Zwei Stücke aus einer großen Erinnerung
Diese Ausgabe von Satchmo Plays King Oliver konzentriert sich auf zwei Aufnahmen: „St. James Infirmary“ und „I Ain’t Got Nobody“. Die 12-Zoll-Platte läuft mit 45 Umdrehungen und enthält je einen Titel pro Seite. Beide stammen aus Louis Armstrongs Sessions von 1959 für das gleichnamige Album. Die Auswahl ist deshalb als eigene Veröffentlichung zu verstehen, während die vollständige Zwölf-Titel-Folge auf der separaten 33er-LP zu finden ist. Hier stehen zwei einzelne Interpretationen im Mittelpunkt, die Armstrong sowohl als Trompeter als auch als Sänger zeigen.
Aufgenommen wurde Ende September und Anfang Oktober 1959 bei Radio Recorders in Hollywood. Armstrong arbeitete mit seinen damaligen All Stars: Trummy Young an der Posaune, Peanuts Hucko an der Klarinette, Billy Kyle am Klavier, Mort Herbert am Bass und Danny Barcelona am Schlagzeug. Sidney Frey produzierte für Audio Fidelity. Die Musiker bringen ein älteres Repertoire in ihre Gegenwart von 1959. Der Albumtitel erinnert an King Oliver, Armstrongs Mentor, doch die beiden hier ausgewählten Stücke besitzen darüber hinaus jeweils ihre eigene Geschichte innerhalb des amerikanischen Liedguts.

„St. James Infirmary“ und Armstrongs Rückkehr
Armstrong hatte „St. James Infirmary“ bereits 1928 aufgenommen. Die Fassung von 1959 liegt mehr als drei Jahrzehnte später und gehört zu einer anderen Besetzung und Lebensphase. Der Song stammt aus einer längeren Überlieferung, in der unterschiedliche Titel und Autorenangaben auftauchen. Auf dieser Veröffentlichung wird Joe Primrose genannt, ein Pseudonym des Musikverlegers Irving Mills. Für das Verständnis der Aufnahme ist vor allem Armstrongs langjährige Beziehung zu dem Stück interessant: Er begegnet einer Musik erneut, die schon sehr früh Teil seiner Plattengeschichte geworden war.
Young und Hucko erweitern die Trompetenstimme um Posaune und Klarinette. Zusammen mit Kyles Klavier und der Rhythmusgruppe entsteht die Instrumentierung dieser späteren Interpretation. Statt nur den großen Namen auf dem Cover zu betrachten, lohnt es sich deshalb, auf das Verhältnis zwischen Armstrong und seinen Begleitern zu achten. Die Aufnahme steht innerhalb einer Bandpraxis, in der Melodie, Gesang und Antworten der Instrumente ineinandergreifen. Die erste Seite dieser 45er bietet dafür einen einzelnen, klar abgegrenzten musikalischen Zusammenhang, der für sich gehört werden kann.

Ein seltener Blick in die Aufnahmesitzung
Die zweite Seite enthält „I Ain’t Got Nobody“, einen weiteren Song, den Armstrong bereits lange kannte. Mit diesem Titel verbindet sich ein ungewöhnliches historisches Dokument. Frey ließ die Sessions auf 16-Millimeter-Film festhalten. Das später dem Louis Armstrong House Museum zugänglich gemachte Material zeigt unter anderem zwei vollständige Takes von „I Ain’t Got Nobody“. Es erlaubt einen Blick auf Armstrong bei der eigentlichen Studioarbeit, auf Wiederholung, Kommunikation und den Ablauf zwischen den Musikern. Der Film gehört zur Geschichte der Sitzung; er ist kein Bestandteil dieser Schallplattenausgabe.
Die beiden ausgewählten Stücke waren auf dem vollständigen Album an erster und dritter Stelle der A-Seite angeordnet. Für die 45er werden sie aus diesem Zusammenhang herausgelöst und einander gegenübergestellt. Das macht die Veröffentlichung für Hörer interessant, die genau diese Aufnahmen suchen oder die schon mit dem Album vertraut sind. Zugleich bleibt ihre Herkunft klar: Es handelt sich um Material aus den Hollywood-Sessions der All Stars von 1959, nicht um frühe Aufnahmen mit King Olivers Band und nicht um ein zusätzliches vollständiges Album aus jener Sitzung.
Die 12-Zoll-Ausgabe mit 45 Umdrehungen
Die Katalognummer lautet AAPJ 5930-45. Analogue Productions präsentiert eine 12-Zoll-Platte mit 45 RPM und zwei Titeln. Bernie Grundman verantwortet das Mastering; als Quelle nennt der Herausgeber originale analoge Bänder. Quality Record Pressings wird für Galvanik und Pressung angegeben. Die Kopplung hat eine Vorgeschichte bei Classic Records, auf die auch der Herausgeber verweist. Das konkrete Schnittjahr wird deshalb nicht aus dem Erscheinungsjahr einer späteren Pressung abgeleitet.
Der aktuelle Herausgeberstand nennt 180-Gramm-Vinyl; frühere Exemplare derselben Ausgabe sind mit 200 Gramm dokumentiert. Eine bestimmte Grammatur lässt sich somit nicht allein aus der Katalognummer garantieren. Unverwechselbar bleibt die Auswahl: Seite A „St. James Infirmary“, Seite B „I Ain’t Got Nobody“. Wer das gesamte Album mit zwölf Titeln sucht, benötigt die separate AAPJ 5930 mit 33⅓ Umdrehungen. Diese 45er bietet bewusst die zwei ausgewählten Aufnahmen und hält damit Umfang, Format und musikalische Herkunft klar voneinander unterscheidbar.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
| Name | Instrument / Rolle | Mitwirkung |
|---|---|---|
| Louis Armstrong | Trompete, Gesang | A, B |
| Trummy Young | Posaune | A, B |
| Peanuts Hucko | Klarinette | A, B |
| Billy Kyle | Klavier | A, B |
| Mort Herbert | Bass | A, B |
| Danny Barcelona | Schlagzeug | A, B |
Nur zwei Titel, je einer pro Seite. Beide mit den genannten All Stars.








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