Arnett Cobb – Ballads By Cobb (Stereo)

(1 Kundenrezension)

58,00 € inkl. MwSt.

Mastering Engineer
Geschwindigkeit
33⅓ RPM
Quelle
Originale Masterbänder
Gewicht
180 Gramm
Presswerk
Quality Record Pressings
Genre
Jazz

Ausverkauft

Artikelnummer: APRJ 14 Kategorien: , , ,

Der große Texas-Tenor nimmt sich Zeit

Wer Arnett Cobb vor allem als den „Wild Man of the Tenor Sax“ kennt, darf bei Ballads by Cobb einen Schritt näher kommen. Hier geht es nicht darum, den Beinamen mit möglichst viel Lautstärke zu bestätigen. Die sieben Stücke stellen eine andere Fähigkeit desselben Musikers in den Mittelpunkt: eine Melodie zu tragen, ihr Gewicht zu geben und ihr auch bei langsamem Tempo eine unverwechselbare Kontur zu lassen. Die Kraft des Texas-Tenors verschwindet dabei nicht. Sie erhält einen anderen Maßstab. Statt des großen Auftritts zählt die einzelne Phrase, statt der Steigerung um jeden Preis die Frage, wie lange ein Ton oder eine Pause Spannung halten kann.

Aufgenommen wurde das Album am 1. November 1960 im Van Gelder Studio in Englewood Cliffs, New Jersey, mit Esmond Edwards als Produzent. Die ursprüngliche Veröffentlichung gehörte zu Moodsville, dem Prestige-Unterlabel, und trug die Nummer MVLP 14. Schon diese Einordnung erklärt etwas von der Idee: Ein Balladenprogramm ist hier ein eigenständiges musikalisches Vorhaben. Es bietet Cobb die Gelegenheit, sein Ausdrucksvermögen über eine ganze LP hinweg an langsamen Stücken zu entfalten. Die genaue Erstveröffentlichung wird in den Quellen unterschiedlich mit 1960 und 1961 angegeben; die Aufnahmesitzung vom November 1960 ist dagegen klar dokumentiert.

Cobb kommt aus jener texanischen Tenortradition, in der ein persönlicher Ton unmittelbar erkennbar sein darf. Seine Verbindung zur Swingwelt und zu den Ausdrucksformen des frühen Rhythm and Blues gehört zum Hintergrund dieser Musik. Ballads by Cobb ist deshalb reizvoll gerade für Hörer, die das langsame Spiel nicht mit Zurückhaltung im Sinne von Unauffälligkeit verwechseln. Eine Ballade kann sehr bestimmt auftreten. Sie kann ihre Geschichte erzählen, ohne sich beeilen zu müssen, und die Eigenheiten eines Musikers manchmal deutlicher zeigen als die schnellste Nummer.

Arnett Cobb · spätere Porträtvorlage 1979 · historisch inspirierte Illustration
Arnett Cobb · spätere Porträtvorlage 1979

Red Garland und eine Besetzung ohne Überfüllung

Das Quartett besteht aus Arnett Cobb am Tenorsaxofon, Red Garland am Klavier und an der Celesta, George Duvivier am Kontrabass sowie J. C. Heard am Schlagzeug. Es bleibt über alle sieben Titel die Besetzung des Albums. Ein zweiter Bläser wird nicht gebraucht. Cobb kann die melodische Linie allein vertreten, während die drei anderen Musiker den harmonischen und rhythmischen Rahmen gestalten. Gerade bei einem vollständig auf Balladen konzentrierten Programm ist das eine aufschlussreiche Entscheidung: Unterschiede entstehen innerhalb einer vertrauten Klangbesetzung, nicht durch immer neue Gäste oder große Arrangements.

Red Garland ist dabei weit mehr als der Name hinter der Begleitung. Klavier und Tenor begegnen sich als zwei Arten, eine Melodie zu umgeben: das Saxofon mit Atem und Bogen, das Tasteninstrument mit Akkorden, kleinen Antworten und dem Verhältnis von Anschlag zu Ausklang. Die zusätzlich dokumentierte Celesta erweitert diese Palette. Sie ist ein Tasteninstrument mit angeschlagenen Metallplatten und besitzt einen anderen, glockenartigeren Charakter als ein Klavier. Welchem Titel ihr Einsatz genau zuzuordnen ist, wird nicht in allen Quellen gleich detailliert angegeben; die Albumcredits halten deshalb beide Instrumente fest, ohne daraus eine umfassendere Behauptung abzuleiten.

