Ein Wörterbuch, das aus Liedern besteht
Complete & Unbelievable: The Otis Redding Dictionary of Soul trägt einen selbstbewussten Titel. Sein musikalisches Wörterbuch besteht jedoch nicht aus Definitionen, sondern aus zwölf Liedern, die sehr unterschiedliche Herkunftsorte miteinander verbinden. Country, ältere Unterhaltungsmusik, ein Beatles-Song und eigene Kompositionen stehen nebeneinander. Otis Redding behandelt dieses Material als Sänger mit einer unverwechselbaren Persönlichkeit. Du kannst die Platte deshalb sowohl über bekannte Melodien als auch über ihre Veränderungen entdecken: Welche Gestalt bekommt ein Lied, wenn es in die Zusammenarbeit zwischen Redding und den Musikern des Stax-Studios gelangt? Die Antwort fällt bei jedem Titel anders aus.
Das Album erschien 1966 bei Volt, dem Schwesterlabel von Stax. Es war Reddings fünftes Studioalbum und sein letztes Solo-Studioalbum zu Lebzeiten. Aufgenommen wurde in Memphis, im ehemaligen Capitol Theatre an der East McLemore Avenue, das zum Stax-Studio umgebaut worden war. Jim Stewart betreute die Produktion. Der Ort verbindet das Album mit einer ganzen Musikszene, doch die konkrete Platte besteht aus eigenen Entscheidungen über Repertoire und Gestaltung. Ihr späterer historischer Rang sollte nicht verdecken, wie offen die Auswahl damals war: Die Musik greift auf Lieder verschiedener Generationen zurück und stellt sie in einen neuen Zusammenhang.

Ein Lied von 1932 wird zum Zentrum
„Try A Little Tenderness“ war bereits Jahrzehnte alt, als Redding es aufnahm. Harry Woods, Jimmy Campbell und Reg Connelly hatten das Lied geschrieben; vor ihm gehörte es unter anderem zum Repertoire von Bing Crosby und Frank Sinatra. Sam Cookes Umgang damit war ein wichtiger Bezugspunkt. Redding und Isaac Hayes entwickelten daraus ihre eigene Fassung. Interessant ist hier nicht nur die Wiedererkennbarkeit der Melodie, sondern die Frage, wie ein Arrangement den Verlauf verändert. Achte auf das Verhältnis zwischen Gesang, Bläsereinwürfen und Rhythmusgruppe: Ein bekanntes Lied kann durch seine neue Dramaturgie eine andere Rolle im Programm bekommen.
„Fa-Fa-Fa-Fa-Fa (Sad Song)“, geschrieben von Redding und Steve Cropper, führt auf andere Weise in die Arbeitswelt des Studios. Der Song steht in Verbindung mit Reddings Angewohnheit, den Bläsern musikalische Linien vorzusingen. „Tennessee Waltz“ bringt einen Country-Standard hinzu, „Day Tripper“ ein damals noch junges Beatles-Stück. Diese Auswahl zeigt, dass der Begriff Soul hier keine geschlossene Herkunftskategorie meint. Entscheidend ist, was die Interpreten aus dem Material machen. Die Stücke bleiben mit ihrer Vergangenheit verbunden, werden aber Teil eines Albums, dessen Zusammenhalt aus Stimme, Band und konkreter Ausgestaltung entsteht.

