Ein Hotel als Wegweiser
Ein schlichtes Hotel in Downtown Los Angeles gibt dem fünften Studioalbum der Doors seinen Namen. Die Fotografie von Henry Diltz macht das Fenster zur Bühne, doch die Musik hinter dieser berühmten Hülle entsteht anderswo: in den Elektra-Studios, mit Paul A. Rothchild als Produzent und Bruce Botnick am Aufnahmepult. Morrison Hotel erscheint 1970. Nach den Bläsern und Streichern von The Soft Parade richtet sich die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die Band selbst, auf Bluesformen, Gitarren, Tasten und das Zusammenspiel der Rhythmusgruppe.
Das bedeutet keineswegs, dass die Doors ihre Eigenarten ablegen. Gerade die Folge der elf Titel zeigt, wie verschieden ihre Vorstellungen von einem Song sein können. Auf einen direkten Einstieg folgen Bilder, Brüche und leisere Passagen. Morrison bleibt eine prägende Stimme, aber das Album erschließt sich besonders gut, wenn man Manzarek, Krieger und Densmore ebenso aufmerksam verfolgt. Die scheinbar vertraute Bandbesetzung bietet genügend Möglichkeiten, um sehr unterschiedliche Räume zu öffnen.
Die ursprüngliche LP trägt auf ihren beiden Seiten die Bezeichnungen „Hard Rock Café“ und „Morrison Hotel“. Diese Namen verbinden die Musik mit den fotografierten Orten, ohne daraus ein durchgehendes Erzählkonzept zu machen. Für die vorliegende Doppel-LP wird das Programm auf vier Seiten verteilt. Seine innere Reihenfolge bleibt erhalten: von „Roadhouse Blues“ bis „Maggie M’Gill“, mit zahlreichen Richtungswechseln dazwischen.

Wer den Blues trägt
„Roadhouse Blues“ ist ein guter Anfang für die Beschäftigung mit den Beteiligten. Neben den vier Doors wirken Lonnie Mack am Bass und John Sebastian an der Mundharmonika mit. Sebastian erscheint in den Credits auch unter dem Namen G. Puglese. Mack ist zwar als Gitarrist berühmt, doch hier zählt seine Bassarbeit. Solche Unterschiede sind wichtig: Ein bekannter Name erklärt einen Beitrag erst dann, wenn auch sein tatsächliches Instrument genannt wird.
Ray Neapolitan gehört ebenfalls zur Studiobesetzung und spielt bei einem großen Teil des Albums Bass. Lonnie Mack ist darüber hinaus auf „Maggie M’Gill“ dokumentiert. Zwischen dem Anfang und dem Ende entsteht damit eine konkrete personelle Verbindung. Die Gäste erweitern das Fundament, auf dem Manzareks Klavier und Orgel, Kriegers Gitarre und Densmores Schlagzeug agieren. Das ist Studioarbeit mit zusätzlichen Kräften, keine veränderte offizielle Bandbesetzung.
Rothchild und Botnick begleiten die Aufnahme mit unterschiedlicher Verantwortung: Produktion und Tonaufnahme sind von den gespielten Parts zu unterscheiden. Auch die spätere Neuauflage hat eigene technische Credits. Wer die Namen auf einer solchen Platte liest, begegnet mehreren Zeitschichten zugleich. In der Musikerübersicht stehen deshalb die Interpreten; die Geschichte der Aufnahme und das Mastering werden an ihren jeweiligen Stellen erläutert. So bleibt sichtbar, wer die Musik spielte und wer sie auf dem Weg zur Platte betreute.

Elf Stücke, viele Blickrichtungen
Nach „Roadhouse Blues“ führt „Waiting for the Sun“ in einen anderen Bereich. Der Titel war bereits als Name des dritten Doors-Albums bekannt, das Stück selbst findet hier seinen Platz. Allein diese Verschiebung erinnert daran, dass ein Album nicht immer ausschließlich aus Material eines einzigen kurzen Arbeitsabschnitts besteht. Ideen können liegen bleiben, erneut aufgenommen werden und erst in einer anderen Umgebung ihre endgültige Funktion finden.
„You Make Me Real“ setzt wieder anders an. Besonders reizvoll ist anschließend die Nachbarschaft von „Peace Frog“ und „Blue Sunday“: zwei Stücke, deren gemeinsamer Platz in der Folge die Aufmerksamkeit auf Übergänge lenkt. Man muss keine biografische Deutung festlegen, um den Wechsel zwischen sprachlicher Unruhe und einer zurückgenommenen Geste wahrzunehmen. „Ship of Fools“ erweitert das Bild, bevor die zweite Hälfte der ursprünglichen LP mit „Land Ho!“ beginnt.
„The Spy“ und „Queen of the Highway“ gehören ebenso zu diesem Album wie seine oft gespielten Eckstücke. „Indian Summer“ führt noch weiter zurück: Seine Entstehung reicht in die frühe Studiozeit der Band. Der abschließende Blues „Maggie M’Gill“ stellt danach eine andere Verbindung zum Auftakt her. Es lohnt sich, dieser Reihenfolge Zeit zu geben. Die Platte gewinnt nicht durch eine einzige Erklärung, sondern durch die Beziehungen zwischen ihren Teilen. Für eine Doors-Sammlung ist sie deshalb mehr als das Bindeglied zwischen zwei berühmteren Plattencovern: Sie besitzt eine eigene, sorgfältig abgestufte Dramaturgie.
Vier Seiten bei 45 Umdrehungen
Diese Stereoausgabe von Analogue Productions trägt die Katalognummer AAPP 75007-45. Sie enthält die elf Albumtitel auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 RPM. Doug Sax übernahm das Mastering bei The Mastering Lab; Sangwook „Sunny“ Nam wird in den Ausgabencredits ebenfalls genannt. Bruce Botnick begleitete das Wiederveröffentlichungsprojekt. Der Herausgeber nennt die originalen analogen Masterbänder als Quelle und Quality Record Pressings als Presswerk.
Die Verpackung ist ein Klappcover. Frühere Pressungen der Katalogfamilie wurden auch mit 200 Gramm angeboten; die aktuelle Produktspezifikation lautet 180 Gramm. Die Ausgabe ist von anderen Doors-Formaten, erweiterten Jubiläumseditionen und der separaten SACD zu unterscheiden. Hier steht das ursprüngliche Albumprogramm ohne zusätzliche Sessiontakes im Mittelpunkt. Auf vier Plattenseiten verteilen sich die vertrauten Titel in überschaubare Gruppen – eine Gelegenheit, auch „The Spy“, „Indian Summer“ oder „Blue Sunday“ mit derselben Aufmerksamkeit zu begegnen wie „Roadhouse Blues“.
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Auch als SACD: Morrison Hotel
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Jim MorrisonGesangMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Robby KriegerGitarreMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Ray ManzarekKlavier, OrgelMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- John DensmoreSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Ray NeapolitanBassMitwirkung: Album-Besetzung; Titelzuordnung nicht einzeln ausgewiesen
- Lonnie MackBassMitwirkung: A1, D3
- John SebastianMundharmonikaMitwirkung: A1
Albumcredits sind keine pauschale Zusage jedes Instruments auf jedem Titel.











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