Eine Erinnerung an King Oliver
Mit Satchmo Plays King Oliver blickte Louis Armstrong auf einen Musiker zurück, der seinen Weg entscheidend geprägt hatte. Joe „King“ Oliver war in New Orleans sein Mentor gewesen und hatte ihn 1922 nach Chicago in die Creole Jazz Band geholt. Dort spielte Armstrong als zweiter Kornettist, bevor er selbst zu einer prägenden Gestalt des Jazz wurde. Das 1959 aufgenommene Album ist eine spätere Würdigung dieser Verbindung. Armstrong begegnet dem älteren Repertoire mit seinen damaligen All Stars und aus der Perspektive einer inzwischen jahrzehntelangen eigenen Laufbahn.
Die Aufnahmen entstanden Ende September und Anfang Oktober 1959 bei Radio Recorders in Hollywood. Audio Fidelity veröffentlichte das Album 1960. Neben Armstrong an Trompete und Gesang spielen Trummy Young Posaune, Peanuts Hucko Klarinette, Billy Kyle Klavier, Mort Herbert Kontrabass und Danny Barcelona Schlagzeug. Produzent Sidney Frey brachte diese Gruppe für ein Programm mit zwölf Titeln ins Studio. Es handelt sich um neue Aufnahmen der damaligen Band, keine Zusammenstellung alter Schellackseiten aus Armstrongs Zeit mit Oliver. Genau diese zeitliche Distanz gehört zum Charakter der Hommage.

Die All Stars von 1959
Die Besetzung verbindet Armstrong mit Musikern, die seine Arbeit in diesen Jahren unmittelbar begleiteten. Youngs Posaune und Huckos Klarinette ergänzen die Trompete als weitere Bläserstimmen; Kyle, Herbert und Barcelona bilden den übrigen instrumentalen Rahmen. Die Namen beschreiben ein bestimmtes Stadium der All Stars, deren Mitglieder über die Jahre wechselten. Das Album hält diese konkrete Gruppe fest. Wer Armstrongs Aufnahmen aus unterschiedlichen Jahrzehnten kennt, kann hier verfolgen, wie ältere Titel in einer späteren Besetzung erneut zum gemeinsamen Repertoire werden.
Eine besondere Ausnahme im Programm ist „Frankie And Johnny“. Die Sessionangaben führen dafür Armstrong und Billy Kyle, während die übrigen Musiker nicht mitspielen. Dieser kleinere Rahmen unterbricht die Besetzung des Albums auf eine klar dokumentierte Weise. Auch sonst lohnt es sich, die Titel nicht einfach als einheitliches Traditionsprogramm zu behandeln. Armstrongs Gesang und Trompete bringen unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten mit, und die einzelnen Songs haben eigene Vorgeschichten. Die Musikerliste macht die Beteiligung nachvollziehbar, ohne jeden Albumcredit pauschal auf sämtliche Stücke zu übertragen.

Eine Brücke zu den ersten Platten
„Chimes Blues“ beschließt das Album und führt besonders weit zurück. Das Stück gehört zu den Aufnahmen von King Olivers Band aus dem April 1923, an denen der junge Armstrong beteiligt war. Seine Rückkehr zu dieser Musik mehr als drei Jahrzehnte später gibt der Widmung einen konkreten Bezugspunkt. Daneben stehen Titel wie „Dr. Jazz“, „Panama“, „Jelly Roll Blues“ und „Drop That Sack“. Das Programm versammelt damit Musik aus einem historischen Umfeld, das Armstrong nicht nur aus Überlieferung kannte, sondern selbst mitgestaltet hatte.
„St. James Infirmary“ eröffnet die erste Seite, „I Ain’t Got Nobody“ folgt an dritter Stelle. Gerade diese beiden Titel wurden später auch als eigene 45-RPM-Veröffentlichung gekoppelt. Auf der hier vorgestellten LP stehen sie jedoch innerhalb des vollständigen Zwölf-Titel-Programms. Die Abfolge reicht vom eröffnenden „St. James Infirmary“ bis zu „Chimes Blues“ und lässt die Hommage als Ganzes erleben. Der Albumtitel bezeichnet dabei eine Würdigung King Olivers; er bedeutet nicht, dass jeder einzelne Song ausschließlich von Oliver komponiert wurde.
Das vollständige Album mit 33⅓ Umdrehungen
AAPJ 5930 ist die Einzel-LP mit 33⅓ Umdrehungen von Analogue Productions. Bernie Grundman verantwortet das Mastering. Der Herausgeber nennt die originalen analogen Bänder als Quelle sowie Quality Record Pressings für Galvanik und Pressung. Die Ausgabe umfasst alle zwölf Titel des Albums in Stereo. Sie ist ausdrücklich von der 45er mit dem Zusatz „-45“ zu unterscheiden, die nur zwei Stücke enthält. Wer die vollständige Folge sucht, findet sie in dieser 33er-Fassung auf zwei Plattenseiten.
Zur Ausstattung gehört eine Tip-on-Hülle von Stoughton Printing. Unter derselben Katalognummer sind eine frühere 200-Gramm-Pressung und eine spätere 180-Gramm-Ausführung dokumentiert; das Gewicht allein lässt sich deshalb aus der Nummer nicht ableiten. Die musikalische Auswahl bleibt davon unberührt. Satchmo Plays King Oliver verbindet Armstrongs Erinnerung an seinen Mentor mit seiner eigenen Gegenwart von 1959: ein Studioalbum der damaligen All Stars, dessen zwölf Titel den Weg von einer frühen Jazzgeschichte zu einem späteren, persönlich geprägten Rückblick öffnen.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Louis Armstrong | Trompete, Gesang | Album-Besetzung |
| Trummy Young | Posaune | A1, A2, A3, A4, A5, A6, B2, B3, B4, B5, B6 |
| Peanuts Hucko | Klarinette | A1, A2, A3, A4, A5, A6, B2, B3, B4, B5, B6 |
| Billy Kyle | Klavier | Album-Besetzung |
| Mort Herbert | Kontrabass | A1, A2, A3, A4, A5, A6, B2, B3, B4, B5, B6 |
| Danny Barcelona | Schlagzeug | A1, A2, A3, A4, A5, A6, B2, B3, B4, B5, B6 |
B1 Frankie And Johnny: Armstrong und Billy Kyle. Die übrigen Titel mit den genannten All Stars.








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