Die Menschen hinter dem gemeinsamen Klang
Zum musikalischen Umfeld gehören Booker T. Jones, Steve Cropper, Donald „Duck“ Dunn und Al Jackson Jr. sowie Isaac Hayes und die Bläser um Wayne Jackson und Andrew Love. Die Credits unterscheiden dabei gesicherte Mitwirkung von offenen Einzelzuordnungen. Nicht jedes Instrument ist für jeden Titel zweifelsfrei dokumentiert. Auch der spätere Name „Memphis Horns“ sollte nicht unbesehen auf 1966 übertragen werden: Jackson und Love etablierten ihn erst später für ihre eigene Zusammenarbeit. Für dieses Album sind die beteiligten Personen und ihre belegten Rollen die präzisere Beschreibung als eine nachträglich vereinheitlichte Gruppenbezeichnung.
Neben den bekannten Fremdtiteln stehen Reddings eigene Lieder wie „My Lover’s Prayer“, „She Put The Hurt On Me“ und „Ton Of Joy“. „Sweet Lorene“ verbindet ihn als Autor mit Hayes und Alvertis Isbell, der als Al Bell bekannt wurde. Hayes und David Porter schrieben „Love Have Mercy“, das die Platte beschließt. So führt die Auswahl mitten in das Netzwerk der Songwriter des Studios. Höre einmal besonders auf den Wechsel zwischen einem von außen kommenden Lied und einer dieser Kompositionen. Das Album erklärt seine Vorstellung von Soul gerade dadurch, dass es die unterschiedlichen Ursprünge in einen gemeinsamen musikalischen Ablauf bringt.
Die Ausgabe der Atlantic-75-Reihe
Die angebotene Fassung AAPA 036-45 verteilt die zwölf Titel auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 Umdrehungen. Mastering und Schnitt werden Bernie Grundman zugeschrieben; der Herausgeber nennt das ursprüngliche Masterband als Quelle. Die Ausgabe ist als Stereo dokumentiert, während das Originalalbum auch in Mono erschien. Diese Formate sollten nicht miteinander vermischt werden. Dass ein Volt-Album in der Atlantic-75-Reihe steht, gehört zur Vertriebs- und Rechtegeschichte des damaligen Stax-Katalogs. Das ursprüngliche Label bleibt dadurch Volt; die heutige Reihenzugehörigkeit schreibt die Veröffentlichung von 1966 nicht nachträglich um.
Der Herausgeber nennt Quality Record Pressings und eine Stoughton-Tip-on-Klapphülle. Nummerierte Erstchargen und spätere Pressungen sind zu unterscheiden, ohne für das einzelne Exemplar eine Nummer zu versprechen. Die Titelfolge bleibt erhalten: Auf der zweiten Seite treffen „Sweet Lorene“, „Try A Little Tenderness“ und „Day Tripper“ unmittelbar aufeinander. Jede Plattenseite enthält drei Stücke. Diese konkrete Anordnung ist der Rahmen, in dem sich die verschiedenen Facetten des Programms verfolgen lassen. Die Neuauflage erweitert das Album nicht um Bonusmaterial, sondern präsentiert seine zwölf ursprünglichen Lieder in einem anderen physischen Format. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Auch als SACD: The Otis Redding Dictionary of Soul
Mehr von Otis Redding: The Dock Of The Bay · Otis Blue- Otis Redding Sings Soul
Kundenfragen: Atlantic 75: welche Titel lohnen sich? · Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Atlantic 75 Series – alle 75 Alben, Zeitreise und die Menschen hinter Atlantic
Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Otis ReddingGesangMitwirkung: Album-Besetzung
- Booker T. JonesKeyboards, Orgel, Vibrafon (A3, D2), Bass (A3, D2)Mitwirkung: Album-Besetzung
- Isaac HayesKeyboards, KlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Steve CropperGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
- Donald „Duck“ DunnBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Al Jackson Jr.SchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
- Wayne JacksonTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Andrew LoveTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Floyd NewmanBaritonsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- David PorterBackgroundgesangMitwirkung: A1
- Charles AxtonTenorsaxofonMitwirkung: C1
- Gene ParkerTenorsaxofonMitwirkung: C1
- Gene MillerTrompeteMitwirkung: C1
- Sammy ColemanTrompeteMitwirkung: C1
Albumcredits sind keine vollständige Titelzuordnung. Zusätzliche Bläser auf C1 sind nach aufnahmespezifischen Credits aufgeführt. Gil Caple und Joe Arnold bleiben wegen widersprüchlicher Belege ausgeschlossen.















Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.