Zwei Musiker erinnern an Jimmy Blanton
Am 5. Dezember 1972 gingen Duke Ellington und Ray Brown in Las Vegas ins Studio. Für This One’s For Blanton genügten Klavier und Kontrabass: zwei Musiker, die sich einem Bassisten widmeten, dessen Bedeutung weit über seine kurze Lebenszeit hinausreicht. Jimmy Blanton hatte von 1939 bis 1941 in Ellingtons Orchester gespielt und dem Kontrabass neue solistische Möglichkeiten eröffnet. Brown gehörte zu den Musikern, die diese Entwicklung weiterführten.
Norman Granz produzierte die Aufnahme bei United Recording. Die Widmung führt damit von Ellingtons früher Zusammenarbeit mit Blanton zu einer neuen Begegnung mit Brown. Man muss diese Geschichte nicht kennen, um der Musik zu folgen. Sie gibt dem Zuhören aber einen zusätzlichen Bezug: Hier begegnen sich zwei Instrumente auf einer Platte, die zugleich Erinnerung und gemeinsame Gegenwart ist.

Ray Brown und das Gespräch zu zweit
Ohne Schlagzeug oder Bläsersatz wird jede Begleitentscheidung besonders interessant. Wann trägt der Bass den Verlauf, wann antwortet das Klavier, wann treffen sich beide? Solche Fragen sind ein guter Einstieg in ein Duoalbum. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen den Musikern, statt nur auf die Solostimme zu warten.
Im Programm stehen unter anderem Do Nothin’ Till You Hear From Me, Pitter Panther Patter und Sophisticated Lady. Pitter Panther Patter führt dabei unmittelbar in die Blanton-Zeit zurück. Brown und Ellington greifen diese Verbindung in einer anderen Besetzung und zu einem anderen Zeitpunkt auf. Gerade das macht eine Hommage lebendig: Die Erinnerung wird zum Anlass, zusammen neue Musik zu gestalten.

Vier Sätze für Klavier und Bass
Die zweite Plattenseite gehört der Fragmented Suite For Piano And Bass. Ellington und Brown komponierten sie gemeinsam; die vier Sätze bilden einen zusammenhängenden Teil des Programms. Nach den fünf Stücken der ersten Seite verschiebt sich damit der Blick von einzelnen Titeln zu einer größeren Form.
Es lohnt sich, die Suite ohne Unterbrechung zu hören und auf die Übergänge zu achten. Was verbindet ihre Teile, welche Ideen werden aufgegriffen, wann verändert sich die Aufgabenverteilung? Die kleine Besetzung macht solche Beziehungen zugänglich. Diese Art von Platte lädt zum Wiederauflegen ein, weil man die Aufmerksamkeit jedes Mal anders verteilen kann – einmal auf Ellington, einmal auf Brown und schließlich auf das, was zwischen ihnen entsteht.
Die Pablo-Neuauflage und Doug Sax’ Schnitt
Die aktuelle Analogue-Productions-Ausgabe AAPJ 154 ist eine Stereo-LP mit 33⅓ Umdrehungen und 180 Gramm Vinyl. Sie nutzt den Doug-Sax-Schnitt von 1994 bei The Mastering Lab; es handelt sich also nicht um einen neuen Schnitt aus dem Jahr 2024. Der Herausgeber nennt das originale analoge Masterband als Quelle dieses Masterings. Für die aktuelle Pressung sind QRP und RTI-Galvanik dokumentiert, dazu ein Stoughton-Tip-on-Klappcover.
Die Unterscheidung zwischen alter Aufnahme, vorhandenem Schnitt und neuer Pressung gehört zu einer genauen Beschreibung dieser Ausgabe. Sie lässt zugleich Raum für das Wesentliche: zwei Musiker, zwei Instrumente und eine Widmung. Wer sich dafür Zeit nimmt, kann einem musikalischen Austausch folgen, dessen Voraussetzungen auf der Platte ungewöhnlich klar vor einem liegen.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Duke EllingtonKlavier, KompositionMitwirkung: Album-Besetzung
- Ray BrownKontrabass, Komposition (Suite)Mitwirkung: Album-Besetzung
Duo auf allen Titeln. Die Fragmented Suite komponierten Ellington und Brown gemeinsam. Produktion: Norman Granz. Die aktuelle Pressung nutzt den Doug-Sax-Schnitt von 1994.









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