Ein Konzertalbum mit einer klaren Haltung
Nina Simones In Concert verbindet vertraute Lieder, Bühnenerzählung und politischen Protest. Die sieben Titel stammen aus Auftritten in der Carnegie Hall im Frühjahr 1964. Das Publikum ist dabei Teil der Situation: Simone spricht es an, reagiert auf seine Anwesenheit und verändert den Abstand zwischen Sängerin und Saal. Der Albumtitel klingt nüchtern, doch die Auswahl reicht von „I Loves You, Porgy“ bis „Mississippi Goddam“. Dazwischen liegen sehr unterschiedliche Formen des Erzählens. Du kannst diese Platte deshalb nicht nur als Sammlung einzelner Songs verfolgen, sondern auch als bewusst zusammengestelltes Programm, das seine Haltung im Verlauf immer deutlicher macht.
Das Album markiert den Beginn von Simones Veröffentlichungen bei Philips nach ihrer Zeit bei Colpix. Hal Mooney produzierte; Simone singt, spielt Klavier und gestaltet die Arrangements. Als Begleiter sind Rudy Stevenson an der Gitarre, Lisle Atkinson am Bass und Bobby Hamilton am Schlagzeug dokumentiert. Ihre Beteiligung ist nicht für jeden Titel einzeln gesichert. Auch die genauen Aufnahmetage werden in den Quellen unterschiedlich angegeben. Der belastbare Rahmen sind mehrere Carnegie-Hall-Auftritte im März und April 1964. Diese Grenze verändert den musikalischen Zusammenhang nicht, verhindert aber eine scheinbar präzise Datierung, die sich nicht widerspruchsfrei belegen lässt.

Bekannte Lieder in einer anderen Situation
„I Loves You, Porgy“, „Plain Gold Ring“ und „Don’t Smoke In Bed“ hatte Simone bereits auf ihrem Debüt Little Girl Blue aufgenommen. Ihre Wiederkehr verbindet das neue Album mit einer früheren Phase. Im Konzert stehen diese Stücke jedoch in einem anderen Umfeld und neben anderem Material. Gerade dadurch lohnt der Vergleich der Funktionen innerhalb des Programms: Ein vertrautes Lied kann einen Einstieg schaffen, eine Erinnerung aufrufen oder den Weg zu einer schärferen Aussage öffnen. Es geht nicht darum, eine frühere Aufnahme für ungültig zu erklären. Die neue Situation erweitert den Zusammenhang, in dem dieselbe Komposition wahrgenommen wird.
„Pirate Jenny“ führt zu Kurt Weill und Bertolt Brecht und zur englischen Fassung von Marc Blitzstein. Simone nimmt damit Musiktheater in ihr Konzertprogramm auf. Die Erzählung lässt sich nicht einfach auf eine weitere Jazznummer reduzieren; sie bringt Figuren, Perspektivwechsel und eine bedrohliche Vorstellung von Macht mit. In der Nachbarschaft der übrigen Stücke bekommt diese Theatertradition eine neue politische Spannung. Fürs Hören ist die Gestaltung des Erzählens entscheidend: Wie verändert Simone Haltung und Abstand, und welche Rolle spielt das Klavier dabei? Die Wirkung muss nicht durch die Wiedergabe von Liedtexten erklärt werden; sie lässt sich an Form und Darbietung verfolgen.

Protest mit unterschiedlichen Mitteln
„Old Jim Crow“ richtet sich gegen die Rassentrennung. „Go Limp“ verarbeitet dagegen ein Lied von Alex Comfort aus dem Umfeld der britischen Anti-Atom-Bewegung und überträgt es in einen anderen politischen Rahmen. Humor, Beteiligung des Publikums und direkte Ansprache gehören hier zur Darbietung. Das Album zeigt damit nicht nur eine einzige Art, öffentlich Haltung zu beziehen. Zwischen den Stücken verändern sich Ton und Verfahren. Gerade dieser Wechsel macht den Schluss mit „Mississippi Goddam“ bedeutsam. Die politische Aussage wächst aus einem Programm, das zuvor bereits verschiedene Möglichkeiten von Erinnerung, Theater und gemeinsamer Reaktion erprobt hat.
Simone schrieb „Mississippi Goddam“ als Reaktion auf rassistische Gewalt, insbesondere den Mord an Medgar Evers und den Bombenanschlag auf die 16th Street Baptist Church in Birmingham 1963. Bei dem Anschlag starben vier schwarze Mädchen. Das Lied wurde zu einem zentralen Ausdruck ihres Engagements in der Bürgerrechtsbewegung. Auf In Concert steht es am Ende der zweiten Seite und erhält dadurch eine klare Position im Gesamtverlauf. Es wäre verkürzend, die Platte allein auf diesen Titel zu reduzieren; ebenso wenig lässt sich seine Bedeutung als bloßer zusätzlicher Song behandeln. Der Weg durch die sechs vorhergehenden Stücke gehört zu seinem Albumkontext.
Die Philips-Neuauflage der Acoustic Sounds Series
APHI 512473 bezeichnet die angebotene 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen aus der Acoustic Sounds Series von Verve/UMe. Das zugehörige Originallabel ist Philips; dies ist keine Analogue-Productions-Ausgabe, auch wenn Acoustic Sounds an der Reihe beteiligt ist. Ryan K. Smith bei Sterling Sound wird für das Mastering genannt. Der Herausgeber beschreibt die ursprünglichen analogen Bänder als Quelle. Die verfügbaren Quellen nennen für diese Ausgabe weder einen eigenen Lackschnitt-Credit noch Angaben zur Auslaufrille. Aufnahme, Mastering und physische Herstellung bleiben getrennte Angaben.
Der Herausgeber nennt Quality Record Pressings und ein Stoughton-Tip-on-Klappcover. Die Stereo-Ausgabe bewahrt die sieben ursprünglichen Titel und deren Seitenfolge. Sie wird nicht durch die gekürzte Singlefassung von „Mississippi Goddam“ oder Material anderer Konzerte ergänzt. Im Mittelpunkt steht damit ein historisch genau einzuordnendes Konzertprogramm, dessen Bedeutung aus Musik, Bühnenpräsenz und gesellschaftlichem Zusammenhang entsteht. Die bekannte Stimme und das Klavier sind der Ausgangspunkt; das Verhältnis zum Publikum und die Entscheidungen über das Repertoire öffnen den Blick auf eine Künstlerin, die ihre öffentliche Rolle 1964 mit besonderer Deutlichkeit formuliert. Der Versand erfolgt durch Michael 45 aus Hilden in Deutschland; du musst keinen eigenen US-Import organisieren. Die jeweils ausgewiesene Verfügbarkeit und Lieferzeit sind zu beachten.
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Beteiligte Musiker
Belegte Mitwirkende dieser Aufnahme. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Nina SimoneGesang, Klavier, Arrangements, LeaderinMitwirkung: Album-Besetzung
- Rudy StevensonGitarreMitwirkung: Titelzuordnung offen
- Lisle AtkinsonBass (Kontrabass)Mitwirkung: Titelzuordnung offen
- Bobby HamiltonSchlagzeugMitwirkung: Titelzuordnung offen
Die Begleitmusiker sind für das Album belegt; ihre Mitwirkung ist nicht je Titel dokumentiert. Aufnahmetage im März/April 1964 sind teilweise strittig.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hebt die Intimität und Präzision der Liveaufnahme hervor. Die unmittelbare Wirkung von Nina Simones Stimme vermittelt ihm das Gefühl, selbst Teil des Konzertpublikums sein zu wollen.
🎧 Review video: New Amazing Records From Smith, Simone and Webster
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