Eine Stimme, eine Gitarre, neun Begegnungen
Bei Take Love Easy stehen Ella Fitzgerald und Joe Pass ohne zusätzliche Rhythmusgruppe vor dem Mikrofon. Diese Besetzung ist klein, ihre Aufgaben sind es nicht. Die Gitarre muss harmonischen Zusammenhang, Bewegung und Antworten auf den Gesang ermöglichen; Fitzgerald kann sich auf keinen ständig gleichbleibenden Begleitapparat verlassen. Gerade daraus entsteht ein reizvoller Zugang zu neun vertrauten Liedern. Du kannst verfolgen, wann beide einen Gedanken gemeinsam tragen und wann einer dem anderen Platz macht. Die Reduktion bedeutet hier keine Verarmung des Repertoires. Sie lässt vielmehr deutlich werden, wie viele Entscheidungen bereits zwischen zwei musikalischen Stimmen möglich sind.
Die Aufnahmen entstanden am 28. August 1973 in Los Angeles, produziert von Norman Granz. Ein konkreter Studioname ist in den ausgewerteten Quellen nicht gesichert. Bemerkenswert ist das Datum trotzdem: Die Pablo-Diskografie verzeichnet am selben Tag auch Pass’ Soloaufnahmen für Virtuoso. Zwei wichtige Facetten seiner Arbeit stehen damit unmittelbar nebeneinander, die selbstständige Gestaltung eines Gitarrenstücks und die Begegnung mit einer Sängerin. Take Love Easy wurde das erste von vier gemeinsamen Studioalben des Duos. Was hier beginnt, ist keine zufällige Einzelkombination, sondern eine Zusammenarbeit, die über mehr als ein Jahrzehnt weitergeführt wurde.

Ein vertrautes Repertoire wird neu verteilt
Fitzgerald hatte bereits Erfahrung mit stark reduzierten Besetzungen, etwa in ihren Aufnahmen mit dem Pianisten Ellis Larkins. Auch Pass war kein völlig neuer Partner: Im Juli 1973 spielte er bei ihrem Auftritt in der Carnegie Hall im Quartett von Tommy Flanagan. Für dieses Studioalbum fallen die übrigen Instrumente weg. So verändert sich das Verhältnis zwischen Lied und Begleitung. Ein Gitarrenakkord kann zugleich den nächsten harmonischen Schritt anzeigen und eine gesungene Phrase kommentieren. Die Besetzung legt solche Möglichkeiten offen, ohne dass jedes Stück dieselbe Lösung verlangt. Beide Musiker bringen eine lange Beschäftigung mit Standards in das Gespräch ein.
Das Titelstück stammt aus Beggar’s Holiday, Duke Ellingtons Musical mit Texten von John La Touche. Billy Strayhorn war an dessen Orchestrierungen beteiligt; seine eigene Komposition „Lush Life“ steht ebenfalls auf der ersten Plattenseite. Damit verbindet das Programm zwei unterschiedliche Wege aus dem Ellington-Umfeld. Hinzu kommt „Don’t Be That Way“, dessen Komponist Edgar Sampson in Chick Webbs Orchester spielte, bevor Fitzgerald dort ihre Laufbahn begann. Solche Verbindungen machen die Liedauswahl persönlich, ohne sie zu einer bloßen Rückschau zu verengen. Die Gitarre eröffnet einen anderen Rahmen als die großen Orchesteraufnahmen, mit denen viele Hörer Fitzgerald verbinden.

Zwischen Broadway, Brasilien und Jazzstandard
„Once I Loved“ führt zu Antônio Carlos Jobim, Vinícius de Moraes und der englischen Textfassung von Ray Gilbert. Neben diesem brasilianischen Lied stehen „You’re Blase“, „You Go To My Head“ und Billy Eckstines „I Want To Talk About You“. Die Auswahl lässt sich daher nicht auf einen einzelnen Komponisten oder eine bestimmte Epoche reduzieren. Ihr Zusammenhang entsteht durch die beiden Interpreten. Fürs Hören lohnt es sich, auf die Anfänge zu achten: Wie wird eine Melodie eingeführt, wie viel harmonischen Boden legt Pass darunter, und wann gewinnt eine Begleitfigur eine eigene Richtung? Die Fragen bleiben von Titel zu Titel offen.
Die zweite Seite beginnt mit „A Foggy Day“, das Fitzgerald schon mit Louis Armstrong und im Gershwin-Songbook aufgenommen hatte. Hier steht derselbe Song in einer anderen instrumentalen Umgebung. „Gee Baby, Ain’t I Good To You“ und „You Go To My Head“ erweitern den Bogen, bevor „I Want To Talk About You“ das Album schließt. Neun Stücke genügen, um die Bandbreite des Duos zu zeigen. Es geht dabei nicht darum, frühere Fassungen zu ersetzen. Interessant ist, wie ein bekanntes Lied seine Kontur behält und zugleich auf die neue Beziehung zwischen Gesang und Gitarre reagiert.
Die Pablo-Neuauflage von Analogue Productions
Diese Ausgabe trägt die Katalognummer AAPJ 159 und gehört zur ersten Pablo-Staffel von Analogue Productions. Angeboten wird eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen. Matthew Lutthans bearbeitete das Album bei The Mastering Lab; der Herausgeber nennt das ursprüngliche analoge Masterband als Quelle. Die dokumentierten Auslaufrillen passen zum neuen Schnitt dieser Veröffentlichung. Damit sollte sie nicht pauschal mit älteren Pablo-Neuauflagen oder wiederverwendeten Metallteilen gleichgesetzt werden. Aufgenommen wurde das Duo 1973; das Mastering der angebotenen LP gehört zu ihrer späteren Veröffentlichungsgeschichte.
Quality Record Pressings ist als Presswerk angegeben, Stoughton liefert eine Tip-on-Hülle mit einer Tasche. Ein Klappcover wird für diese Ausgabe nicht zugesagt. Die ersten 250 nummerierten Exemplare der Staffel waren für Abonnenten vorgesehen; daraus folgt keine Nummerierung jeder angebotenen Platte. Auch bei den ursprünglichen Credits lohnt Genauigkeit: Der Toningenieur wird als Rafael Valentin genannt und ist nicht mit Val Valentin gleichzusetzen. Die LP bewahrt die ursprüngliche Neun-Titel-Folge. Im Mittelpunkt bleibt damit die Konzentration auf zwei Musiker, die ein umfangreiches Liedwissen in eine unmittelbar überschaubare Besetzung übersetzen. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
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Serie: Pablo – alle 30 Platten, Musiker und das Sessionbuch
Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Ella FitzgeraldGesangMitwirkung: Album-Besetzung
- Joe PassGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
Duo ohne weitere Begleitmusiker.









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