Ein Song findet seine Band
Manchmal erklärt eine zweite Aufnahme mehr über eine Band als ein ganzes Interview. „Willin’“ stand schon auf Little Feats Debüt. Auf Sailin’ Shoes von 1972 kehrt das Stück zurück: als neu eingespielter Bandsong, in dem die Geschichte eines Fahrers ihren eigenen, gelassenen Erzählfluss bekommt. Dass Little Feat dafür einen bereits veröffentlichten Titel noch einmal aufnahmen, passt zu dieser Platte. Hier entwickeln vier Musiker eine gemeinsame Sprache, in der Country, Blues und Rock ineinandergreifen.
Lowell George, Bill Payne, Roy Estrada und Richie Hayward bilden noch die ursprüngliche Viererbesetzung. George bringt Gesang und Gitarre ein, Payne die Tasteninstrumente; Estradas Bass und Haywards Schlagzeug halten die wechselnden Bewegungen zusammen. Der stärker von New-Orleans-Funk geprägte Sechserverbund von Dixie Chicken folgt erst danach. Sailin’ Shoes zeigt den Moment davor: konzentrierter besetzt, aber bereits mit erstaunlich vielen musikalischen Möglichkeiten.

Zwischen Boogie und offener Straße
„Easy to Slip“ setzt einen unmittelbaren Auftakt. Bei „Tripe Face Boogie“, geschrieben von Payne und Hayward, rückt die rhythmische Mechanik der Band in den Mittelpunkt. „Trouble“ und „Willin’“ geben dagegen den Melodien mehr Zeit. Diese Wechsel machen aus den elf Titeln eine Folge unterschiedlicher Perspektiven. Die Platte braucht keine lange Spielzeit, um ein eigenes Milieu entstehen zu lassen.
Gerade „Willin’“ lohnt Aufmerksamkeit für die Instrumente um den Gesang. Sneaky Pete Kleinows Pedal Steel gehört zu den zusätzlichen Farben des Albums; auch auf „Texas Rose Cafe“ wirkt er mit. Ihre gleitenden Übergänge und Paynes Tasteninstrumente eröffnen eine andere Art von Bewegung als ein durchgehendes Gitarrenriff. Hör darauf, wie eine kleine Antwort zwischen zwei Gesangszeilen die Geschichte weitertragen kann.

Namen auf dem Etikett, Bilder im Kopf
Hinter dem Mitautor „Fred Martin“ bei „Easy to Slip“ steckt Martin Kibbee, ein früherer Weggefährte Georges aus The Factory. Die Autorenzeile George/Martin führt später auch zu „Dixie Chicken“. Schon hier lässt sich deshalb eine Verbindung verfolgen, die über die Besetzungswechsel hinweg Bestand hat. Payne ist zudem mit eigenen Kompositionen wie „Got No Shadow“ und „Cat Fever“ vertreten. Die Platte gewinnt gerade daraus, dass George ihre Persönlichkeit prägt, ohne jede musikalische Idee allein zu liefern.
Auch optisch beginnt etwas Dauerhaftes: Sailin’ Shoes ist Neon Parks erste Coverarbeit für Little Feat. Seine absurde Bildwelt passt zu Songs, die alltägliche Erfahrungen und sonderbare Figuren dicht nebeneinanderstellen. Produziert wurde das Album von Ted Templeman. In der weiteren Entwicklung übernahm George diese Verantwortung selbst. So steht die zweite Little-Feat-LP an einer doppelten Schwelle: Die eigene Bildsprache ist gefunden, die nächste musikalische Besetzung noch nicht da.
Diese Ausgabe
Die Analogue-Productions-Ausgabe AAPR 015-45 gehört zur Acoustic Sounds 40 Series. Die elf Albumtitel sind auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 U/min verteilt. Acoustic Sounds nennt Matthew Lutthans bei The Mastering Lab für den Schnitt vom originalen Masterband, Quality Record Pressings als Presswerk und ein Tip-On-Klappcover von Stoughton Printing.
Auch als SACD: Sailin’ Shoes
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Lowell George | Baritonsaxofon, Begleitgesang, Leadgesang, Mundharmonika, Gitarre |
| Bill Payne | Begleitgesang, E-Piano, Leadgesang, Akkordeon, Klavier, Orgel |
| Roy Estrada | Begleitgesang, Bass |
| Richie Hayward | Begleitgesang, Perkussion, Schlagzeug |







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