchte, findet hier bereits viele Grundzüge seiner Musik.
Die Hybrid-Mono-SACD der Atlantic 75 Series
CAPA 059 SA ist eine Hybrid-Mono-SACD aus der Atlantic 75 Series von Analogue Productions. Die SACD-Schicht spielst du auf einem SACD-fähigen Spieler ab, die CD-Schicht auf jedem gewöhnlichen CD-Spieler. Die Disc enthält die vier Stücke des Originalalbums in ihrer ursprünglichen Reihenfolge, ohne den unveröffentlichten fünften Titel der Session.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Mehr aus der Reihe: Atlantic 75 Series
Auch in einer anderen Ausgabe: Pithecanthropus Erectus
Weitere SACDs von Charles Mingus: Blues & Roots · Oh Yeah · The Clown
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Charles Mingus | Kontrabass, Bandleader | Album-Besetzung |
| Jackie McLean | Altsaxofon | Album-Besetzung |
| J. R. Monterose | Tenorsaxofon | Titel 1, 2, 4 |
| Mal Waldron | Klavier | Album-Besetzung |
| Willie Jones | Schlagzeug | Album-Besetzung |
Monterose ist für Titel 1, 2 und 4 belegt; Mitwirkung auf Titel 3 widersprüchlich.









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