Rubinstein und Reiner: zwei Persönlichkeiten, ein großer Bogen
Ein paar Klavierakkorde genügen, und Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert öffnet seine Welt. Noch bevor das Orchester seine erste große Melodie entfaltet, hat der Solist den Raum vorbereitet: durch Gewicht, Wiederholung und eine allmählich wachsende Spannung. Gerade dieser Beginn macht neugierig auf eine Begegnung wie die von Arthur Rubinstein und Fritz Reiner. Hier treffen ein Pianist mit einer lebenslangen Beziehung zur romantischen Klavierliteratur und ein Dirigent aufeinander, dessen Chicagoer Jahre zu den prägenden Kapiteln der RCA-Geschichte gehören. Die Aufnahme entstand am 9. Januar 1956 in der Orchestra Hall mit dem Chicago Symphony Orchestra.
Rubinstein war damals 68 Jahre alt, wenige Wochen vor seinem 69. Geburtstag. Hinter ihm lag längst eine internationale Laufbahn, die vom polnischen Łódź über sein Berliner Debüt als Dreizehnjähriger bis in die großen Konzertsäle der Welt geführt hatte. Sein Name wird besonders eng mit Chopin verbunden; gerade deshalb lohnt sich der Blick auf diesen Rachmaninoff. Das Konzert verlangt virtuose Kraft, aber auch die Fähigkeit, lange melodische Linien zusammenzuhalten. Es ist ein Werk für einen Pianisten, der nicht nur die einzelnen Höhepunkte, sondern das Verhältnis zwischen ihnen gestalten muss.
Reiner hatte die Leitung des Chicago Symphony Orchestra 1953 übernommen. Die gemeinsamen RCA-Aufnahmen begannen 1954, als stereofone Orchesteraufzeichnung noch ein junges Unternehmen war. Zum Rachmaninoff-Termin im Januar 1956 kamen also zwei Erfahrungen zusammen: Rubinsteins jahrzehntelange Arbeit am Konzertrepertoire und eine Orchesterpartnerschaft, die ihre eigene Geschichte gerade mit besonderer Intensität schrieb. Richard Mohr verantwortete die Produktion, Lewis Layton die Aufnahme. Diese Namen gehören zu dieser konkreten Sitzung und machen die Platte auch als Dokument früher amerikanischer Stereoproduktion interessant.
Eine schöne Ergänzung liefert der Kalender: Genau eine Woche später, am 16. Januar, nahmen Rubinstein, Reiner und das Chicagoer Orchester auch Rachmaninoffs Paganini-Rhapsodie auf. Sie ist auf dieser LP nicht enthalten. Die zeitliche Nachbarschaft zeigt aber, dass das zweite Konzert nicht als isoliertes Zusammentreffen entstand. Wer sich mit dieser Künstlerverbindung beschäftigt, entdeckt ein kleines Rachmaninoff-Kapitel innerhalb der umfangreichen Diskografien beider Musiker.

Ein Werk, das sich das Vertrauen zurückerobert
Hinter dem Klavierkonzert c-Moll op. 18 steht eine der bewegenden Entstehungsgeschichten der romantischen Musik. Nach dem Misserfolg seiner ersten Sinfonie 1897 geriet Rachmaninoff in eine schwere schöpferische Krise. Die Behandlung durch den Arzt Nikolai Dahl half ihm auf dem Weg zurück zur kompositorischen Arbeit; ihm widmete er das neue Konzert. Die mittleren und letzten Sätze entstanden zuerst und wurden vor der vollständigen Fassung aufgeführt. 1901 folgte das gesamte Werk mit Rachmaninoff am Klavier und seinem Cousin Alexander Siloti am Dirigentenpult.
Man muss daraus keine nachträgliche Lebensgeschichte jeder einzelnen Note machen. Als Hintergrund verändert dieses Wissen dennoch den Zugang. Der Beginn wirkt nicht wie eine beiläufige Einleitung, sondern wie ein bewusst gebauter Eintritt in ein großes musikalisches Gespräch. Der erste Satz trägt die Bezeichnung Moderato – Allegro. Solist und Orchester wechseln ihre Aufgaben; die Aufmerksamkeit kann von einer melodischen Stimme zur Bewegung darunter wandern. Das Klavier ist dabei nicht nur Vordergrund. Seine Figuren können die Melodie des Orchesters tragen, bevor es selbst wieder zum Erzähler wird.
Im Adagio sostenuto verschiebt sich das Verhältnis von Bewegung und Ruhe. Hier lohnt es sich, auf das Weitergeben der musikalischen Linie zu achten: Was übernimmt das Klavier, was setzt sich im Orchester fort, und wie bleibt ein Abschnitt lebendig, obwohl er sich Zeit nimmt? Solche Fragen führen näher an die Interpretation als ein allgemeines Versprechen von romantischer Wärme. Rubinstein und Reiner stehen vor derselben Aufgabe aus verschiedenen Richtungen. Der eine gestaltet innerhalb der Klavierstimme, der andere hält die Beziehungen zwischen den Instrumentengruppen zusammen.
Das Allegro scherzando bringt schließlich neue Bewegungsenergie in das Konzert. Seine großen melodischen Momente stehen innerhalb einer Form, die auch rhythmischen Nachdruck und schnelle Wechsel verlangt. Für den Hörer entsteht daraus ein schöner Zusammenhang: Nach dem tastenden Aufbau des Beginns und dem weiten Atem des langsamen Satzes muss das Finale zu einem wirklichen Abschluss finden. Die drei Sätze sind deshalb mehr als eine Folge berühmter Themen. Sie geben dem Konzert einen Weg, den man am besten als Ganzes verfolgt.

