Ein Wiedersehen mit dem Jahr 1957
Als Thelonious Monk With John Coltrane 1961 bei Jazzland erscheint, liegt die kurze Zusammenarbeit seiner beiden Hauptfiguren bereits einige Jahre zurück. Die gemeinsamen Monate im New Yorker Five Spot gehören zu den entscheidenden Begegnungen dieser Jazzepoche. Die sechs Aufnahmen dieser Platte entstanden jedoch im Studio. Sie bewahren keine Clubnacht, sondern führen in drei unterschiedliche Sitzungen des Jahres 1957 zurück.
Den Kern bilden drei Quartettaufnahmen aus dem Juli: „Ruby, My Dear“, „Trinkle, Tinkle“ und „Nutty“. Monk und Coltrane spielen mit Wilbur Ware am Kontrabass und Shadow Wilson am Schlagzeug in den Reeves Sound Studios. Erst die spätere Zusammenstellung machte diese Begegnungen einem größeren Publikum zugänglich. Gerade dieser Abstand verleiht dem Album seinen besonderen Reiz: Man begegnet einem gemeinsamen Arbeitsmoment, dessen Bedeutung inzwischen deutlicher geworden war.

Vom Quartett zum Septett
„Ruby, My Dear“ öffnet die Tür über eine Ballade; „Trinkle, Tinkle“ und „Nutty“ zeigen andere Seiten von Monks kompositorischer Sprache. Wer Coltranes Linien verfolgt, kann zugleich auf das Klavier achten: darauf, wie Monk eine Phrase begleitet, einen Akzent setzt oder Platz lässt. Ware und Wilson gehören zu diesem Gespräch ebenso selbstverständlich wie die beiden Namen auf dem Cover.
Mit „Off Minor“ und „Epistrophy“ wechselt die Besetzung. Beide stammen aus den Juni-Sitzungen zu Monk’s Music, erscheinen hier aber in alternativen Fassungen. Coleman Hawkins tritt als zweiter Tenorsaxofonist hinzu, Ray Copeland spielt Trompete und Gigi Gryce Altsaxofon. Art Blakey übernimmt das Schlagzeug. Die größere Bläsergruppe erweitert die Perspektive, ohne aus der Platte ein einheitliches Septettalbum zu machen.

Zum Schluss bleibt Monk allein
„Off Minor“ ist Take 4; „Epistrophy“ die kurze Alternativfassung. Den Abschluss bildet „Functional“, ein Solostück aus der April-Sitzung zu Thelonious Himself. Hier hört man Take 1. Coltrane wirkt auf diesem letzten Titel nicht mit. Die Folge von Quartett, größerer Besetzung und Soloklavier erzählt deshalb mehr als die Geschichte eines berühmten Duos.
Für eine Monk-Sammlung ist gerade diese Vielgestaltigkeit wertvoll. Wer Monk’s Music kennt, kann die anderen Takes danebenstellen; wer über Coltrane einsteigt, erhält einen Zugang zu Monks eigenem musikalischem Denken. Es lohnt sich, den Wechsel der Besetzungen bewusst mitzunehmen und „Functional“ seinen eigenen Raum zu geben. Die spätere CD-Zugabe „Monk’s Mood“ gehört nicht zum Programm dieser LP.
Die Ausgabe AAPJ 946
Analogue Productions veröffentlicht die sechs Titel auf einer 180-Gramm-LP mit 33⅓ RPM. Der Herausgeber nennt Kevin Gray, das analoge Originalmasterband, Quality Record Pressings und ein Tip-on-Cover von Stoughton. Die Schnittgeschichte der Riverside-Tenor-Sessions-Reihe reicht in die Jahre 1997/98 zurück; diese Wiederveröffentlichung sollte daher nicht als neues Mastering von 2024 verstanden werden.
Bei dieser einzelnen Ausgabe widersprechen sich die Angaben zur Mono-/Stereo-Wiedergabe. Ohne Prüfung des konkreten Exemplars bleibt die Kanalzuordnung offen. Das schmälert nicht den historischen Inhalt, gehört aber zu einer sorgfältigen Beschreibung dieser Pressung. Entscheidend ist die klare Abgrenzung: AAPJ 946 mit sechs Studioaufnahmen von 1957, einschließlich der dokumentierten Alternativtakes.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Thelonious MonkKlavierMitwirkung: Alle Titel · B3 solo
- John ColtraneTenorsaxofonMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
- Wilbur WareKontrabassMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2
- Shadow WilsonSchlagzeugMitwirkung: A1, A2, B1
- Art BlakeySchlagzeugMitwirkung: A3, B2
- Coleman HawkinsTenorsaxofonMitwirkung: A3, B2
- Ray CopelandTrompeteMitwirkung: A3, B2
- Gigi GryceAltsaxofonMitwirkung: A3, B2
Orrin Keepnews: Produktion. Quartett A1/A2/B1; Septett A3/B2; B3 Monk solo.











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