Vier Januartage mit Billie Holiday
Los Angeles, Januar 1957: Billie Holiday nimmt im Capitol Tower mit einer kleinen, erfahrenen Besetzung auf. Aus dieser größeren Sessionreihe stellt Norman Granz mehrere Alben zusammen. Die acht Titel von Body And Soul stammen vom 3., 4., 7. und 9. Januar. Es ist also kein einzelner abgeschlossener Studioabend, sondern eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl aus mehreren Begegnungen derselben musikalischen Gemeinschaft.
Harry „Sweets“ Edison und Ben Webster stehen Holiday als Bläser zur Seite, Jimmy Rowles, Barney Kessel und Red Mitchell bilden den Kern der Rhythmusgruppe. Diese Namen machen neugierig auf das Verhältnis zwischen Gesang und Begleitung. Eine vertraute Melodie kann hier Anlass sein, auf etwas Kleineres zu achten: den Einsatz einer Stimme, die Länge einer Pause, die Antwort eines Instruments.

Vertraute Lieder, persönliche Entscheidungen
Drei Lieder der Gershwin-Brüder ziehen sich durch das Programm: „They Can’t Take That Away From Me“, „Let’s Call The Whole Thing Off“ und „Embraceable You“. Dazu kommen unter anderem „Darn That Dream“, „Comes Love“ und das Titelstück. Die Auswahl lädt ein, weniger nach Neuheit des Materials zu fragen als nach dem, was eine Interpretin daraus macht.
Bei Holiday ist es besonders lohnend, der Gestaltung einer Zeile zu folgen, ohne das Lied auf eine große dramatische Geste zu reduzieren. Wo setzt sie an, wo lässt sie eine Phrase stehen? Webster am Tenorsaxofon und Edison an der Trompete bieten dafür eigene Bezugspunkte. Wer die Standards längst kennt, bringt seine Erinnerung mit – und kann gerade dadurch auf kleine Verschiebungen aufmerksam werden.

Zwei Schlagzeuger, klar zugeordnet
Alvin Stoller und Larry Bunker teilen sich die acht Titel. Stoller spielt auf „Body And Soul“, „Darn That Dream“, „Comes Love“ und „Moonlight In Vermont“. Bunker ist auf den übrigen vier Stücken zu hören, die alle am 9. Januar entstanden. Die anderen sechs Musiker bleiben in der dokumentierten Besetzung gleich. Unsere Liste macht diesen Wechsel sichtbar, statt beide Schlagzeuger pauschal jedem Titel zuzuordnen.
Auch Red Mitchell gehört ausdrücklich dazu. Er ist in der Sessiondiskografie für die Aufnahmen dieser LP verzeichnet, obwohl manche zusammengefassten Credits ihn auslassen. Solche Details sind keine Nebensache: Sie geben den Menschen hinter einer Aufnahme ihren Platz und helfen, ein geliebtes Album über den großen Namen auf dem Cover hinaus kennenzulernen.
Mono in der Acoustic Sounds Series
Hier angeboten wird die 2024 erschienene Verve-Acoustic-Sounds-Series-Ausgabe: eine 180-Gramm-LP mit 33⅓ RPM in Mono. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound; gepresst wurde bei Quality Record Pressings. Das Tip-on-Klappcover stammt von Stoughton. Als Quelle nennt der Herausgeber die ursprünglichen analogen Bänder, ohne die genaue Bandgeneration näher festzulegen.
Diese Fassung enthält die acht Originaltitel, keine späteren Bonustakes. Sie ist von der separaten Analogue-Productions-Doppel-LP mit 45 RPM zu unterscheiden. Mono ist hier Teil der Identität der Aufnahme. Die Einladung bleibt schlicht: beide Seiten auflegen, die bekannten Lieder wiederhören und der Zusammenarbeit zwischen Holiday und ihren Begleitern genügend Aufmerksamkeit schenken.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
Mehr aus der Reihe: Verve (Acoustic Sounds Series)
Mehr von Billie Holiday: Songs For Distingue Lovers · All Or Nothing At All
Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Billie HolidayGesangMitwirkung: Album-Besetzung
- Harry „Sweets“ EdisonTrompeteMitwirkung: Album-Besetzung
- Ben WebsterTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Jimmy RowlesKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Barney KesselGitarreMitwirkung: Album-Besetzung
- Red MitchellBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Alvin StollerSchlagzeugMitwirkung: A1, A3, B1, B4
- Larry BunkerSchlagzeugMitwirkung: A2, A4, B2, B3
Produktion/Supervision: Norman Granz. Alvin Stoller: A1, A3, B1, B4. Larry Bunker: A2, A4, B2, B3. Red Mitchell ist durch die Sessiondiskografie belegt. Spielzeiten stammen aus einer Referenzausgabe, nicht aus einer Messung dieser Pressung.














Rezensionen
Es gibt noch keine Rezensionen.