Vier Musiker, kein überflüssiger Umweg
Eine Gitarre kann ein Riff spielen. Sie kann aber auch erst einmal wie ein anlaufender Motor wirken und damit die ganze Band in Bewegung setzen. „Bad Motor Scooter“ gehört zu den Momenten, in denen Ronnie Montrose nicht nur einen Song begleitet, sondern dessen Eingang erfindet. Das Debüt von Montrose lebt von solchen klaren Ideen: kurze Wege, greifbare Riffs und eine Band, die ihre Energie auf den Punkt bringt.
1973 standen dafür Ronnie Montrose an der Gitarre, Sammy Hagar am Mikrofon, Bill Church am Bass und Denny Carmassi am Schlagzeug zusammen. Acht Stücke reichen, um die Rollen deutlich zu machen. Hagar bekommt Platz für seine Stimme, die Gitarre bleibt unmittelbar, und Bass und Schlagzeug tragen mehr als nur die Lautstärke. Gerade weil die Besetzung überschaubar ist, fällt jede kleine rhythmische Entscheidung ins Gewicht.

Die Erfahrung hinter dem Debüt
Ronnie Montrose begann nicht bei null. Er hatte bereits mit Van Morrison und Edgar Winter gearbeitet, bevor er eine Band unter seinem eigenen Namen nach vorn brachte. Auf dieser Platte trifft ein Musiker mit Studioerfahrung auf den Hunger einer neuen Gruppe. Das ist ein produktiver Gegensatz: Man hört ein Debüt, dessen Direktheit nicht mit Unkenntnis verwechselt werden sollte.
Ted Templeman produzierte, Donn Landee betreute die Aufnahmetechnik. Beide Namen tauchen später beim Debüt von Van Halen wieder auf. Die Verbindung ist also mehr als eine vage Ähnlichkeit zwischen zwei amerikanischen Hardrockplatten. Hier lässt sich eine konkrete personelle Linie verfolgen – und Sammy Hagar sollte viele Jahre später selbst ein Teil der Van-Halen-Geschichte werden.

„Rock Candy“ beginnt beim Schlagzeug
Wer bei Montrose nur auf die Gitarren achtet, verpasst einen Teil des Vergnügens. „Rock Candy“ gehört allen vier Bandmitgliedern als Komposition, und sein Schlagzeugbeginn stellt das Fundament demonstrativ vor den Gesang. Das Stück fordert geradezu dazu auf, Carmassis Akzente und den Bass als eigenständige Stimmen mitzuhören. Das Riff wirkt nicht allein; es bekommt seinen Körper durch die Band.
„Good Rockin’ Tonight“ setzt daneben eine Verbindung zu Roy Brown und damit zu einer älteren Rhythm-and-Blues-Tradition. Zwischen eigenen Songs steht ein Stück, das die Herkunft dieser Musik nicht versteckt. Hardrock entsteht hier nicht außerhalb der Geschichte, sondern aus einem Repertoire von Rhythmus, Zuspitzung und körperlicher Bewegung, das neu aufgeladen wird.
Kurze Platte, lange Nachwirkung
„Rock the Nation“, „Space Station #5“, „Bad Motor Scooter“ und „Make It Last“ geben dem Album unterschiedliche Ansatzpunkte, ohne seine Konzentration aufzulösen. Man kann es als unmittelbaren Energieschub hören. Noch interessanter wird es, wenn man verfolgt, wie die Band vom markanten Einstieg zum eigentlichen Song kommt: Wann reicht das Riff, wann wird eine Gesangsmelodie gebraucht, wann verändert ein Break den Druck?
Die vorliegende 45-RPM-Ausgabe verteilt die acht Titel auf vier Seiten, jeweils zwei Songs pro Seite. Damit bleibt jede kleine Folge überschaubar. Das ist kein Ersatz für die musikalische Wirkung, aber eine konkrete Eigenschaft dieser Ausgabe: Die knappe Dramaturgie des Debüts begegnet einem beim Auflegen in vier konzentrierten Etappen.
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Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Besetzung anhand der Albumquellen abgeglichen.
- Sammy HagarGesang
- Ronnie MontroseGitarre
- Bill ChurchBass
- Denny CarmassiSchlagzeug
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Im Vergleich mit deutschen und französischen Erstpressungen hört Michael mehr Details, Fülle, Druck und Klarheit. Besonders die Gitarren profitieren für ihn von den sauber herausgearbeiteten Mitten der AP-45er.
🎧 Review video: 5 Legendary Reissues: Before Van Halen, Pulp Fiction & Rolling Stones Name
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