Eine Stimme, zwei Instrumente und ein zweiter Anfang
Julie Is Her Name, Volume II nimmt eine scheinbar einfache Idee ernst: Eine Sängerin, eine Gitarre und ein Kontrabass reichen aus, um zwölf Songs mit unterschiedlichen Temperamenten zu erzählen. Julie London kehrte 1958 zu dieser kleinen Besetzung zurück, doch der zweite Band wiederholt nicht einfach die personelle Konstellation des ersten. Howard Roberts spielt Gitarre, Red Mitchell Kontrabass. Barney Kessel und Ray Leatherwood, die mit dem ersten Album verbunden sind, gehören nicht zu dieser Aufnahme. Diese Unterscheidung ist wesentlich, denn gerade bei drei Beteiligten verändert jeder Wechsel das gesamte Verhältnis der Stimmen.
Die Sessions fanden im Juli 1958 in den Liberty Studios in Hollywood statt. Bobby Troup produzierte, Ted Keep betreute die Aufnahmetechnik. Das Album erschien im August 1958 bei Liberty, in Mono als LRP-3100 und in Stereo als LST-7100. Die hier angebotene Analogue-Productions-Ausgabe greift die Stereo-Fassung auf. Aufnahmejahr, ursprüngliche Veröffentlichung und spätere Wiederveröffentlichung sind damit klar voneinander zu unterscheiden, auch wenn der vertraute Titel zunächst wie eine bloße Fortsetzung wirkt.
Die kleine Besetzung bestimmt nicht nur den Klang, sondern auch die musikalische Verantwortung. Ohne Klavier, Schlagzeug oder Streicher bleibt wenig hinter einer dichten Begleitung verborgen. Roberts muss harmonische Orientierung und rhythmische Bewegung zugleich schaffen. Mitchell verbindet die Gesangslinie mit dem Verlauf der Harmonie, ohne dass eine große Rhythmusgruppe diese Arbeit verteilen könnte. London wiederum kann eine Textzeile nicht einfach auf ein fertiges Arrangement legen. Stimme und Instrumente gestalten gemeinsam, wie viel Platz eine Silbe, ein Akkord oder eine kurze Pause erhält.
Gerade deshalb lässt sich das Album gut als eigenständiger zweiter Anfang hören. Das Grundprinzip ist vertraut, die Partner sind andere. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein erfolgreicher Titel wiederholt wird, sondern was sich innerhalb einer bewusst begrenzten Besetzung neu erzählen lässt. Die zwölf Stücke sind überwiegend kurz. Diese Kürze kann die Aufmerksamkeit schärfen: Ein Charakter muss schnell erkennbar werden, ohne dass jeder Song mit einer großen Geste beginnen müsste.

Julie London und Howard Roberts im direkten Austausch
Blue Moon eröffnet das Programm, gefolgt von What Is This Thing Called Love und How Long Has This Been Going On. Schon diese ersten drei Titel führen durch bekannte Formen des amerikanischen Songrepertoires. Die Vertrautheit der Melodien kann dabei helfen, auf kleinere Entscheidungen zu achten. Wo setzt London eine Zeile an? Wie schließt Roberts an, wenn die Stimme einen Gedanken beendet? Und wie hält Mitchell die Verbindung zwischen den beiden, ohne jede freie Stelle mit einem zusätzlichen Ereignis füllen zu müssen?
Roberts ist in dieser Besetzung weit mehr als ein Solist, der gelegentlich zwischen Gesangsabschnitten erscheint. Seine Gitarre übernimmt Aufgaben, die in einem größeren Ensemble auf mehrere Instrumente verteilt wären. Ein Akkord kann eine harmonische Station bezeichnen und zugleich einen rhythmischen Impuls setzen. Eine kurze Antwort kann den Text weiterführen, ohne mit ihm zu konkurrieren. Für einen aufmerksamen Hördurchgang lohnt es sich deshalb, die Gitarre einmal durchgehend zu verfolgen, auch dort, wo die Stimme selbstverständlich im Mittelpunkt steht.
London arbeitet mit Songs, deren Wirkung von der Beziehung zwischen Sprache und Melodie lebt. Ein Liebeslied ist nicht allein durch seinen Text bestimmt; auch die Platzierung einer Silbe verändert, wie eine Aussage erscheint. Die reduzierte Begleitung macht solche Entscheidungen leichter verfolgbar. Dafür braucht es keine Behauptung, man befinde sich tatsächlich mit der Sängerin in einem Raum. Die musikalische Nähe entsteht bereits aus der überschaubaren Zahl von Stimmen und aus der Möglichkeit, ihre Antworten aufeinander wahrzunehmen.
Die zweite Seite dieser 45-RPM-Ausgabe enthält Too Good To Be True, Spring Is Here und Goody Goody. Dass drei kurze Stücke eine Plattenseite bilden, setzt kleine Gruppen innerhalb des Albums. Jede dieser Gruppen lässt sich als eigener Abschnitt hören, bleibt aber Teil der gemeinsamen Trioidee. Die Stücke benötigen weder einen durchgehenden dramatischen Handlungsbogen noch eine künstlich behauptete Einheit ihrer Texte. Der Zusammenhalt entsteht durch die Besetzung und durch die Art, in der die Musiker mit dem Material umgehen.

