Ein Album zwischen zwei Aufnahmetagen
Ben Websters See You At The Fair verbindet neun Stücke aus zwei Sitzungen im März 1964. Der Tenorsaxofonist steht im Mittelpunkt, doch ein Wechsel am Klavier verändert den Rahmen: Hank Jones spielt beim ersten Termin, Roger Kellaway beim zweiten. Richard Davis am Bass und Osie Johnson am Schlagzeug verbinden beide Tage. Diese Besetzung macht das Album überschaubar, ohne es auf eine einzige Begleitfarbe festzulegen. Wenn du von einem Titel zum nächsten gehst, lohnt sich deshalb nicht nur die Aufmerksamkeit für Webster. Auch die Frage, wer gerade am Tasteninstrument sitzt und welches Instrument verwendet wird, eröffnet einen konkreten Zugang zur Platte.
Die Aufnahmen fanden am 11. und 25. März in Rudy Van Gelders Studio in Englewood Cliffs statt, produziert von Bob Thiele für Impulse!. Webster war damals 54 Jahre alt. Die häufig wiederholte Bezeichnung als seine letzte amerikanische Aufnahme ist zu pauschal: Noch im Herbst desselben Jahres nahm er in den USA an weiteren Sitzungen teil. Ende 1964 zog er nach Europa. Das Album gehört damit in die späte amerikanische Phase seiner Laufbahn, ohne dass ein unbelegter endgültiger Abschied behauptet werden muss. Seine konkrete Geschichte beginnt bei diesen beiden Studioterminen und den dafür ausgewählten Liedern.

Hank Jones, Roger Kellaway und das Cembalo
Hank Jones begleitet „Over The Rainbow“, „Our Love Is Here To Stay“, „In A Mellow Tone“ und „Someone To Watch Over Me“. Kellaway spielt auf dem Titelstück sowie auf „Stardust“, „Fall Of Love“, „Lullaby Of Jazzland“ und „While We’re Dancing“. Bei den beiden zuletzt genannten Titeln verwendet er Cembalo statt Klavier. Der Wechsel ist also mehr als eine andere Person auf demselben Instrument. Er erweitert die Möglichkeiten des Quartetts innerhalb eines weiterhin kleinen Rahmens. Die Zuordnung nach Titeln verhindert zugleich den Eindruck, beide Pianisten hätten gemeinsam an allen Aufnahmen mitgewirkt.
Zwischen den beiden Aufnahmetagen spielte Webster im selben Studio bei Clark Terrys The Happy Horns Of Clark Terry, ebenfalls mit Kellaway. Solche Überschneidungen zeigen, wie eng die damalige Studiowelt vernetzt war. Sie berechtigen aber nicht dazu, sämtliche Musiker benachbarter Sessions in die Credits dieses Albums aufzunehmen. Phil Woods und Phil Bodner gehören zu anderem Material, das später auf einer erweiterten CD erschien. Auf der angebotenen Neun-Titel-LP sind sie nicht Teil der belegten Besetzung. Fürs Hören bleibt die Konzentration auf Websters Quartett damit zugleich eine Frage der korrekten Ausgabeidentifikation.

Die Weltausstellung und vertraute Melodien
Das Cover verbindet Webster mit der Unisphere, dem großen Stahlglobus der New Yorker Weltausstellung in Flushing Meadows. Die Ausstellung öffnete im April 1964, also erst nach den beiden Aufnahmetagen. Das Bild ist daher kein Beleg dafür, dass die Musik dort aufgenommen wurde. Die Sitzung fand im Studio in New Jersey statt. Diese Unterscheidung lässt der Gestaltung trotzdem ihren Reiz: Ein Jazzmusiker steht im Bild einer Zukunftsschau, während das Programm zum großen Teil auf vertraute Standards zurückgreift. Das Titelstück stammt von Webster selbst und eröffnet die Platte vor den Liedern anderer Komponisten.
„In A Mellow Tone“ führt zu Duke Ellington, dessen Orchester ein wichtiger Teil von Websters Laufbahn war. „Our Love Is Here To Stay“ und „Someone To Watch Over Me“ verbinden ihn mit George und Ira Gershwin; „Over The Rainbow“ und „Stardust“ bringen weitere bekannte Melodien hinzu. Daneben steht mit „Fall Of Love“ ein damals aktuelles Filmthema von Dimitri Tiomkin. Die Mischung aus älteren Standards und neuerem Material hält das Album offen. Du kannst besonders darauf achten, wie Webster die Melodien einführt und wie die jeweilige Begleitung ihren Verlauf unterstützt. Die bekannte Liedform bietet Orientierung, ohne jede interpretatorische Entscheidung vorwegzunehmen.
Die Impulse-Ausgabe der Acoustic Sounds Series
Die angebotene LP trägt die Katalognummer AIMP 27350 und gehört zur Acoustic Sounds Series von Verve/UMe, mit Impulse als zugehörigem Label. Sie ist eine 180-Gramm-Stereoplatte mit 33⅓ Umdrehungen. Ryan K. Smith bei Sterling Sound wird für das Mastering genannt; der Herausgeber beschreibt die ursprünglichen analogen Bänder als Quelle. Die ausgabenbezogen dokumentierten „RKS STERLING“-Gravuren passen zu diesem Credit. Daraus wird keine weitergehende Behauptung über eine vollständig nachgewiesene Bandgeneration abgeleitet. Die Identität dieser Neuauflage bleibt von früheren Pressungen und erweiterten CD-Fassungen getrennt.
Quality Record Pressings und ein Stoughton-Tip-on-Klappcover sind ausgewiesen. Die ursprüngliche Neun-Titel-Folge bleibt erhalten: Auf Seite A stehen das Titelstück und drei Jones-Aufnahmen; Seite B bringt vier Kellaway-Aufnahmen und endet mit Jones bei „Someone To Watch Over Me“. Die LP mischt also die beiden Sitzungstage in einer eigenen Dramaturgie. Gerade diese Reihenfolge macht die kleine Veränderung der Besetzung über das Album hinweg interessant. See You At The Fair bietet keinen pauschalen Abschied von Amerika, sondern ein konkretes Porträt Websters in einem beweglichen Quartett, mit zwei Pianisten und einem sorgfältig gewählten Repertoire. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
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Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Ben WebsterTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Richard DavisBassMitwirkung: Album-Besetzung
- Osie JohnsonSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
- Hank JonesKlavierMitwirkung: A2, A3, A4, B5
- Roger KellawayKlavier, CembaloMitwirkung: A1, B1, B2, B3, B4
Roger Kellaway: Cembalo auf B1 und B4, Klavier auf A1, B2 und B3. Hank Jones: A2–A4 und B5. Phil Woods und Phil Bodner gehören zu CD-Bonusmaterial, nicht zu dieser LP.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael lobt Bühne, Dynamik und die hörbare Fülle an Informationen dieser Acoustic-Sounds-Ausgabe. Er erklärt dabei, dass dieses Lob auch für die übrigen im Video besprochenen Ausgaben gilt.
🎧 Review video: New Amazing Records From Smith, Simone and Webster
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