Living Stereo als musikalische Begegnung sammeln
Bei einer solchen Platte kann die berühmte Serienbezeichnung schnell alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch das eigentliche Sammlerinteresse beginnt mit der Besetzung. Rubinstein, Reiner und das Chicago Symphony Orchestra stehen hier in einem bestimmten Moment ihrer gemeinsamen Geschichte. Das Aufnahmejahr 1956 ist von der späteren Veröffentlichung der Stereo-LP zu unterscheiden. RCA führte sie unter LSC-2068; die Datierungen der frühen Veröffentlichung sind nicht überall einheitlich. Für die musikalische Einordnung ist der gesicherte Januartermin der Aufnahme der klarere Ausgangspunkt.
Wer Rubinstein vor allem aus Chopin-Aufnahmen kennt, erhält hier einen anderen Blick auf denselben Pianisten. Umgekehrt lässt sich Reiners Chicagoer Arbeit aus der Perspektive einer Solistenpartnerschaft betrachten. Bei sinfonischen Werken liegt die Aufmerksamkeit oft auf dem Orchester als Ganzem. Im Konzert muss es zugleich einen eigenen Charakter behalten und auf eine individuelle Klavierstimme reagieren. Genau dieser Wechsel zwischen gemeinsamem Vorwärtsgehen und gegenseitigem Raumgeben kann beim Hören zum roten Faden werden.
Eine hilfreiche Einladung ist, zunächst nur einem Übergang zu folgen. Wie entsteht nach einem Abschnitt der nächste? Wo übernimmt eine andere Stimme, ohne dass der musikalische Gedanke abreißt? Danach kann man denselben Satz mit Blick auf die rhythmische Bewegung hören. Rachmaninoffs Musik bietet dafür reichlich Gelegenheit, weil ihre großen Melodien mit einer oft sehr tätigen Begleitung verbunden sind. So erschließt sich die Platte auch dann neu, wenn das Konzert längst vertraut ist. Man braucht dazu weder eine Vergleichssammlung noch die Erwartung einer endgültig besten Interpretation.
Die einzelne LP mit 33⅓ Umdrehungen passt gut zu diesem Zugang. Sie hält das Konzert auf einem Tonträger zusammen und verlangt nur den üblichen Seitenwechsel. Gegenüber einer Aufteilung auf mehrere 45er-Seiten steht hier der längere musikalische Zusammenhang im Vordergrund. Das ist ein praktischer Vorzug beim wiederholten Hören eines dreisätzigen Werkes, keine automatische Aussage über klangliche Überlegenheit. Für eine Sammlung, in der Aufnahmen tatsächlich aufgelegt werden, ist diese Verbindung aus überschaubarem Format und gehaltvollem Programm sehr angenehm.
Die Analogue-Productions-Ausgabe AAPC 2068
Diese Ausgabe gehört zur zweiten RCA-Living-Stereo-Wiederveröffentlichungsreihe von Analogue Productions. Ryan K. Smith übernahm das Mastering und den Lackschnitt bei Sterling Sound. Der Herausgeber nennt die originalen Zweispur-Masterbänder als Ausgangsmaterial; gepresst wird bei Quality Record Pressings. Es handelt sich um eine Stereo-LP mit 33⅓ RPM. Die Angaben beziehen sich auf AAPC 2068 und sollten nicht mit technischen Daten einer SACD oder einer anderen Wiederveröffentlichung vermischt werden.
Zur Gestaltung gehört eine Stoughton-Tip-on-Hülle, die das historische Erscheinungsbild mit Living-Stereo-Schriftzug und dem bekannten RCA-Etikettenmotiv aufgreift. Solche Details machen eine Wiederveröffentlichung als Gegenstand nachvollziehbar: Man bekommt das Programm in einer Form, die sich erkennbar auf die ursprüngliche LP bezieht. Zugleich bleibt es eine moderne Analogue-Productions-Ausgabe. Eine Faksimile-Hülle verwandelt die neue Pressung nicht in eine historische Erstauflage.
Bei dieser Katalognummer existieren dokumentierte 200-Gramm- und spätere 180-Gramm-Pressungen; aktuell beschreibt der Herausgeber die LP mit 180 Gramm. Die genaue Gewichtsausführung eines einzelnen Exemplars lässt sich daraus nicht rückwirkend für jede Auflage ableiten. Entscheidender für die Identität sind das Werk, die Besetzung, die Stereoausgabe und der Ryan-K.-Smith-Schnitt. Wer gezielt eine bestimmte Pressungsvariante sammelt, sollte Hülle und Kennzeichnungen des jeweiligen Exemplars heranziehen.
Für den musikalischen Alltag ist der Kern einfacher: ein vollständiges Rachmaninoff-Konzert, eine bemerkenswerte Solisten-Dirigenten-Verbindung und eine sorgfältig bezeichnete analoge Wiederveröffentlichung. Die Platte lädt dazu ein, Rubinstein und Reiner nicht nur als berühmte Namen zu sammeln, sondern ihrem gemeinsamen Umgang mit einem der großen Klavierkonzerte Zeit zu geben.
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Künstlerseite: Alle Titel von Fritz Reiner
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Arthur RubinsteinKlavierMitwirkung: alle Sätze
- Fritz ReinerDirigentMitwirkung: alle Sätze
- Chicago Symphony OrchestraOrchesterMitwirkung: alle Sätze
Aufnahme: 9. Januar 1956, Orchestra Hall, Chicago. Produktion: Richard Mohr; Ton: Lewis Layton. AP-Lackschnitt: Ryan K. Smith, Sterling Sound; Pressung: Quality Record Pressings. Die Werkübersicht nennt die drei Sätze ohne ungesicherte LP-Seitengrenzen.









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