Vier Tenöre, die sich nicht gleich klingen müssen
Vier Tenorsaxofone vor einer Rhythmusgruppe: Schon die Besetzung von Tenor Conclave verspricht eine ungewöhnliche Begegnung. Hank Mobley, Al Cohn, John Coltrane und Zoot Sims kommen am 7. September 1956 in Rudy Van Gelders Studio in Hackensack zusammen. Red Garland sitzt am Klavier, Paul Chambers spielt Kontrabass, Art Taylor Schlagzeug. Bob Weinstock produziert für Prestige. Das Ergebnis erscheint 1957 unter dem gemeinschaftlichen Namen The Prestige All Stars. Es ist eine Platte, auf der mehrere musikalische Persönlichkeiten denselben Ausgangspunkt bekommen, ohne ihre Unterschiede aufgeben zu müssen.
Der Herausgeber ordnet die Session in die Reihe der Freitagnachmittage ein, an denen Prestige solche Begegnungen organisierte. Ein vertrauter Rahmen konnte dabei gerade den Raum für Ungewöhnliches schaffen. Hier sind weder vier unterschiedliche Blasinstrumente noch ein üblicher Satz aus Trompete und Saxofon zu hören. Alle vier Solisten bewegen sich im Register des Tenors. Unterschiede entstehen dadurch besonders deutlich aus Tonbildung, Phrasierung, rhythmischer Platzierung und dem Aufbau einer Linie. Die gemeinsame Instrumentenfamilie macht die einzelnen Stimmen nicht austauschbar; sie lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre persönliche Sprache.
Mobleys Rolle geht über das Spielen hinaus. Zwei der vier Stücke stammen von ihm: der Blues Bob’s Boys und das auf der Harmonik von I Got Rhythm beruhende Titelstück. Dazu kommen zwei Standards. Das Material bildet einen gemeinsamen Boden, auf dem die Musiker nicht zuerst eine komplizierte neue Form erklären müssen. Gleichzeitig ist diese Zusammenstellung sorgfältiger, als die Vorstellung einer beliebigen Jamsession vermuten lässt. Blues, vertraute Akkordfolgen und bekannte Melodien bieten unterschiedliche Möglichkeiten, eine musikalische Idee zu entwickeln. Das Album gewinnt seine Vielfalt aus dem Umgang mit diesen Formen.

Mobleys Stücke und zwei vertraute Standards
Auf dieser Analogue-Productions-LP beginnt die erste Seite mit Bob’s Boys. Die Bluesform gibt den Solisten einen wiederkehrenden Rahmen. Gerade darin liegt eine schöne Möglichkeit zum Zuhören: Welche kleinen Motive werden über einen Chorus hinaus weitergeführt, wo wird eine Phrase verkürzt, und wann verändert eine Pause die Spannung? Es geht nicht darum, bei jedem Einsatz möglichst schnell einen Namen zu erraten. Die gesicherte Besetzung nennt alle vier Tenoristen; eine verlässliche Solo-Reihenfolge für jeden Titel ist damit noch nicht gegeben. Auch ohne diese Zuordnung lässt sich dem Wechsel der Stimmen aufmerksam folgen.
Just You, Just Me von Jesse Greer und Raymond Klages ergänzt die erste Seite um einen Standard. Das bekannte Material erlaubt eine andere Beziehung zwischen Thema und Improvisation als ein neu vorgestelltes Original. Eine Melodiewendung kann zum Ausgangspunkt werden, ein rhythmischer Akzent gegen die Begleitung gesetzt werden, eine vertraute Form eine unerwartete Richtung einschlagen. Wer gern Jazzstandards in mehreren Fassungen sammelt, bekommt hier keine bloße Wiederholung eines bekannten Titels. Die besondere Besetzung stellt dieselbe Komposition unter andere Bedingungen und eröffnet damit einen eigenen Vergleich.
Die zweite Seite beginnt mit Tenor Conclave. Mobleys Thema steht auf dem harmonischen Fundament von I Got Rhythm, einer für Jazzmusiker vertrauten Form. Das gemeinsame Gerüst schafft Bewegungsfreiheit, verlangt aber zugleich Übersicht. Danach erhält Irving Berlins How Deep Is the Ocean mit rund fünfzehn Minuten den größten Raum des Programms. Die vier Stücke haben insgesamt sehr unterschiedliche Längen, von gut acht bis etwa fünfzehn Minuten. Diese Größenordnungen lassen Entwicklungen zu, die in einer knappen Einzelnummer keinen Platz hätten. Ein Thema kann Ausgangspunkt sein, während die eigentliche Geschichte erst im Verlauf mehrerer Soli entsteht.

