Fünf Musiker stellen sich neu vor
Fragile zeigt Yes in einer besonderen Balance: Vier längere Bandstücke stehen neben fünf kürzeren Beiträgen, die jeweils von der Idee eines einzelnen Mitglieds ausgehen. Jon Anderson, Steve Howe, Chris Squire, Rick Wakeman und Bill Bruford werden dadurch nicht nur als gemeinsame Gruppe hörbar. Das Album öffnet zugleich kleine Fenster auf ihre unterschiedlichen Interessen. Diese Anlage macht den Wechsel zwischen ausgedehnten Formen und konzentrierten Miniaturen zum eigentlichen Prinzip der Platte. Du kannst die Stücke als zusammenhängende Reise hören und anschließend fragen, welchen Anteil die einzelnen Musiker an ihrer Richtung haben. Die Antworten fallen nicht immer mit den prominentesten Soli zusammen.
Die Aufnahmen entstanden 1971 in den Londoner Advision Studios, produziert von Yes und Eddy Offord. Rick Wakeman hatte Tony Kaye ersetzt und erweiterte das Instrumentarium um Mellotron, Minimoog und verschiedene Tasteninstrumente. Seine klassische Ausbildung traf auf Howes Gitarrensprache, Squires Bass, Brufords rhythmische Ideen und Andersons Gesang. Der Personalwechsel erklärt nicht allein jede neue Entwicklung, doch er verändert die Voraussetzungen des Zusammenspiels. Fragile dokumentiert die erste Albumbegegnung dieser fünf Musiker. Sein Aufbau stellt die Frage nach der Identität der Band deshalb ganz praktisch: Was entsteht gemeinsam, und was bringt jeder Einzelne in diese Zusammenarbeit mit?

Zwischen „Roundabout“ und den kleinen Formen
„Roundabout“ beginnt mit rückwärts abgespielten Klavierakkorden, bevor die akustische Gitarre hervortritt. Den gesamten Anfang als Gitarrenflageoletts zu beschreiben, würde einen wichtigen Studioschritt unterschlagen. Das Stück wurde abschnittsweise aufgenommen und mit Bandschnitten zusammengesetzt. Seine Entstehung führt auch auf eine Fahrt durch Schottland zurück, bei der Anderson und Howe Ideen entwickelten. Fürs Hören lohnt der Blick auf die Übergänge: Wie verbinden sich die einzelnen Abschnitte, und welche Instrumente übernehmen jeweils die Führung? Die vertraute Eröffnung ist nur der erste Teil einer Konstruktion, deren Zusammenhang aus sehr unterschiedlichen Bewegungen entsteht.
Die kurzen Stücke zeigen andere Arbeitsweisen. Wakeman überträgt in „Cans And Brahms“ Material aus Brahms’ vierter Sinfonie auf Tasteninstrumente. Anderson schichtet in „We Have Heaven“ seine Stimme; Howe tritt in „Mood For A Day“ mit der Flamencogitarre hervor. Squires „The Fish“ und Brufords „Five Per Cent For Nothing“ setzen wiederum andere Schwerpunkte. Dabei bedeutet ein persönlicher Beitrag nicht automatisch eine unbegleitete Solodarbietung: Brufords Miniatur wird von der Gruppe gespielt. Gerade diese Unterscheidung ist interessant. Individuelle Autorenschaft und gemeinsame Ausführung können auf Fragile ebenso zusammengehören wie ein einzelner Musiker und mehrere übereinandergelagerte Stimmen.

