Eine große Stimme im kleinen Kreis
Ein Sänger, vier Begleiter und zwölf Lieder: Dream With Dean braucht wenig, um eine eigene Welt entstehen zu lassen. Dean Martin lässt die Melodien atmen. Seine Stimme darf weich werden, ein Wort beinahe beiläufig behandeln und im nächsten Augenblick eine ganze Zeile tragen. Die Begleitung hält den Raum offen. Wer Martin vor allem mit großen Unterhaltungsshows verbindet, begegnet hier einem Sänger, dessen Wirkung aus der Nähe entsteht. Der Untertitel The Intimate Dean Martin beschreibt deshalb sehr genau, worauf dieses Album seine Aufmerksamkeit richtet.
Die 1964 bei Reprise erschienene Platte versammelt Standards, die bereits ein musikalisches Leben hinter sich hatten. Martin behandelt sie als vertraute Geschichten, die sich noch einmal anders erzählen lassen. „Blue Moon“, „Smile“ und „My Melancholy Baby“ bringen unterschiedliche Erinnerungen mit; seine Art zu singen verbindet sie. Dazu gehören das unaufgeregte Tempo einer Phrase, eine kleine Verzögerung vor einem wichtigen Wort und die Fähigkeit, eine Melodie selbstverständlich erscheinen zu lassen. Gerade in einer kleinen Besetzung fallen solche Entscheidungen auf, weil kein großes Arrangement die Aufmerksamkeit von ihnen abzieht.
Jimmy Bowen produzierte das Album, Eddie Brackett verantwortete die Tontechnik. Als Begleiter sind Ken Lane am Klavier, Barney Kessel an der Gitarre, Red Mitchell am Kontrabass und Irv Cottler am Schlagzeug dokumentiert. Diese vier Namen sind mehr als die Besetzung im Kleingedruckten. Sie erklären, weshalb das Konzept trägt: Das Quartett kann rhythmisch deutlich sein und zugleich zurückhaltend bleiben. Es schafft einen Rahmen, in dem Martin seine Zeilen platzieren kann, ohne dass jede Pause gefüllt werden muss.
Für den Einstieg lohnt es sich, den Titel des Albums wörtlich zu nehmen und sich auf seinen ruhigen Maßstab einzulassen. Hier entsteht Spannung innerhalb einer Melodie, im Verhältnis von Stimme und Begleitung und im Wechsel zwischen gesungenem Satz und instrumentaler Antwort. Zwölf kurze Stücke ergeben ein geschlossenes Programm. Seine Konzentration liegt darin, dass sich die musikalische Perspektive über die ganze Platte hinweg kaum vergrößern muss: Der kleine Kreis bietet genügend Raum für sehr unterschiedliche Gefühle.

Ken Lane und die Kunst des Begleitens
Ken Lane steht dieser Musik besonders nahe. Er ist Martins langjähriger Begleiter und zugleich gemeinsam mit Irving Taylor der Autor von „Everybody Loves Somebody“. Auf Dream With Dean sitzt also einer der beiden Komponisten selbst am Klavier, wenn Martin das Stück singt. Die hier enthaltene kleine Quartettfassung ist von der bekannteren, größer arrangierten Hitaufnahme zu unterscheiden. Gerade wer die erfolgreiche Single im Ohr hat, kann an dieser Version entdecken, wie viel von einem Lied erhalten bleibt, wenn sein Arrangement auf wenige Stimmen zurückgenommen wird.
Lanes Aufgabe reicht dabei weit über das Bereitstellen von Akkorden hinaus. Zwischen den Gesangszeilen kann das Klavier eine Bewegung aufnehmen, eine Wendung vorbereiten oder einen Gedanken stehen lassen. Für einen Sänger, dessen Vortrag so stark von der Platzierung der Worte abhängt, ist diese Reaktionsfähigkeit entscheidend. Als Hörzugang bietet sich an, zunächst nur auf den Abstand zwischen Stimme und Klavier zu achten. Wo setzt die Begleitung ein, wo zieht sie sich zurück, und wie verändert das die Wirkung des nächsten gesungenen Satzes?
