Eine eigene Handschrift in fremden Songs
Donny Hathaways zweites Studioalbum erschien 1971 unter seinem Namen. Acht der neun Stücke waren Kompositionen anderer Autoren. Gerade darin liegt ein Zugang zu dieser Platte: Persönlichkeit entsteht hier durch Auswahl, Arrangement und Vortrag. Hathaway bringt Songs aus Soul, Pop und Gospel in einen gemeinsamen Albumzusammenhang, ohne ihre unterschiedlichen Ursprünge einzuebnen. „A Song For You“ von Leon Russell war damals noch ein junger Song. Hathaways Aufnahme gehört zu den Interpretationen, die seine weitere Geschichte prägten, doch geschrieben hatte ihn Russell. Solche Unterscheidungen lassen den Anteil des Interpreten deutlicher hervortreten.
Die Aufnahmen entstanden 1970 und 1971. Jerry Wexler und Arif Mardin produzierten den größten Teil des Albums; Hathaway selbst verantwortete „Take A Love Song“. Auch die Arrangements tragen seine und Mardins Handschrift. Das Programm bewegt sich von der eröffnenden Bitte in „Giving Up“ über persönliche Zuwendung bis zu Liedern mit Gemeinschafts- und Glaubensbezügen. Der Zusammenhang entsteht durch Hathaways Stimme und seine musikalischen Entscheidungen. Man muss das Album weder als reine Sammlung von Standards noch als ausschließliches Gospelprogramm verstehen, um diese Verbindung nachzuvollziehen.

Mehrere Sessions, unterschiedliche Aufgaben
Ein großer Teil der Arbeit fand in den Atlantic Recording Studios in New York statt, ergänzt durch Aufnahmen in den Criteria Studios in Miami. „Take A Love Song“ entstand dagegen in den Universal Studios in Chicago mit einer anderen Besetzung. Zu den wichtigen Begleitern des New Yorker Zusammenhangs gehören Cornell Dupree an der Gitarre, Chuck Rainey am Bass und Al Jackson Jr. am Schlagzeug. Hathaway singt und spielt Tasteninstrumente. Für den Chicago-Titel sind unter anderem Phil Upchurch, Steve Novosel und Morris Jennings dokumentiert. Diese Unterschiede gehören zur Aufnahmegeschichte und sollten in einer Musikerliste sichtbar bleiben.
Auch einzelne Solobeiträge lassen sich genauer benennen: King Curtis spielt das Tenorsaxofonsolo in „Giving Up“, Joe Newman das Trompetensolo in „She Is My Lady“. Die Arrangements bieten damit wechselnde Gegenüber für die Stimme. Beim Hören kann man darauf achten, wann ein Instrument eine Gesangslinie beantwortet und wann es einen neuen Abschnitt eröffnet. Streicher, Bläser und Begleitstimmen sind Teil dieser Gestaltung, doch eine Albumnennung ist nicht automatisch ein Beleg für jeden einzelnen Titel. Die nach Titeln differenzierten Credits helfen, die Beteiligten ihrer tatsächlichen musikalischen Situation zuzuordnen.

Vom persönlichen Bekenntnis zur gemeinsamen Stimme
„Giving Up“ und „A Song For You“ eröffnen das Programm mit zwei sehr unterschiedlichen Formen persönlicher Ansprache. Es folgen „Little Girl“ und „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“, später „Magnificent Sanctuary Band“ und „She Is My Lady“. Die Spannweite entsteht aus dem Wechsel zwischen individueller Nähe und einem größeren gemeinschaftlichen Ton. Hathaways Gospelhintergrund ist dabei ein hilfreicher Bezugspunkt, aber kein Etikett, das jeden Song vollständig erklärt. Gerade ein populäres Lied kann durch Phrasierung, harmonische Behandlung und die Verteilung der Begleitstimmen einen anderen Ausdruck erhalten, ohne seine melodische Identität zu verlieren.
