Die elektrische Gitarre lernt erzählen
T-Bone Blues führt zu einem Musiker, dessen Bedeutung weit über ein einzelnes Album hinausreicht. T-Bone Walker gehört zu den prägenden Stimmen der elektrischen Bluesgitarre. Die hier versammelten Aufnahmen entstehen zwischen 1955 und 1957 in Chicago und Los Angeles; Atlantic veröffentlicht das Album 1959. Es dokumentiert damit keinen einzelnen Studiotag, sondern mehrere Begegnungen. Gemeinsam ergeben sie ein Porträt, in dem Walkers Gesang, seine Gitarrenlinien und der Austausch mit unterschiedlichen Partnern aus mehreren Blickwinkeln sichtbar werden.
Der Reiz liegt in der Verbindung von Blues und einem Sinn für melodische Eleganz. Walker kann eine Linie so formen, dass sie wie eine zweite Stimme neben dem Gesang steht. Die wechselnden Besetzungen schaffen dafür unterschiedliche Umgebungen. Mal sind Bläser beteiligt, mal steht eine kleinere Gruppe im Mittelpunkt, mal treffen mehrere Gitarristen aufeinander. Diese Vielfalt macht das Album zu einer besonders ergiebigen Einführung: Es zeigt nicht nur einen Stil, sondern auch, wie beweglich dieser Stil in verschiedenen musikalischen Situationen sein kann.

Chicago und Los Angeles
Zu den dokumentierten Partnern gehören Lloyd Glenn am Klavier, Billy Hadnott am Bass und Oscar Lee Bradley am Schlagzeug bei den Aufnahmen von 1956. In anderen Sessions kommen R.S. Rankin und Barney Kessel an den Gitarren hinzu, außerdem Plas Johnson am Tenorsaxofon, Ray Johnson am Klavier, Joe Comfort am Bass und Earl Palmer am Schlagzeug. Jimmy Rogers und Junior Wells sind für „Play On Little Girl“ belegt. Die Musikerliste gehört deshalb immer zusammen mit der jeweiligen Titelzuordnung gelesen.
Besonders anschaulich wird das auf „Two Bones And A Pick“: Mehrere Gitarrenpersönlichkeiten stehen im selben musikalischen Zusammenhang. Statt nur auf Geschwindigkeit oder Lautstärke zu achten, kann man Unterschiede im Anschlag und im Aufbau einer Phrase verfolgen. In den kleineren Besetzungen verändert sich der Blick erneut. Wie lässt ein Pianist Platz für die Gitarre? Wie hält die Rhythmusgruppe einen Verlauf zusammen? Die Antworten ergeben sich aus dem Zusammenspiel und machen den Weg durch die verschiedenen Sessions hörenswert.