Barney Kessels Gitarre ergänzt eine zweite harmonische Farbe. Ihr kürzerer Ton und ihre andere Artikulation unterscheiden sich vom Klavier; gerade dadurch können beide Instrumente auf engem Raum zusammenarbeiten. Red Mitchell verankert die Bewegung mit dem Kontrabass. Irv Cottler gibt ihr einen rhythmischen Rahmen, ohne das Format in Richtung einer großen Showbegleitung zu verschieben. Die Rollen bleiben unterscheidbar, auch wenn die Musiker hier gemeinsam dem Gesang dienen. Das Album lässt sich deshalb ebenso als Beispiel aufmerksamen Begleitens hören wie als Porträt eines berühmten Sängers.
Die Credits nennen dieses Quartett für das Album, ohne einen Wechsel der Besetzung auszuweisen. Daraus muss man keine Behauptung ableiten, jedes Instrument sei in jeder Sekunde gleich präsent. Interessanter ist das Zusammenspiel: Eine kleine Gruppe verfügt nur über wenige Klangfarben und kann gerade dadurch mit kleinen Veränderungen viel bewirken. Martin profitiert von einem Umfeld, das seine scheinbare Mühelosigkeit stützt. Was leicht wirkt, verlangt von den Begleitern ein genaues Gefühl für Gewicht, Platz und musikalische Geduld.

Vertraute Lieder mit unterschiedlichen Schattierungen
„I’m Confessin’ (That I Love You)“ eröffnet das Programm mit einem direkten Bekenntnis. Schon der Titel bietet Martin eine sprechende Haltung, aus der sich der Gesang entwickeln kann. „Fools Rush In“ setzt einen anderen Akzent: Hier liegt der Reiz im Wissen um die Unvernunft der Liebe und in der Bereitschaft, ihr trotzdem zu folgen. Mit „I’ll Buy That Dream“ endet die erste Seite dieser Ausgabe. Drei kurze Stücke genügen, um die Grundidee zu etablieren: bekannte Melodien, überschaubare Formen und ein Sänger, der ihre Worte persönlich erscheinen lässt.
Auf der zweiten Seite stehen „If You Were The Only Girl“, „Blue Moon“ und „Everybody Loves Somebody“. Gerade „Blue Moon“ eignet sich dazu, Martins Umgang mit einer vertrauten Melodielinie zu verfolgen. Man kennt den Weg des Liedes und kann deshalb umso genauer auf seine kleinen Abweichungen im Vortrag achten. „Everybody Loves Somebody“ erhält durch Ken Lanes Beteiligung eine besondere Nähe zum Entstehungskern des Songs. Die Quartettfassung ist ein eigenständiger Teil der Albumgeschichte und kein bloßer Ersatz für die spätere Erinnerung an den großen Hit.
„I Don’t Know Why“, „Gimme A Little Kiss“ und „Hands Across The Table“ bilden die dritte Seite. Ihre Titel bewegen sich zwischen ratloser Zuneigung, einer kleinen Bitte und einem Bild körperlicher Nähe. Diese Unterschiede verhindern, dass der zurückgenommene Rahmen nur eine einzige Stimmung festschreibt. Martin kann eine Zeile mit Humor behandeln und kurz darauf einen empfindlicheren Ton anschlagen. Die Begleitung muss dafür ihre Größe nicht verändern; eine andere Betonung und eine andere musikalische Antwort reichen aus, um den Blickwinkel zu verschieben.