Auf der letzten Seite dieser Doppel-LP stehen „I Believe In Music“, „Take A Love Song“ und „Put Your Hand In The Hand“. Der erste Titel ist tatsächlich „I Believe In Music“; ähnlich klingende Songnamen führen hier leicht zu Verwechslungen. „Take A Love Song“, gemeinsam mit Nadine McKinnor geschrieben, ist der einzige eigene Kompositionsbeitrag Hathaways auf dem Album. Zugleich unterscheidet er sich durch Produktionsverantwortung und Aufnahmeort von den übrigen Stücken. So treffen auf einer Platte mehrere Formen musikalischer Autorschaft zusammen: komponieren, arrangieren, begleiten und einen bereits vorhandenen Song durch eine neue Interpretation mitprägen.
Das vollständige Album auf zwei LPs
Die Analogue-Productions-Ausgabe der Atlantic 75 Series verteilt die neun Originaltitel auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray bei Cohearent Audio wird vom Herausgeber für das Mastering genannt; als Quelle nennt er das originale Masterband. Diese Quellenangabe beschreibt die beworbene Herstellung der Ausgabe. Die vier Plattenseiten behalten die ursprüngliche Reihenfolge der Songs bei. Die Ausstattung umfasst eine Stoughton-Gatefold-Hülle mit zwei Taschen. Die Serie nennt QRP und für spätere Pressungen auch RTI; eine bestimmte frühe Nummerierung wird nicht vorausgesetzt.
Die Produktnummer lautet AAPA 051-45. Enthalten ist das ursprüngliche neun Titel umfassende Album ohne zusätzliche Songs späterer Zusammenstellungen. Das ist besonders dann hilfreich, wenn Hathaway über einzelne bekannte Aufnahmen entdeckt wurde: Hier stehen sie wieder in der Abfolge dieses zweiten Studioalbums. „A Song For You“ ist Teil eines größeren Programms, das ebenso auf Songauswahl und Ensemblearbeit wie auf die Gesangsstimme setzt. Die wechselnden Sessions verschwinden dabei nicht hinter einem pauschalen Besetzungsnamen. Sie erklären, wie unterschiedliche musikalische Situationen zu einem Album zusammenfinden konnten, das vollständig unter Hathaways Namen steht.
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Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Donny HathawayGesang, TasteninstrumenteMitwirkung: Album-Besetzung
- Chuck RaineyBass (E-Bass)Mitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Cornell DupreeGitarreMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Al Jackson Jr.SchlagzeugMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- King CurtisTenorsaxofon (Solo)Mitwirkung: A1
- Joe NewmanTrompete (Solo)Mitwirkung: C2
- Phil UpchurchE-BassMitwirkung: D2
- Steve NovoselBassMitwirkung: D2
- Morris JenningsSchlagzeugMitwirkung: D2
- Cissy HoustonHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Myrna SmithHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Sylvia ShemwellHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Judy ClayHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Deirdre TuckHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- J.R. BaileyHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Ronnie BrightHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Sammy TurnerHintergrundgesangMitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Myrna SummersHintergrundgesang (mit den Interdenominational Singers)Mitwirkung: A1, A2, B1, B2, C1, C2, D1, D3
- Ivory StoneHintergrundgesangMitwirkung: D2
- Lillian PerryHintergrundgesangMitwirkung: D2
- S. WhiteHintergrundgesangMitwirkung: D2
D2 stammt aus einer eigenen Chicago-Session. Die übrigen Gruppencredits geben den belegten Aufnahmeblock an, nicht jeden hörbaren Einsatz aller Begleitstimmen.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hebt die Energie, Hingabe und Emotionalität von Donny Hathaways Stimme hervor. Als Hörbeispiel wählt er „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“. Die Klangqualität dieser Atlantic-75-Ausgabe lobt er ausdrücklich; einen Vergleich mit anderen Pressungen stellt er in dieser Passage nicht an.
🎧 Review video: Genesis, John Coltrane and Donny Hathaway
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