Bevor die Platte einen König bekam
Als diese Aufnahmen 1954 auf Norgran erschienen, hieß das Album The Consummate Artistry of Ben Webster. Erst später wurde daraus im Verve-Katalog King of the Tenors. Der bekannte Titel blickt also auf eine Platte zurück, deren Geschichte früher beginnt: bei Norman Granz, seinem Label Norgran und zwei Aufnahmesituationen des Jahres 1953.
In New York spielen Oscar Peterson, Barney Kessel, Ray Brown und J. C. Heard mit Webster. Bei der Sitzung in Los Angeles kommen Harry „Sweets“ Edison an der Trompete und Benny Carter am Altsaxofon hinzu; Herb Ellis übernimmt die Gitarre und Alvin Stoller das Schlagzeug. Das Album verbindet dadurch eine kleinere Besetzung mit einer um zwei Bläser erweiterten Gruppe.

„Cottontail“ als Wiederbegegnung
„Cottontail“ führt unmittelbar in Websters Vergangenheit bei Duke Ellington. Auf der berühmten Aufnahme von 1940 war sein Tenorsolo ein entscheidender Bestandteil. Dreizehn Jahre später greift er das Stück als Bandleader erneut auf. Ein Titel im Programm ist damit zugleich eine Verbindung zu einem früheren Abschnitt seines musikalischen Lebens.
Auch „Don’t Get Around Much Anymore“ stammt aus dem Ellington-Repertoire. Daneben stehen „Danny Boy“, „Tenderly“ und „That’s All“. Für einen Zugang zur Platte bietet sich der Wechsel zwischen diesen Stücken an: Welche Anforderungen stellt eine vertraute Liedmelodie an die Gestaltung einer Phrase, welche ein Stück wie „Cottontail“? Du kannst dabei auf den Tonbeginn, das Ausklingen und die Länge der Pausen achten. Die Auswahl gibt Webster unterschiedliche Aufgaben, statt nur eine einzige Facette seines Spiels vorzuführen.

Peterson bleibt, die Besetzung wechselt
Oscar Peterson und Ray Brown verbinden die beiden Sitzungen. Um sie herum verändern sich Gitarre, Schlagzeug und Bläserzahl. Besonders die Los-Angeles-Aufnahmen vom Dezember 1953 erweitern die Möglichkeiten: Mit Sweets Edison und Benny Carter treten Trompete und Alt neben Websters Tenor. Das verändert die Zahl der Stimmen, die du innerhalb eines Stücks verfolgen kannst.
Benny Carter war nicht nur Saxofonist, sondern auch Arrangeur und Bandleader. Ihn hier in einer kleinen Gruppe zu hören, rückt die einzelne musikalische Geste in den Mittelpunkt. Achte darauf, wie sich eine Bläserphrase zur Begleitung verhält, und wechsle dann bewusst zum Klavier. Petersons wiederkehrende Präsenz schafft einen Bezugspunkt über beide Besetzungen hinweg. So lässt sich das Album auch als Sammlung unterschiedlicher Begegnungen hören: Webster im kleineren Kreis und Webster mit weiteren Bläsern, verbunden durch ein Repertoire, das Standards und seine Ellington-Geschichte zusammenbringt.
Die Mono-LP von Verve
AVER 77261 ist die 180-Gramm-Mono-LP mit 33⅓ RPM der Acoustic Sounds Series. Matthew Lutthans übernahm das Mastering bei The Mastering Lab; Acoustic Sounds nennt das originale analoge Masterband als Quelle. Die Pressung stammt von Quality Record Pressings, die Tip-On-Klapphülle von Stoughton. Die acht Titel verteilen sich auf zwei Seiten. Der Verve-Name gehört zur heutigen Ausgabe und zur späteren Wiederveröffentlichung; das ursprüngliche Album von 1954 erschien auf Norgran.
Michael 45 lagert die Platte in Deutschland und versendet sie aus Hilden, wodurch ein eigener Import aus den Vereinigten Staaten samt der damit verbundenen Wartezeit beim Zoll entfällt.
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Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Ben Webster | Tenorsaxofon |
| Benny Carter | Altsaxofon |
| Harry Edison | Trompete |
| Oscar Peterson | Klavier |
| Barney Kessel | Gitarre |
| Herb Ellis | Gitarre |
| Ray Brown | Kontrabass |
| Alvin Stoller | Schlagzeug |
| J. C. Heard | Schlagzeug |
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