Der Anfang ist erst der Anfang
Die Eröffnung von Richard Strauss' Also sprach Zarathustra gehört zu den bekanntesten Momenten der Orchestermusik. Auf den tiefen Grundton folgt das aufsteigende Trompetenmotiv, bevor sich der volle Orchesterklang entfaltet. Die Tondichtung führt danach noch lange weiter. Wer nur die Fanfare kennt, entdeckt in der vollständigen Aufnahme ein Werk mit wechselnden Bewegungen, Solostimmen und einem ungewöhnlich offenen Schluss.
Fritz Reiner nimmt das Stück am 8. März 1954 mit dem Chicago Symphony Orchestra auf. Es ist seine erste Aufnahme mit diesem Orchester, entstanden während seines ersten Jahres als Musikdirektor. Der Ort ist die Orchestra Hall in Chicago. Produzent John Pfeiffer und Toningenieur Leslie Chase betreuen die Sitzung, die zu den frühen RCA-Stereoaufnahmen gehört.

Ein großes Werk mit vielen Einzelstimmen
Strauss komponierte die Tondichtung 1896, angeregt durch Friedrich Nietzsches Buch. Die Musik folgt keinem üblichen mehrsätzigen Sinfonieplan. Ihre Abschnitte gehen über weite Strecken ineinander über; Themen und Besetzungen verändern den Verlauf. Du kannst deshalb einem Motiv folgen oder die Aufmerksamkeit von einer Instrumentengruppe zur nächsten wandern lassen.
Die Trompete am Anfang spielt Bud Herseth, die Violinsoli übernimmt Konzertmeister John Weicher. Solche Einzelstimmen sind innerhalb der großen Besetzung wichtige Orientierungspunkte. Achte darauf, wie ein Instrument aus dem Ensemble hervortritt und später wieder darin aufgeht. Der Wechsel zwischen Solopassage und Gesamtklang gehört ebenso zur Form wie die bekannten Steigerungen.

Von 1954 bis zur Stereo-LP
RCA nahm damals Mono und Stereo mit getrennten Teams auf. Die Monoausgabe erschien bereits 1954, die Stereo-LP dieser Einspielung erst 1960. Die zeitliche Lücke erklärt, warum Aufnahmejahr und Veröffentlichungsjahr bei diesem Titel auseinanderliegen. 2011 wurde die Aufnahme in das National Recording Registry der Library of Congress aufgenommen.
Beim vollständigen Hören lohnt sich besonders der Weg zum Ende: Strauss führt die tonalen Spannungen nicht einfach in eine eindeutige Schlussgeste zurück. Damit entsteht ein Gegenpol zur großen Eröffnung. Die hier angebotene 45-RPM-Ausgabe verteilt den Verlauf auf vier Seiten. An den Übergängen wird ein- und ausgeblendet, teilweise mit überlappender Musik. Diese Unterbrechungen gehören zur konkreten LP-Fassung und verändern den durchgehenden Ablauf des Werks.
Diese Ausgabe
Analogue Productions AAPC 1806-45, RCA Living Stereo 45 RPM Series: zwei 180-Gramm-LPs in Stereo, gepresst bei Quality Record Pressings. Bernie Grundman wird für das Mastering und den 45-RPM-Schnitt genannt; als Quelle nennt der Herausgeber das Originalmasterband der Zweispuraufnahme. Zur Ausstattung gehört ein zweiteiliges Insert. Hier hörst du Reiners Aufnahme von 1954.
Auch in einer anderen Ausgabe: Richard Strauss: Also Sprach Zarathustra
Mehr von Fritz Reiner: Bartok: Concerto For Orchestra · Prokofiev: Lieutenant Kije / Stravinsky: Song of the Nightingale
Künstlerseite: Alle Titel von Fritz Reiner
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: RCA Living Stereo – alle 25 Titel, Dirigenten und Solisten
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Fritz Reiner | Dirigat |
| Chicago Symphony Orchestra | Orchester |
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Die große dynamische Spannweite dieser Living-Stereo-Ausgabe mit 45 RPM beeindruckt Michael besonders. Er beschreibt das Hören als atemberaubend und hebt zugleich die Schönheit der Aufführung hervor. Sein Lob bezieht sich hier auf die 45er; einen Vergleich mit der Ausgabe mit 33⅓ RPM stellt er nicht an.
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