Eine neue Besetzung findet ihre Sprache
Nursery Cryme erschien 1971 als drittes Genesis-Album. Zum ersten Mal gehörten Steve Hackett und Phil Collins zur Studiobesetzung. Mit Peter Gabriel, Tony Banks und Mike Rutherford entstand jene Fünfergruppe, die den frühen Siebzigerjahren der Band ihre besondere Gestalt gab. Die Aufnahmen fanden in den Londoner Trident Studios statt, mit John Anthony als Produzenten und David Hentschel als Toningenieur.
Das Material setzt die erzählerische Richtung von Trespass fort und erweitert ihre Möglichkeiten. Hackett bringt neue Gitarrenfarben, Collins eine bewegliche rhythmische Sprache. Zugleich stammen Wurzeln von „The Musical Box“ noch aus der Zeit mit Anthony Phillips. Die neue Besetzung übernimmt also nicht einfach ein leeres Blatt. Sie formt vorhandene Ideen weiter und verbindet sie mit den Fähigkeiten der hinzugekommenen Musiker.

Kleine Geschichten, große Formen
„The Musical Box“ beginnt zurückhaltend und entfaltet über rund zehn Minuten eine düstere, viktorianisch gefärbte Fantasie. Eine mechanische Spieldose gehört zum Zentrum der Geschichte; der Wechsel zwischen zarten Passagen und elektrischer Steigerung trägt ihre Unruhe. Gabriels Stimme übernimmt dabei verschiedene Grade von Nähe und Dringlichkeit. Der Text wird durch die musikalische Entwicklung erzählt, nicht nur über sie gelegt.
Die kurzen Stücke sind ebenso wichtig für die Dramaturgie. „For Absent Friends“ gibt Phil Collins eine frühe Hauptgesangspartie, lange vor seiner späteren Rolle als Frontmann. „Harlequin“ zeigt die akustische Seite der Gruppe, „Harold the Barrel“ verdichtet eine bizarre Handlung zu einem kurzen musikalischen Theaterstück. Zwischen den langen Kompositionen verändern diese Miniaturen Perspektive und Tempo. Sie machen das Album abwechslungsreicher, als die Einordnung als Progressive Rock allein vermuten lässt.

Zwölf Saiten und ein Mellotron
Tony Banks verbindet Piano, Hammondorgel und Mellotron mit dem Gitarrengeflecht der Band. Rutherford steuert neben Bass und Basspedalen auch zwölfsaitige Gitarre bei; Gabriel spielt Flöte. Dadurch entsteht die pastorale Seite von Nursery Cryme aus konkreten Instrumenten und ihrem Zusammenspiel. Sie ist bereits Teil des Aufbaus, bevor die elektrischen Passagen einsetzen. Die ruhigen Stellen verdienen deshalb dieselbe Aufmerksamkeit wie die großen Steigerungen.
„The Return of the Giant Hogweed“ macht aus einer bedrohlichen Pflanze eine groteske Erzählung. „The Fountain of Salmacis“ greift dagegen einen Stoff aus der antiken Mythologie auf. Beide Stücke zeigen, wie Genesis aus fremden Welten eigene Songformen entwickeln. Wenn du auf wiederkehrende Motive und die Übergänge der Instrumente achtest, wird nachvollziehbar, wie die längeren Stücke ihren Zusammenhang bewahren, obwohl Schauplatz, Lautstärke und Erzählhaltung wechseln.
Diese SACD-Ausgabe
Die Hybrid-Stereo-SACD CAPA 026 SA gehört zur Atlantic-75-Reihe von Analogue Productions. Chris Bellman bei Bernie Grundman Mastering wird für das Mastering genannt; der Hersteller beschreibt eine direkte DSD-Übertragung der Original-Masterbänder. Die Ausgabe bietet die ursprüngliche Stereoabmischung, nicht den späteren Nick-Davis-Remix oder ein Mehrkanalprogramm. Die CD-Schicht kannst du auf einem normalen CD-Spieler hören. Für die hochauflösende SACD-Schicht ist ein SACD-fähiges Gerät erforderlich.
Auch in einer anderen Ausgabe: Nursery Cryme
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Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Tony Banks | Begleitgesang, E-Piano, Mellotron, Gitarre, Klavier, Orgel |
| Mike Rutherford | Begleitgesang, Gitarre, Bass |
| Peter Gabriel | Leadgesang, Tamburin, Flöte, Bass, Oboe |
| Steve Hackett | E-Gitarre, Gitarre |
| Phil Collins | Begleitgesang, Perkussion, Schlagzeug |









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