Ein Oktobertag für fünf Musiker
Am 15. Oktober 1957 treffen Ben Webster, Oscar Peterson, Herb Ellis, Ray Brown und Stan Levey in Los Angeles für eine Aufnahme unter Norman Granz’ Leitung zusammen. Daraus entsteht Soulville: zwei Eigenkompositionen Websters und fünf Standards, gespielt von einem Quintett, dessen Namen allein schon viel Jazzgeschichte verbinden. Dennoch lässt sich die Platte ohne Stammbaum genießen. Ein Tenorsaxofon begegnet Klavier, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug; die Besetzung ist überschaubar genug, um jedem Beteiligten folgen zu können, und offen genug für immer neue Beziehungen.
Webster bringt die Erfahrung eines großen Swing-Saxofonisten mit, einschließlich seiner prägenden Zeit im Orchester Duke Ellingtons. Peterson, Ellis und Brown kennen einander als eingespieltes Trio. Mit Levey am Schlagzeug entsteht daraus die Rhythmusgruppe dieser Session. Die Zusammenstellung folgt Granz’ Interesse, starke individuelle Stimmen in einen gemeinsamen musikalischen Zusammenhang zu bringen. Es geht nicht darum, fünf berühmte Namen lediglich nebeneinander aufzulisten, sondern darum, was sie miteinander anfangen.
Für die zeitliche Einordnung ist der Aufnahmetag der sichere Anker. In Veröffentlichungsdaten begegnen sowohl 1957 als auch 1958; Sessionjahr und Datierung der ursprünglichen LP werden nicht überall sauber getrennt. Die Musik dieser Ausgabe gehört jedenfalls zu jener Sitzung im Oktober 1957. Die hier angebotene Neuauflage hat wiederum ihre eigene Geschichte, die deutlich später beginnt.

Ein Quintett mit Platz für jeden
Websters Tenorsaxofon steht im Mittelpunkt, doch die anderen vier Musiker sind mehr als ein neutraler Hintergrund. Petersons Klavier und Ellis’ Gitarre können Harmonie unterschiedlich gewichten, einzelne Linien beantworten oder rhythmische Akzente setzen. Brown und Levey geben dem Verlauf Halt, ohne dass daraus eine starre Aufteilung in Solist und Begleitung entstehen muss. Gerade die doppelte harmonische Besetzung mit Klavier und Gitarre macht es interessant, auf das Verhältnis zwischen Fülle und Zurückhaltung zu achten.
Ein guter Zugang ist, bei einem Stück zunächst Webster zu folgen und beim nächsten bewusst Ellis oder Brown in den Mittelpunkt zu stellen. Wann wird eine Phrase aufgegriffen, wann lassen die Musiker sie stehen? Wie verändert sich der Eindruck einer Melodie, wenn man zugleich den Bassverlauf verfolgt? Solche Fragen brauchen keine technische Vorbildung. Sie helfen, bekannte Standards als konkrete Begegnungen zwischen Menschen zu hören, nicht als bloße Titel in einem Repertoire.
Die fünf Musiker sind für das Originalprogramm dieser LP dokumentiert. Webster spielt hier Tenorsaxofon. Klavierstücke mit ihm, die auf erweiterten Ausgaben auftauchen, gehören nicht zu diesen sieben Titeln. Diese Abgrenzung ist für Sammler besonders nützlich: Eine längere digitale Tracklist beschreibt nicht automatisch mehr Inhalt auf der vorliegenden Platte. Peterson ist der Pianist des hier präsentierten Quintetts, und die Musikerübersicht hält genau diese Besetzung fest.

Zwei eigene Stücke, fünf vertraute Melodien
„Soulville“ und „Late Date“ eröffnen die erste Seite als Webster-Kompositionen. Das gibt dem Album einen persönlichen Ausgangspunkt, bevor „Time on My Hands“ den Blick auf das Standardrepertoire erweitert. Schon die Programmgestaltung erzählt etwas über den Musiker: eigene Stücke und übernommene Melodien werden nicht als Gegensätze behandelt. Beides kann Ausgangspunkt für eine individuelle Aussage sein, wenn Phrasierung, Rhythmus und die Antworten der Mitspieler zusammenkommen.
Die zweite Seite führt mit „Lover Come Back to Me“, „Where Are You“, „Makin’ Whoopee“ und „Ill Wind“ durch weitere bekannte Songformen. Der Reiz liegt nicht allein darin, eine Melodie wiederzuerkennen. Gerade bei Standards lässt sich verfolgen, wie Musiker vertrautes Material zeitlich gliedern: wo eine Linie Luft bekommt, wo sie weiterdrängt und wann ein Begleiter eine neue Möglichkeit anbietet. Dafür ist die überschaubare Besetzung ein Vorteil. Einzelne Beiträge bleiben unterscheidbar, ohne dass das gemeinsame Ganze aus dem Blick gerät.
Die Reihenfolge der sieben Titel verdient ebenso Aufmerksamkeit wie einzelne Soli. Sie führt von Websters eigenen Stücken zu einem Repertoire, das viele Musiker vor und nach ihm beschäftigt hat. Wer mehrere Aufnahmen dieser Songs besitzt, muss sie nicht sofort in eine Rangfolge bringen. Die Unterschiede können selbst das Vergnügen sein: dieselbe Komposition als Anlass für verschiedene musikalische Entscheidungen. Soulville bietet dafür einen klar umrissenen Ort und eine besonders interessante Gruppe von Gesprächspartnern.
Die Mono-LP der Acoustic Sounds Series
Diese Ausgabe trägt die Katalognummer AVER 40051 und gehört zur Verve Acoustic Sounds Series. Es handelt sich um eine 180-Gramm-Mono-LP mit 33⅓ RPM, veröffentlicht als Neuauflage 2024. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound; als Quelle nennt der Herausgeber die originalen analogen Bänder. Gepresst wird bei Quality Record Pressings. Das Tip-on-Klappcover stammt von Stoughton Printing.
Damit ist die Ausgabe von der separaten Analogue-Productions-Doppel-LP mit 45 RPM und von der Hybrid-SACD zu unterscheiden. Hier stehen die sieben ursprünglichen Albumtitel auf zwei Plattenseiten, ohne die Klavier-Bonustitel erweiterter Fassungen. Auch ein Masteringcredit einer anderen Veröffentlichung lässt sich nicht einfach übertragen. Für diese Fassung ist Ryan K. Smith der dokumentierte Name. Aufnahme und Neuauflage bleiben so klar verbunden, aber nicht verwechselt: ein Quintett aus dem Oktober 1957, in einer genau bezeichneten Mono-Ausgabe für die heutige Sammlung.
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Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Ben WebsterTenorsaxofonMitwirkung: Alle sieben Albumtitel
- Oscar PetersonKlavierMitwirkung: Alle sieben Albumtitel
- Herb EllisGitarreMitwirkung: Alle sieben Albumtitel
- Ray BrownKontrabassMitwirkung: Alle sieben Albumtitel
- Stan LeveySchlagzeugMitwirkung: Alle sieben Albumtitel
Quintett der sieben Originaltitel. Klavier-Bonustracks anderer Ausgaben gehören nicht zu dieser LP.












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