Eine Fortsetzung mit neuen Partnern
Drei Jahre nach Art Pepper Meets The Rhythm Section kehrte Art Pepper zu einer verwandten Idee zurück. Für Gettin’ Together! traf er erneut auf Musiker aus dem Umfeld von Miles Davis. Am 29. Februar 1960 kamen Wynton Kelly, Paul Chambers und Jimmy Cobb mit ihm im Studio von Contemporary Records in Los Angeles zusammen. Der Titel nimmt die Begegnung beim Wort: Hier wurde eine Gelegenheit genutzt, Musiker mit einer gemeinsamen Rhythmuserfahrung und einen Solisten mit ausgeprägter eigener Sprache an einem Ort zusammenzubringen. Lester Koenig produzierte die Aufnahme; Roy DuNann und Howard Holzer werden für die Tontechnik genannt.
Die Verbindung zum Album von 1957 ist ein guter Einstieg, braucht aber eine genaue Unterscheidung. Damals hatten Red Garland und Philly Joe Jones neben Chambers gespielt. Nur der Bassist war bei beiden Begegnungen dabei. Kelly und Cobb brachten eine andere gemeinsame Erfahrung mit, und die Aufnahme von 1960 erhielt zusätzlich auf drei Titeln eine zweite Bläserstimme. Es handelt sich deshalb um eine Fortsetzung der Grundidee mit einer neuen Besetzung. Die Rhythmusgruppe war kurz zuvor mit Davis in Los Angeles aufgetreten. Aus diesem konkreten Zusammentreffen entstand eine einzige Studiosession, deren sieben ursprüngliche LP-Titel hier versammelt sind.

Zwischen Quartett und Quintett
Pepper ist auf dem Album mit Alt- und Tenorsaxofon zu hören. Conte Candoli ergänzt die Gruppe auf „Whims Of Chambers“, „Bijou The Poodle“ und „Rhythm-A-Ning“ an der Trompete. Diese begrenzte Mitwirkung ist für den Charakter des Programms wesentlich: Die zweite Bläserstimme gehört zu bestimmten Stücken, während andere Titel dem Quartett Raum geben. Candoli ist also weder ein über das ganze Album durchgehender Partner noch ein beiläufiger Name in einer pauschalen Besetzungsliste. Seine drei Einsätze verändern jeweils das Verhältnis zwischen gemeinsam vorgetragenem Thema und solistischer Antwort.
Kelly, Chambers und Cobb bilden die gemeinsame Grundlage der verschiedenen Formationen. Beim Hören lässt sich verfolgen, wie das Klavier kurze Akkordantworten zwischen Saxofonphrasen setzt und wie Bass und Schlagzeug den Ablauf zusammenhalten, ohne jeden Akzent gemeinsam setzen zu müssen. Pepper begegnet dabei Musikern, die als Trio bereits aufeinander eingespielt waren. Gerade darin liegt der Reiz der Session: Ein vertrauter Zusammenhang bleibt beweglich genug, um einen anderen melodischen Charakter aufzunehmen. Die Besetzung allein ist noch kein Klangurteil; sie liefert aber einen präzisen Ausgangspunkt, um auf die Beziehungen innerhalb der Musik zu achten.

Persönliche Titel und ein spontaner Blues
Das Programm verbindet Kompositionen aus dem Kreis der Beteiligten mit Standards und einem Stück von Thelonious Monk. Paul Chambers steuert „Whims Of Chambers“ bei, Pepper „Bijou The Poodle“ und „Diane“. Hinter diesen beiden Titeln stehen persönliche Bezugspunkte: Bijou war sein Hund, Diane seine Frau. Solche Namen geben dem Album eine private Dimension, ohne dass man die Musik auf biografische Illustrationen reduzieren müsste. „Why Are We Afraid“ stammt von André Previn und Dory Langdon und steht im Zusammenhang mit dem Film The Subterraneans. „Softly, As In A Morning Sunrise“ erweitert das Spektrum um einen bereits etablierten Standard.
Auf der zweiten Seite stehen Monks „Rhythm-A-Ning“, „Diane“ und das titelgebende „Gettin’ Together“. Der abschließende Blues entstand dem Begleittext zufolge aus Peppers Wunsch, noch etwas auf dem Tenorsaxofon zu spielen. Das macht den Schluss zu einem besonders aufschlussreichen Moment: Der Instrumentenwechsel ist Teil des konkreten Sessionverlaufs. Für die anderen Titel sollte man dagegen keine lückenlose Instrumentenzuordnung erfinden, die die Quellen nicht hergeben. Zum Programm dieser LP gehören sieben Stücke. Der alternative Take und „The Way You Look Tonight“, die auf erweiterten Ausgaben begegnen, sind hier nicht enthalten.
Die Contemporary-Neuauflage
Die hier angebotene Ausgabe gehört zur Contemporary Records Acoustic Sounds Series von Craft Recordings und Acoustic Sounds. Sie enthält das ursprüngliche Stereoalbum auf einer 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Bernie Grundman schnitt die Lackfolien. Craft beschreibt die Herstellung als AAA und nennt die originalen Masterbänder als Ausgangsmaterial. Das ist die Quellenangabe des Herausgebers für diese Ausgabe. Gepresst wird bei Quality Record Pressings; die Tip-on-Hülle stammt von Stoughton. Die Katalognummer der Ausgabe lautet CR00713, die Produktnummer ACONC 713.
Damit steht eine klar umrissene Version von Gettin’ Together! im Mittelpunkt: die sieben Titel der ursprünglichen Platte, ohne das zusätzliche Material späterer CD-Ausgaben. Als Gegenstück zu Meets The Rhythm Section erschließt sie eine zweite Begegnung mit dem musikalischen Umfeld von Miles Davis und lässt zugleich hören, wie viel sich durch zwei andere Partner und Candolis ausgewählte Einsätze verändert. Wer die Platte aus diesem Blickwinkel auflegt, kann Verwandtschaft und Eigenständigkeit nebeneinander verfolgen. Der gemeinsame Ausgangspunkt ist die Session; ihre unterschiedlichen Situationen entfalten sich von Stück zu Stück.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Mehr von Art Pepper: Intensity · Smack Up
Serie: Contemporary – alle 24 Platten: sonniger Jazz aus Los Angeles
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Art PepperAltsaxofon, Tenorsaxofon, LeaderMitwirkung: Album-Besetzung
- Conte CandoliTrompeteMitwirkung: A1, A2, B1
- Wynton KellyKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Paul ChambersKontrabassMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy CobbSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Conte Candoli: A1, A2 und B1. Pepper spielt auf dem Titelblues Tenorsaxofon; weitere Instrumentenwechsel sind nicht vollständig je Titel belegt.











Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.