Die Übergänge bleiben Teil des Albums
„South Side Of The Sky“ und „Heart Of The Sunrise“ bilden neben „Roundabout“ die großen Spannungsbögen. Dazwischen steht „Long Distance Runaround“, das in „The Fish“ übergeht. Solche Verbindungen machen die Reihenfolge wichtig; die kurzen Beiträge sind nicht beliebig austauschbare Pausenfüller. Auf der 45er-Ausgabe bleiben „We Have Heaven“ und „South Side Of The Sky“ gemeinsam auf Seite B. „Long Distance Runaround“ und „The Fish“ liegen zusammen auf Seite C. Die Aufteilung auf vier Plattenseiten erhält damit diese beiden Übergänge, obwohl sie das ursprüngliche Zwei-Seiten-Format des Albums verändert.
„Heart Of The Sunrise“ bekommt die gesamte vierte Seite. Am Ende führt die versteckte Wiederkehr von „We Have Heaven“ einen Gedanken aus dem früheren Verlauf zurück. Auch die Gestaltung gehört zur Geschichte: Fragile war Roger Deans erstes Yes-Cover. Die hier enthaltene Nachbildung des ursprünglichen Booklets bietet neben seiner Bildwelt Einblicke in die fünf Bandmitglieder. Deans später berühmt gewordenes Yes-Logo entstand erst danach. Die Platte lässt sich deshalb als ein Moment hören und ansehen, in dem sich mehrere Elemente der später vertrauten Gruppenidentität verbinden, ohne dass bereits alles in seiner endgültigen Form vorliegt.
Die Atlantic-75-Doppel-LP
Angeboten wird AAPA 014-45, die Analogue-Productions-Ausgabe mit zwei 180-Gramm-LPs bei 45 Umdrehungen. Der Herausgeber nennt Kevin Gray bei Cohearent Audio für Mastering und Lackschnitt vom ursprünglichen Masterband. Dazu passen die dokumentierten „KPG@CA“-Gravuren auf allen vier Seiten. Eine abweichende Zuschreibung an Chris Bellman wird deshalb nicht übernommen. Diese konkrete Ausgabe ist von früheren Analogue-Productions-Pressungen und der SACD zu unterscheiden. Der Name des Albums allein reicht nicht, um einen Masteringcredit oder die technische Bearbeitung eindeutig zuzuordnen.
Der Herausgeber führt Quality Record Pressings sowie ein Stoughton-Tip-on-Klappcover mit zwei Taschen auf. Das reproduzierte Farbbooklet liegt dieser Fassung bei. Die ersten nummerierten Exemplare sind von späteren unnummerierten Pressungen zu unterscheiden; eine individuelle Nummer oder ein bestimmtes Presswerk späterer Chargen wird ohne Exemplarprüfung nicht zugesagt. Entscheidend für den Albumablauf ist die tatsächliche Seitenfolge dieser 45er. Sie gibt den längeren Stücken Raum und bewahrt die genannten Übergänge. Damit bleibt Fragile ein bewusst gegliedertes Ganzes, dessen einzelne Beiträge sich sowohl für sich als auch im Zusammenhang entdecken lassen. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
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Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Jon AndersonLeadgesang, alle Gesangsstimmen auf B1Mitwirkung: A1, B1, B2, C2, D1
- Steve HoweE-Gitarre, Akustikgitarre, GesangMitwirkung: A1, B2, C1, C2, C4, D1
- Chris SquireBass, GesangMitwirkung: A1, B2, C1, C2, C3, D1
- Rick WakemanHammondorgel, Flügel, E-Piano (RMI 368 Electra-Piano), E-Cembalo, Mellotron, Synthesizer (Minimoog)Mitwirkung: A1, A2, B2, C1, C2, D1
- Bill BrufordSchlagzeug, PerkussionMitwirkung: A1, B2, C1, C2, D1
Die Kurzstücke gehen auf einzelne Mitglieder zurück, sind jedoch nicht alle unbegleitet. „Five Per Cent For Nothing“ wird von der Gruppe gespielt.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael schätzt bereits die kraftvolle, dynamische britische Erstpressung. Bei der AP-45er hört er vor allem klarere Mitten: Instrumente bekommen mehr Körper und Details, das Gesamtbild wirkt für ihn schlüssiger und geschlossener.












Pedro Gonzalez –
Wow… what an album. And the sound on this record… it’s absolutely magnificent. I know that that this is true for the whole Atlantic 75 pressings, but the acoustic guitar on Roundabout is being played in your room. Great job. Well done Acoustic Sounds.