Zwei junge Stimmen und ein gemeinsamer Gedanke
Auf The Young Bloods begegnen sich Phil Woods und Donald Byrd als gleichberechtigte Partner. Das Altsaxofon und die Trompete stehen gemeinsam über einem Quintett, das am 2. November 1956 bei Rudy Van Gelder in Hackensack zusammenkam. Prestige veröffentlichte die Aufnahme 1957 als PRLP 7080. Woods war fünfundzwanzig, Byrd vierundzwanzig Jahre alt. Der Titel passt zu diesem Moment ihrer Laufbahnen: Zwei Musiker, deren Namen später ganz unterschiedliche Kapitel der Jazzgeschichte prägen sollten, arbeiten hier innerhalb einer gemeinsamen Sprache an ihren eigenen Konturen.
Die Platte gehört in die lebendige Verbindung von Bebop und Hard Bop der mittleren fünfziger Jahre. Charlie Parkers Einfluss ist im Repertoire ausdrücklich vertreten, doch Woods begnügt sich keineswegs mit der Rolle des stilkundigen Interpreten. Vier der sechs Stücke stammen aus seiner Feder. Damit trägt er wesentlich zur musikalischen Gestalt des Albums bei, während Byrd als zweiter Bläser seinen eigenen Ton und seine Phrasierung einbringt. Der gemeinsame Name auf dem Cover verdeckt diese unterschiedlichen Aufgaben nicht. Er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie Komposition und instrumentaler Dialog zusammenwirken.
Woods und Byrd waren einander im Studio bereits begegnet. Im Juni 1956 hatten sie bei Van Gelder an Woods‘ größer besetztem Pairing Off mitgewirkt. Für The Young Bloods bleibt die Front überschaubar: ein Alt und eine Trompete. Das eröffnet eine besonders direkte Form der Gegenüberstellung. Man kann verfolgen, wie beide ein Thema zusammen darstellen und wie sich danach ihre individuellen Linien davon lösen. Der Reiz liegt nicht darin, einen Sieger zwischen zwei Solisten zu bestimmen. Er liegt in der Nähe zweier junger Musiker, die genügend Gemeinsamkeiten besitzen, um ihre Unterschiede hörbar werden zu lassen.

Donald Byrd, Phil Woods und der seltenere Gast am Klavier
Woods‘ Altsaxofon und Byrds Trompete unterscheiden sich schon im Ansatz des Tons. Der Luftstrom am Rohrblatt und der Beginn einer Trompetennote geben einer gemeinsamen Melodie verschiedene Konturen. Gerade in einem Quintett ohne weitere Bläser lohnt es sich, auf dieses Zusammenspiel zu achten: Wann erscheinen die beiden Stimmen als Einheit, wann tritt eine nach vorn, und wie verändert sich das Gewicht eines Motivs beim Wechsel des Instruments? Die Besetzung ist klein genug, um solche Einzelheiten verfolgen zu können, und reich genug, um mehr als einen einzigen melodischen Blickwinkel anzubieten.
Am Klavier sitzt Al Haig, ein Musiker aus der frühen Bebop-Geschichte. Er hatte mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie gearbeitet und brachte damit eine unmittelbare Verbindung zu jener Musik mit, auf die sich die jüngeren Bläser bezogen. Der Herausgeber hebt seine Mitwirkung besonders hervor, weil Haig in dieser Phase vergleichsweise selten aufnahm. Für eine Sammlung ist das ein gewichtiger Aspekt. Hinter den beiden bekannten Namen des Covers verbirgt sich auch die Gelegenheit, einen wichtigen Pianisten in einem klar umrissenen Quintettzusammenhang der fünfziger Jahre zu entdecken.
Teddy Kotick am Kontrabass und Charlie Persip am Schlagzeug vervollständigen die Band. Alle fünf Musiker spielen auf allen sechs Titeln. Anders als bei manchen Prestige-Zusammenstellungen wechseln hier weder Bassist noch Schlagzeuger zwischen verschiedenen Sessions. Diese Beständigkeit schafft einen guten Rahmen, um die Reaktionen der Rhythmusgruppe auf Woods und Byrd zu verfolgen. Koticks Basslinien geben Richtung, Persips Schlagzeug gestaltet den zeitlichen Verlauf, und Haigs Klavier vermittelt zwischen harmonischem Gerüst und den Bewegungen der Solisten. Die Platte lässt sich deshalb ebenso als Gespräch einer ganzen Band hören wie als Begegnung zweier Bläser.