Garland, Chambers und Taylor halten das Gespräch offen
Unter den vier Tenören arbeitet eine Rhythmusgruppe, deren Namen ebenso viel Aufmerksamkeit verdienen. Red Garland, Paul Chambers und Art Taylor bilden das damalige Red Garland Trio. Sie müssen nicht nur einen einzelnen Solisten begleiten, sondern auf wechselnde Artikulationen und Energien reagieren. Garland kann die Harmonie knapp umreißen, Chambers den Verlauf einer Phrase mit einer Bassbewegung stützen, Taylor die Gewichtung des Pulses verändern. Das sind sinnvolle Ansatzpunkte für das eigene Hören, ohne aus einer einzelnen Begleitfigur gleich eine feste Regel für den ganzen Titel zu machen.
Ein lohnender zweiter Durchgang beginnt deshalb beim Klavier, beim Bass oder beim Schlagzeug. Was bleibt gleich, wenn ein anderer Tenor übernimmt? Wo antwortet die Begleitung, und wo hält sie sich zurück? Solche Fragen machen die vier Bläser nicht weniger wichtig. Sie zeigen vielmehr, wie stark ein gemeinsamer Rahmen die Unterschiede der Solisten überhaupt hörbar machen kann. In einer Besetzung mit sieben Musikern muss nicht jeder ständig im Vordergrund stehen. Oft liegt die Spannung gerade darin, dass ein Partner eine klare Linie verfolgt und die anderen ihr den nötigen Platz lassen.
Für eine Sammlung hat Tenor Conclave außerdem den Reiz einer genau datierten Momentaufnahme. Coltrane ist hier einer von vier gleichberechtigt genannten Tenoristen; der Blick auf seine spätere Entwicklung sollte die anderen Beteiligten nicht verdecken. Mobleys Kompositionen, Cohns und Sims‘ Mitwirkung sowie das Trio gehören zum Kern dieses Albums. Wer über einen berühmten Namen zur Platte findet, kann an dieser gemeinsamen Session weitere musikalische Wege entdecken. Der Gruppentitel ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen: Die Begegnung selbst, mit ihren unterschiedlichen Stimmen und geteilten Formen, ist das eigentliche Thema.
Vier lange Stücke auf einer Prestige-Mono-LP
Diese Ausgabe trägt die Katalognummer APRJ 7074 und gehört zur Prestige Mono Series von Analogue Productions. Es handelt sich um eine einzelne LP mit 33⅓ Umdrehungen pro Minute. Kevin Gray verantwortet den Schnitt bei Cohearent Audio; der Herausgeber beschreibt die analogen Master als Quelle und nennt Quality Record Pressings als Presswerk. Das Programm ist mono. Die vier Tenorsaxofone werden also nicht durch ein künstlich aufgefächertes Stereo-Panorama voneinander getrennt. Für die Zuordnung dieser Ausgabe sind Katalognummer, Mono-Programm und Mastering gemeinsam maßgeblich.
Die Seitenaufteilung ist für das Album besonders angenehm: Bob’s Boys und Just You, Just Me bilden Seite A, Titelstück und How Deep Is the Ocean Seite B. Die langen musikalischen Bögen bleiben innerhalb ihrer jeweiligen Seite zusammen. Dazu kommt eine hochglänzende Tip-on-Hülle. Die dokumentierte erste Auflage dieser Wiederveröffentlichung von 2013 wurde mit 200 Gramm, Tiefrillen-Etiketten und flachem Rand beschrieben; der Herausgeber führt inzwischen 180-Gramm-Ausgaben unter derselben Katalognummer. Eine bestimmte frühe Pressung oder Nummerierung wird hier deshalb nicht pauschal versprochen.
Der Sammlerwert liegt zunächst in der Musik und ihrer klaren Zusammenstellung: vier Stücke, sieben namentlich bekannte Musiker, eine Session in Hackensack. Die 33er-LP bietet dafür einen einfachen, übersichtlichen Ablauf mit einem Seitenwechsel. Sie lädt dazu ein, jedem Stück seine Zeit zu lassen und die Aufmerksamkeit bei jedem Hören neu zu verteilen – zwischen den Tenören ebenso wie zwischen ihnen und dem Trio. Du bestellst bei Michael 45 in Deutschland. Wir organisieren den US-Import und versenden aus Hilden.
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Künstlerseite: Alle Titel mit John Coltrane
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Analogue Productions Prestige – alle 50 Platten, Musiker und Session-Pfade
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Hank MobleyTenorsaxofonMitwirkung: alle 4
- Al CohnTenorsaxofonMitwirkung: alle 4
- John ColtraneTenorsaxofonMitwirkung: alle 4
- Zoot SimsTenorsaxofonMitwirkung: alle 4
- Red GarlandKlavierMitwirkung: alle 4
- Paul ChambersKontrabassMitwirkung: alle 4
- Art TaylorSchlagzeugMitwirkung: alle 4
Alle sieben Musiker auf allen vier Titeln. Keine gesicherte Reihenfolge der Tenorsoli.














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