„Stormy Monday“ und elf Albumtitel
Auf „Two Bones And A Pick“ folgen „Mean Old World“ und „T-Bone Shuffle“. Mit „Stormy Monday Blues“ enthält das Album auch einen besonders eng mit Walker verbundenen Titel. „Blues For Marili“ und das Titelstück führen weiter, dazu kommen „Shufflin‘ The Blues“, „Evenin’“, „Play On Little Girl“, „Blues Rock“ und „Papa Ain’t Salty“. Die elf Stücke halten unterschiedliche Bewegungen und Besetzungen zusammen. Sie laden dazu ein, den Gitarristen im bekannten Repertoire ebenso wie in weniger allgegenwärtigen Stücken zu entdecken.
Gerade die Nachbarschaft dieser Titel verhindert, dass Walker auf eine einzige berühmte Nummer reduziert wird. Auf einem vollständigen Durchlauf kann man verfolgen, wie sich seine musikalische Handschrift unter wechselnden Bedingungen behauptet. Für Gitarrenfreunde liegt darin ein besonderer Genuss. Eine Phrase muss nicht groß angelegt sein, um Charakter zu zeigen. Der Zeitpunkt eines Einsatzes, die Länge eines Tons oder eine knappe Antwort auf den Gesang können genügen. T-Bone Blues gibt solchen Feinheiten genügend verschiedene Situationen, in denen sie Wirkung entfalten.
Die Mono-Doppel-LP der Atlantic 75 Series
Diese Analogue-Productions-Ausgabe AAPA 053-45 präsentiert das Album in Mono auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 U/min. Matthew Lutthans verantwortet Mastering und Lackschnitt bei Cohearent Audio. Der Herausgeber nennt das Originalmasterband als Quelle. Für „Blues For Marili“ weist er ausdrücklich auf ein Brummen hin, das von Walkers Gitarrenverstärker während der Aufnahme stammt. Dieser Hinweis gehört zum historischen Material und hilft, eine Eigenheit der Aufnahme richtig einzuordnen.
Die ersten 2.000 nummerierten Exemplare wurden bei Quality Record Pressings gepresst; für spätere Exemplare sind QRP oder RTI vorgesehen. Ein Tip-on-Klappcover mit zwei Taschen von Stoughton Printing ergänzt die Ausgabe. Die Sorgfalt des Tonträgers dient hier einer Musik, deren Wirkung aus persönlichem Ausdruck und handwerklicher Präzision entsteht. Wer die Geschichte der elektrischen Bluesgitarre nicht nur nachlesen, sondern musikalisch nachvollziehen möchte, findet in T-Bone Blues einen reichen Ausgangspunkt – und genügend Gründe, nach dem letzten Titel wieder von vorn zu beginnen.
Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- T-Bone WalkerGitarre, GesangMitwirkung: Album-Besetzung
- John YoungKlavierMitwirkung: A3, D3
- Eddie ChambleeTenorsaxofonMitwirkung: A3, D3
- Andrew „Goon“ GardnerAltsaxofonMitwirkung: A3, D3
- McKinley „Mack“ EastonBaritonsaxofonMitwirkung: A3, D3
- Ransom KnowlingBassMitwirkung: A3, D3
- LeRoy JacksonSchlagzeugMitwirkung: A3, D3
- Jimmy RogersGitarreMitwirkung: D1
- Junior WellsMundharmonikaMitwirkung: D1
- Lloyd GlennKlavierMitwirkung: A2, B1, B2, C1, C2
- Billy HadnottBassMitwirkung: A2, B1, B2, C1, C2
- Oscar Lee BradleySchlagzeugMitwirkung: A2, B1, B2, C1, C2
- R.S. RankinGitarreMitwirkung: A1, C3, D2
- Barney KesselGitarreMitwirkung: A1, C3, D2
- Plas JohnsonTenorsaxofonMitwirkung: A1, C3, D2
- Ray JohnsonKlavierMitwirkung: A1, C3, D2
- Joe ComfortBassMitwirkung: A1, C3, D2
- Earl PalmerSchlagzeugMitwirkung: A1, C3, D2
T-Bone Walker (Gitarre, Gesang). Chicago, 21.04.1955: John Young (Klavier), Eddie Chamblee (Tenorsaxofon), Andrew „Goon“ Gardner (Altsaxofon), McKinley „Mack“ Easton (Baritonsaxofon), Ransom Knowling (Bass), LeRoy Jackson (Schlagzeug) auf A3, D3 · Jimmy Rogers (Gitarre) und Junior Wells (Mundharmonika) auf D1; Bass und Schlagzeug von D1 nicht gesichert. Los Angeles, 14.12.1956: Lloyd Glenn (Klavier), Billy Hadnott (Bass), Oscar Lee Bradley (Schlagzeug) auf A2, B1, B2, C1, C2. Los Angeles, 27.12.1957: R.S. Rankin und Barney Kessel (Gitarre), Plas Johnson (Tenorsaxofon), Ray Johnson (Klavier), Joe Comfort (Bass), Earl Palmer (Schlagzeug) auf A1, C3, D2; Soloreihenfolge auf A1 und D2: Rankin, Kessel, Walker. Die Sessionzuordnung von D2 ist in einer Quelle abweichend. Produzent: Nesuhi Ertegun; Chicago-Titel: Ahmet Ertegun und Jerry Wexler · Liner Notes (Original): Ralph J. Gleason · Coverfoto: William Claxton · Covergestaltung: Marvin Israel. Diese Ausgabe: Mastering und Lackschnitt Matthew Lutthans, Cohearent Audio · Pressung: erste 2.000 QRP, danach QRP oder RTI. Toningenieure und Studios nicht belegt. Presswerk laut Reihenangabe: erste 2.000 QRP, danach QRP oder RTI.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael war bei seinem ersten Hören dieser Atlantic-75-Ausgabe sowohl von der Musik als auch von der Aufnahmequalität überrascht. Besonders begeistert ihn, wie die Monoaufnahme T-Bone Walkers Gitarre, Stimme und das Zusammenspiel der Band vermittelt. Er lobt den Monoschnitt ausdrücklich; einen Vergleich mit einer Originalpressung beschreibt er in dieser Passage nicht.














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