Vier Kompositionen von Woods zwischen Parker und „Lover Man“
Am Anfang steht Dewey Square, eine Komposition von Charlie Parker. Sie ist weder das Titelstück des Albums noch eine nachträglich erfundene Widmung. Mit dieser Eröffnung benennt die Platte einen musikalischen Bezugspunkt ganz konkret. Für das Hören ist es reizvoll, das Thema als gemeinsame Grundlage zu behalten und dann auf die Eigenarten von Alt und Trompete zu achten. Die Herkunft einer Sprache und ihre individuelle Verwendung müssen sich nicht ausschließen. Gerade das Nebeneinander kann den besonderen Charakter einer solchen Aufnahme ausmachen.
Es folgen Dupeltook und Once More, beide von Phil Woods. Auf der zweiten Seite setzen House of Chan und In Walked George diesen Schwerpunkt fort. Vier eigene Stücke unter sechs Titeln geben dem Album ein anderes Gewicht als eine reine Standardsession. Woods trägt nicht nur die Verantwortung für seine Soli, sondern bietet der Band einen großen Teil ihres Materials an. Wer ihn vor allem als virtuosen Altsaxofonisten kennt, begegnet hier deshalb auch dem Komponisten. Die Themen sind Ausgangspunkte gemeinsamer Arbeit, nicht lediglich Anlass, möglichst schnell zur nächsten Improvisation überzugehen.
Lover Man beschließt das Programm. Das Lied von Jimmy Davis, Ram Ramirez und James Sherman bringt nach den vier Woods-Stücken noch einmal eine bekannte Melodie ins Zentrum. Gerade ein solcher Abschluss lädt dazu ein, weniger auf die Menge der Noten als auf den Verlauf einer Phrase zu achten. Wie viel Gewicht erhält ein langer Ton? Wo wird die Melodie zusammengehalten, wo lässt sie Raum für eine persönliche Wendung? Das sind Fragen, die sich an beide Bläser richten lassen und die den Blick zugleich für Haigs Begleitung öffnen.
Die veröffentlichte Reihenfolge ist übrigens nicht die Reihenfolge der dokumentierten Studiomatrizen. Dewey Square und Dupeltook, die beiden Eröffnungsstücke, stehen in der Sessionliste am Ende. Schon die Zusammenstellung der LP formt also einen eigenen Weg durch das Material. Für Sammler lohnt der Vergleich mit George Wallingtons Jazz for the Carriage Trade, das im Januar desselben Jahres mit Woods, Byrd und Kotick entstand. Drei wiederkehrende Musiker finden sich dort unter einem anderen Leader und mit einer anderen Rhythmusgruppe. The Young Bloods gibt dieser Verbindung einige Monate später einen eigenen, konzentrierten Mittelpunkt.
Eine 33er-LP aus der Prestige-Mono-Reihe
Diese Ausgabe von Analogue Productions trägt die Katalognummer APRJ 7080. Sie enthält das Album auf einer Mono-LP mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray verantwortet die Bearbeitung und den Lackschnitt bei Cohearent Audio; der Herausgeber nennt die analogen Master als Ausgangsmaterial. Die aktuell geführte 180-Gramm-Ausgabe wird bei Quality Record Pressings gepresst. Damit sind Aufnahme, spätere Bearbeitung und Herstellung der Schallplatte klar voneinander zu unterscheiden: Rudy Van Gelder nahm die Band 1956 auf, Gray betreute die Wiederveröffentlichung.
Zur Ausstattung gehört eine hochglänzende Tip-on-Hülle von Stoughton. Die Präsentation greift die klassische Form einer Prestige-LP auf und gibt den beiden namensgebenden Musikern auch äußerlich ihren vertrauten Rahmen. Frühere 200-Gramm-Auflagen derselben Reihe sind Teil der Veröffentlichungsgeschichte; daraus folgt keine Zusage eines solchen Gewichts oder einer frühen Nummerierung für die heutige Ausgabe. Hier geht es um die als 180 Gramm geführte Mono-LP unter der genannten Katalognummer.
Die 33er-Aufteilung bewahrt zwei zusammenhängende Programmhälften mit je drei Stücken. Woods‘ eigene Kompositionen verbinden beide Seiten, während Parker am Anfang und Lover Man am Ende das Album rahmen. Für einen ruhigen Durchgang durch diese Quintettmusik ist das eine stimmige Form: ein Seitenwechsel, sechs vollständige Darbietungen und genügend Zeit, die gemeinsame Sprache der Band kennenzulernen. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Phil WoodsAltsaxofonMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Teddy KotickKontrabassMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Charlie PersipSchlagzeugMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Al HaigKlavierMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
- Donald ByrdTrompeteMitwirkung: A1, A2, A3, B1, B2, B3
Das Quintett spielt auf allen sechs Titeln; aufgenommen am 2. November 1956 in Hackensack.












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