Duvivier und Heard gehören ebenso zum Bild. Ihre Aufgabe lässt sich nicht auf die Bezeichnung „Rhythmusgruppe“ verkürzen, als gäbe es bei langsamem Tempo nur einen gleichmäßig laufenden Hintergrund. Gerade dann werden Beginn, Ende und Abstand eines Tons besonders wichtig. Wer diese Platte entdeckt, kann gezielt darauf achten, wie Bass und Schlagzeug das Tempo erfahrbar machen, während die Melodie darüber frei zu sprechen scheint. Die kleine Besetzung macht solche Beziehungen überschaubar. Jeder Beteiligte hat einen klaren Platz, und der gemeinsame Rahmen lässt Cobb seine Linien entwickeln.

Red Garland · späte 1950er-Jahre · historisch inspirierte Illustration
Red Garland · späte 1950er-Jahre

Sieben Standards, sieben Möglichkeiten einer Melodie

„Willow Weep for Me“ von Ann Ronell eröffnet das Programm mit einem Stück, das der Jazz immer wieder neu betrachtet hat. Danach folgen „Hurry Home“ und „P.S. I Love You“. Letzteres ist hier die Komposition von Gordon Jenkins und Johnny Mercer – eine hilfreiche Unterscheidung bei einem Titel, der auch in anderen musikalischen Zusammenhängen bekannt ist. Die erste Seite stellt damit drei Songs nebeneinander, die genügend Zeit erhalten, sich über ihre bloße Wiedererkennbarkeit hinaus zu entfalten. Es geht nicht um eine rasche Parade bekannter Melodien, sondern um ihre unterschiedliche Haltung.

Die zweite Seite beginnt mit „Blue and Sentimental“, verbunden mit den Namen Count Basie, Mack David und Jerry Livingston. „Darn That Dream“ führt zu Jimmy Van Heusen und Eddie DeLange, „Why Try to Change Me Now?“ zu Cy Coleman und Joseph McCarthy. Mit „Your Wonderful Love“ endet die Folge. Schon die Titel lassen erkennen, wie viele Schattierungen ein vermeintlich einheitliches Balladenalbum zulässt: Bitte, Erinnerung, Zuneigung, Sehnsucht und Selbstbehauptung. Es ist reizvoll, diese unterschiedlichen Ausgangspunkte wahrzunehmen, ohne jedem Stück vorschnell dieselbe melancholische Farbe zu geben.

Für die Sammlung ist die 33⅓-U/min-Fassung auf einer LP besonders stimmig. Drei Stücke bilden Seite A, vier die zweite Seite; das ruhige Programm kann sich jeweils über einen längeren Abschnitt entfalten. Man muss nicht nach wenigen Minuten wieder aufstehen und wenden. Das unterstützt einen Hörabend, an dem die Kontinuität einer Stimme wichtiger ist als der schnelle Wechsel zwischen Einzelnummern. Wer bereits Cobbs Party Time kennt, findet hier einen aufschlussreichen Gegenpol innerhalb desselben musikalischen Lebens. Die Balladen erklären den expressiven Tenor nicht neu, aber sie lassen andere Seiten seiner Ausdruckskraft sichtbar werden.

Die Prestige-Stereo-Ausgabe APRJ 14

Angeboten wird Analogue Productions APRJ 14, eine Stereo-LP mit 33⅓ U/min innerhalb der Prestige-Stereo-Reihe. Obwohl das historische Album auf Moodsville erschien, gehört es zu diesem Wiederveröffentlichungsprogramm. Den Schnitt übernahm Kevin Gray, das Presswerk ist Quality Record Pressings; der Herausgeber nennt außerdem Gary Salstrom für die Galvanik. Die auf schwerem Karton aufgebaute Stoughton-Tip-on-Hülle gehört zur Ausstattung. Das ist eine klar bestimmbare Ausgabe, keine beliebige Wiederveröffentlichung mit einem vertrauten Cover.