Red Mitchell und die Beweglichkeit der kleinen Form
Red Mitchells Kontrabass ist der dritte gleichberechtigte Bestandteil dieser Musik. Er kann den Verlauf einer Harmonie verbinden, eine Gesangsphrase stützen und dem Rhythmus Gewicht geben. Ohne Schlagzeug verändert sich die Verantwortung für den Puls. Das bedeutet nicht, dass jeder Takt ausdrücklich markiert werden muss. Vielmehr kann gerade das Verhältnis von gespieltem Ton und freigelassener Zeit interessant werden. Ein Basspart lässt sich hier als eigene Linie verfolgen, statt nur als tiefes Fundament unter einer größeren Besetzung.
Auf der dritten Seite stehen The One I Love Belongs To Somebody Else, If I’m Lucky und Hot Toddy. Die Titel bringen unterschiedliche Haltungen in das Programm, während die Instrumentierung konstant bleibt. Dieser Zusammenhang macht vergleichendes Hören reizvoll. Welche Aufgaben übernimmt Roberts bei einem Stück, welche Mitchell? Wo bleibt London nah an einer melodischen Kontur, und wo verändert die Gewichtung des Textes deren Wirkung? Die Antworten müssen nicht in einer Rangfolge enden. Sie können zeigen, wie flexibel eine kleine Besetzung auf verschiedene Songs reagiert.
Die letzte Seite führt über Little White Lies und I Guess I’ll Have To Change My Plan zu I Got Lost In His Arms. Zwölf Titel ergeben so ein Album mit vielen kurzen Perspektivwechseln. Die Kürze schützt vor keiner Schwierigkeit: Auch eine knappe Darbietung muss einen Anfang, eine Entwicklung und einen überzeugenden Abschluss finden. Für die Beteiligten bedeutet das, mit vergleichsweise wenigen Mitteln einen vollständigen Charakter herzustellen. Gerade die scheinbare Einfachheit dieser Musik macht ihre musikalische Arbeit interessant.
Wer bereits den ersten Band besitzt, erhält hier deshalb mehr als eine Ergänzung desselben Coverschemas. Der Wechsel zu Howard Roberts und Red Mitchell eröffnet einen direkten Vergleich zweier Begleitkonstellationen. Dabei muss die zweite Platte nicht gegen die erste antreten. Beide können zeigen, wie stark ein gemeinsames Grundprinzip von den einzelnen Musikern geprägt wird. Für eine Sammlung von Vokaljazz ist das eine lohnende Perspektive: nicht nur Sängerinnen nach Titeln zu ordnen, sondern auch die Partner ernst zu nehmen, mit denen ihre Aufnahmen entstehen.
Die Stereoausgabe auf zwei 45-RPM-LPs
AAPP 7100-45 ist die Analogue-Productions-Ausgabe auf zwei Stereo-LPs mit 45 Umdrehungen. Kevin Gray übernahm das Mastering bei Cohearent Audio von den analogen Bändern. Gepresst wird bei Quality Record Pressings. Die aktuelle Herstellerbeschreibung nennt 180-Gramm-Vinyl; die dokumentierte AP-Ausgabe von 2016 wurde dagegen mit 200 Gramm geführt. Diese historische Differenz erlaubt keine sichere Gewichtsangabe für eine ungeprüfte einzelne Lagercharge jenseits der aktuellen Herstellerspezifikation.
Die zwölf Stücke verteilen sich gleichmäßig auf vier Seiten mit jeweils drei Titeln. 45 Umdrehungen bedeuten hier also auch häufigere Seitenwechsel als bei der ursprünglichen LP. Wer gern kleine Songgruppen bewusst hört, kann diese Aufteilung schätzen; wer einen längeren ununterbrochenen Ablauf bevorzugt, sollte sie vor dem Kauf kennen. Die Drehzahl allein ersetzt kein Urteil über Mastering, Zustand oder die eigene Wiedergabekette. Sie ist zunächst ein konkretes Merkmal dieser Ausgabe und ihrer Handhabung.
Die Neuauflage wird in einem Gatefold-Cover präsentiert und ergänzt das ursprüngliche Erscheinungsbild um Fotografien aus dem Universal-Archiv. Das Original erschien in einer einfachen Hülle. Diese Ausstattung gehört zur späteren Edition, während das musikalische Zentrum unverändert klein bleibt: Julie London, Howard Roberts und Red Mitchell. Gerade diese klare Besetzung macht die Platte zu einer Einladung, nicht nur die Stimme, sondern das vollständige Gespräch zwischen Gesang, Gitarre und Bass zu verfolgen.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Julie LondonPorträt: 1958GesangMitwirkung: Alle Titel
- Howard RobertsPorträt: Porträtvorlage 1959GitarreMitwirkung: Alle Titel
- Red MitchellPorträt: BestandsporträtKontrabassMitwirkung: Alle Titel
- Bobby TroupProduktionMitwirkung: Alle Titel
- Ted KeepToningenieurMitwirkung: Alle Titel
Gesang, Gitarre und Kontrabass: Julie London, Howard Roberts und Red Mitchell. Bobby Troup und Ted Keep sind Produktionscredits. Kein Barney Kessel oder Ray Leatherwood auf diesem zweiten Band.










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