Die letzte Seite verbindet „Smile“, „My Melancholy Baby“ und „Baby Won’t You Please Come Home“. Hinter „Smile“ steht Charlie Chaplins Melodie mit dem später hinzugefügten Text von John Turner und Geoffrey Parsons. Die Aufforderung zum Lächeln trägt Traurigkeit bereits in sich. Im Zusammenhang dieser Platte wirkt sie deshalb besonders passend: Der gelassene Vortrag schließt Verletzlichkeit ein. Mit den beiden folgenden Standards bleibt das Programm bis zum Schluss im vertrauten kleinen Rahmen. Ein zweiter Durchgang kann dann ganz den Begleitern gelten, deren Zurückhaltung beim ersten Hören leicht als Selbstverständlichkeit erscheint.
Analogue Productions auf zwei 45er-LPs
Die hier angebotene Ausgabe trägt die Katalognummer AAPP 076-45. Analogue Productions verteilt das zwölfteilige Originalprogramm auf zwei Stereo-LPs mit 45 Umdrehungen pro Minute. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound; der Herausgeber nennt die analogen Bänder als Quelle. Matrizenherstellung und Pressung liegen bei Quality Record Pressings. Die beiden Platten stecken in einem aufwendig gefertigten Stoughton-Tip-on-Klappcover. Damit sind die wesentlichen Merkmale dieser konkreten Vinyl-Ausgabe klar benannt.
Jeweils drei Titel bilden eine Seite. Für den vollständigen Albumdurchgang bedeutet das zusätzliche Seitenwechsel gegenüber einer einzelnen LP, zugleich aber vier überschaubare Abschnitte. Die Reihenfolge bleibt erhalten: von „I’m Confessin’“ über die kleine Fassung von „Everybody Loves Somebody“ bis zu „Baby Won’t You Please Come Home“. Die 45er-Aufteilung ergänzt keine Bonustitel und stellt das Album nicht neu zusammen. Sie gibt dem vorhandenen Programm einen anderen physischen Rahmen, dessen Handhabung zum Hören dieser Ausgabe dazugehört.
Bei diesem Titel existieren unterschiedlich dokumentierte Pressungsgewichte. Die aktuelle Herausgeberseite nennt 180 Gramm, während die ältere, in Discogs erfasste Ausgabe mit 200 Gramm beschrieben wird. Für die genaue Charge ist deshalb die konkrete Produktkennzeichnung maßgeblich; die musikalische und technische Beschreibung hier setzt kein ungeprüftes Gewicht voraus. Ebenso werden aus Rezensionen älterer Exemplare keine Eigenschaften der aktuell gelieferten Platte abgeleitet. Das Angebot betrifft die Doppel-LP mit 45 RPM, nicht die separat veröffentlichte Hybrid-SACD.
Wer Dean Martin in einem konzentrierten musikalischen Rahmen hören möchte, findet hier ein Album, bei dem die Begleiter ebenso bewusst gewählt sind wie die Songs. Die Verbindung aus Stimme, Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug gibt den vertrauten Melodien ein gemeinsames Zuhause. Dream With Dean lädt dazu ein, auf die kleinen Dinge zu achten: einen zurückgenommenen Akzent, eine Antwort der Gitarre oder den Moment, in dem ein gesungener Satz noch nachwirkt, obwohl die nächste Zeile bereits beginnt.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Dean MartinPorträtvorlage: 1960GesangMitwirkung: Gesang auf allen zwölf Titeln
- Ken LaneKlavierMitwirkung: Album-Begleitung; Mitkomponist von B3
- Barney KesselPorträtvorlage: 1957GitarreMitwirkung: Quartettbegleitung des Albums
- Red MitchellPorträtvorlage: 1957KontrabassMitwirkung: Quartettbegleitung des Albums
- Irv CottlerSchlagzeugMitwirkung: Quartettbegleitung des Albums
Jimmy Bowen: Produktion; Eddie Brackett: Ton; Stan Cornyn: Hülltext. Album 1964 bei Reprise. Quartettbegleitung albumbezogen dokumentiert; kein gesichertes Aufnahmedatum. Ryan K. Smith / Sterling Sound: Mastering. Aktueller Herausgeber 180 g, ältere dokumentierte Pressung 200 g; konkrete Lagercharge offen.










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