Die Serie wurde mit Mastering von den originalen Analogbändern angekündigt. Für Ballads by Cobb ist Kevin Gray als verantwortlicher Mastering-Ingenieur dokumentiert; es handelt sich nicht um den bei Hopkins’ Soul Blues ausdrücklich erklärten Sonderfall einer LP-Abtastung. Der Herausgeber führt den Titel heute als 180-Gramm-LP, während die frühere AP-Ausgabe von 2017 als 200-Gramm-Pressung dokumentiert ist. Ältere Nummerierungen oder Gewichtsangaben sind deshalb nicht automatisch Merkmale jedes heute angebotenen Exemplars. Die Identität der Edition bleibt APRJ 14; eine konkrete Lagercharge lässt sich aus ihrer Veröffentlichungsgeschichte allein nicht bestimmen.

Produktionsangaben und ein persönliches Hörurteil erfüllen dabei verschiedene Aufgaben. Zu wissen, wer eine Platte geschnitten hat, wo sie gepresst wurde und welche Hülle dazugehört, hilft bei der Auswahl einer konkreten Ausgabe. Es ersetzt nicht die Begegnung mit der Musik und schreibt auch nicht vor, wie sie auf jeder Anlage wirken muss. Hier begleitet die klar bezeichnete Edition ein Programm, das bereits musikalisch einen guten Grund für sich hat: einen Tenoristen, drei Partner und die konzentrierte Beschäftigung mit der Ausdruckskraft einer Ballade.

Für Musikliebhaber liegt der stärkste Grund für diese Platte im Zusammenspiel von klar umrissenem Repertoire und einer sehr persönlichen Saxofonstimme. Ballads by Cobb lädt dazu ein, die Geschwindigkeit einmal aus dem Mittelpunkt zu nehmen. Aufmerksamkeit kann ebenso gut an einer gehaltenen Melodie, einer knappen Klavierantwort oder einer kleinen rhythmischen Verschiebung hängen bleiben. Dieses Quartett bietet dafür einen überschaubaren, aber keineswegs engen Raum – sieben Stücke lang und mit genügend Zeit, ihnen wirklich zu folgen.

Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.

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Beteiligte Musiker

Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.

  • Arnett CobbPorträt: 1979TenorsaxofonMitwirkung: Alle Titel
  • Red GarlandPorträt: späte 1950er-JahreKlavier, CelestaMitwirkung: Alle Titel; Celesta-Titelbezug offen
  • George DuvivierPorträt: BestandsporträtKontrabassMitwirkung: Alle Titel
  • J. C. HeardPorträt: 1946SchlagzeugMitwirkung: Alle Titel

1. November 1960, Van Gelder Studio, Englewood Cliffs; Produktion Esmond Edwards, Ton Rudy Van Gelder, Begleittext Joe Goldberg. Quartett auf allen sieben Titeln. Garland: Klavier/Celesta; Celesta-Zuordnung zu B3 nur in einer Ausgabenquelle, deshalb nicht als allgemeiner Trackfakt übernommen. Erstveröffentlichung 1960/61 widersprüchlich.

Zusätzliche Informationen

Gewicht 0,7 kg

Internationale Kundenstimmen

1 Rezension für Arnett Cobb – Ballads By Cobb (Stereo)

  1. Bernhard Hutter –

    A hidden treasure that perhaps not everyone knows about. Wonderful compilation of titles, very digestible – with an almost unbelievable sound. Press quality is QRP typical of course top.

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Beteiligte Musiker

Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.

  • Arnett CobbPorträt: 1979TenorsaxofonMitwirkung: Alle Titel
  • Red GarlandPorträt: späte 1950er-JahreKlavier, CelestaMitwirkung: Alle Titel; Celesta-Titelbezug offen
  • George DuvivierPorträt: BestandsporträtKontrabassMitwirkung: Alle Titel
  • J. C. HeardPorträt: 1946SchlagzeugMitwirkung: Alle Titel

1. November 1960, Van Gelder Studio, Englewood Cliffs; Produktion Esmond Edwards, Ton Rudy Van Gelder, Begleittext Joe Goldberg. Quartett auf allen sieben Titeln. Garland: Klavier/Celesta; Celesta-Zuordnung zu B3 nur in einer Ausgabenquelle, deshalb nicht als allgemeiner Trackfakt übernommen. Erstveröffentlichung 1960/61 widersprüchlich.


Seite A

  • A1 · Willow Weep for Me (7:14)
  • A2 · Hurry Home (4:46)
  • A3 · P.S. I Love You (5:07)

Seite B

  • B1 · Blue and Sentimental (5:21)
  • B2 · Darn That Dream (4:47)
  • B3 · Why Try to Change Me Now? (2:49)
  • B4 · Your Wonderful Love (3:17)