Sieben Stimmen in einem gemeinsamen Groove
WARs Greatest Hits ist kein Studioalbum aus einer einzigen Aufnahmesitzung. Die 1976 erschienene Zusammenstellung zieht eine Linie durch mehrere Jahre Bandgeschichte und ergänzt sie um „Summer“, damals einen neuen Titel. Gerade diese Form macht die Platte interessant: Sie stellt nicht eine einzelne Phase unter ein Vergrößerungsglas, sondern zeigt, wie sich ein Ensemble über verschiedene Alben hinweg wiedererkennen lässt. Zehn Stücke genügen, um eine musikalische Welt zu öffnen, in der Soul, Funk, Blues, Rock und lateinamerikanisch geprägte Rhythmen einander begegnen.
Die Band kommt aus Los Angeles und wird zunächst an der Seite von Eric Burdon einem größeren Publikum bekannt. Diese Vorgeschichte gehört zu WAR, aber nicht jedes bekannte Stück daraus gehört auf diese LP. „Spill the Wine“ ist hier nicht enthalten. Das Programm richtet den Blick auf die Gruppe nach der Burdon-Phase: auf Musiker, die gemeinsam singen, schreiben und arrangieren und deren Individualität gerade im Zusammenwirken entsteht.
Die Auswahl führt von „All Day Music“ über „The World Is a Ghetto“ bis zu „Low Rider“ und „Summer“. Das ist ein anderer Blick auf die Band als der eines langen Studioalbums. Für eine Sammlung können beide Perspektiven ihren Platz haben: die ausgedehnte Entwicklung eines Gedankens und die konzentrierte Form, in der ein Stück seinen Weg ins Radio und in den Alltag vieler Menschen fand.

Mehr als Sänger und Begleitband
Die klassische Besetzung umfasst Lonnie Jordan an Tasteninstrumenten, Howard Scott an der Gitarre, B. B. Dickerson am Bass und Harold Brown am Schlagzeug. Lee Oskars Mundharmonika und Charles Millers Blasinstrumente erweitern die melodischen Farben, während Thomas „Papa Dee“ Allen mit seiner Perkussion das rhythmische Geflecht mitgestaltet. Gesang ist innerhalb dieser Gruppe auf mehrere Schultern verteilt. Das Bild eines einzelnen Frontmanns mit austauschbarer Begleitung würde ihrem Arbeitsprinzip kaum gerecht.
Für das Hören ergeben sich daraus konkrete Ansatzpunkte. Ein Riff kann zwischen Instrumenten wandern; eine kurze melodische Figur kann ebenso wichtig sein wie eine gesungene Zeile. Bass, Schlagzeug und zusätzliche Perkussion stehen nicht einfach hinter dem übrigen Geschehen. Ihre Beziehungen entscheiden mit darüber, wie viel Bewegung in einer scheinbar gleichbleibenden Wiederholung steckt. Gerade bekannte Stücke laden dazu ein, diese kleinen Verschiebungen zu verfolgen.
Die Compilation-Credits dokumentieren das Ensemble, aber nicht jedes Instrument für jeden einzelnen Titel in derselben Ausführlichkeit. Deshalb wird aus einer Albumzuordnung keine erfundene Partitur. Auch Jerry Goldsteins wichtige Arbeit als Produzent ist von einer Instrumentalrolle zu unterscheiden. Die Musikerliste bleibt auf die Interpreten konzentriert; Produktions- und Quellenangaben ergänzen sie. So lassen sich sowohl der gemeinsame Charakter als auch die einzelnen Beteiligten erkennen.

Ein Weg durch die siebziger Jahre
„All Day Music“ und „Slippin’ Into Darkness“ führen in das gleichnamige Album von 1971 zurück. „The World Is a Ghetto“ und „The Cisco Kid“ stammen aus dem folgenden großen Kapitel der Gruppe. Bei einer solchen Zusammenstellung lohnt die Frage nach der Form: Einige Stücke erscheinen in kürzeren Fassungen als auf ihren ursprünglichen Studioalben. Die Verdichtung gehört zum Konzept dieser Hitfolge und ist kein versehentlich verlorenes Stück Musik der Neuauflage.
Aus Deliver the Word kommen „Gypsy Man“, „Me and Baby Brother“ und „Southern Part of Texas“. Zusammen zeigen diese Titel, dass die Band ihren Wortschatz erweitern konnte, ohne die gemeinsame Handschrift aufzugeben. Wiederkehrende Figuren sind dabei kein Gegensatz zu lebendiger Musik. Wer auf die Einsätze und Antworten achtet, kann entdecken, wie eine Gruppe Wiederholung organisiert und wie sie innerhalb einer vertrauten Bewegung Spannung erhält.
„Why Can’t We Be Friends?“ und „Low Rider“ führen in das Jahr 1975. Schon ihre Nachbarschaft macht deutlich, wie verschieden einprägsame Songs derselben Besetzung gebaut sein können. Mit „Summer“ erhält die Sammlung schließlich einen damals aktuellen Abschluss. Die Reihenfolge erzählt dadurch auch eine Veröffentlichungsgeschichte. Sie ist keine lückenlose Chronik und ersetzt die einzelnen Alben nicht; sie besitzt ihre eigene Logik. Für Musikliebhaber ist das eine Einladung, die vermeintlich vollständig bekannten Hits noch einmal als Ensemblearbeit zu betrachten – und von hier aus zu den längeren Albumfassungen zurückzugehen.

Die ursprüngliche Auswahl auf zwei LPs
Die vorliegende Ausgabe AAPP 149-45 stammt von Analogue Productions. Sie präsentiert die ursprüngliche Zehn-Titel-Zusammenstellung auf zwei 180-Gramm-LPs mit 45 RPM. Ryan K. Smith übernahm das Mastering bei Sterling Sound; als Quelle nennt der Herausgeber die originalen analogen Masterbänder. Gepresst wird bei Quality Record Pressings, das Tip-on-Klappcover stammt von Stoughton Printing.
Diese Merkmale beschreiben die Neuauflage, nicht die Aufnahmetechnik sämtlicher enthaltenen Sessions. Ebenso sind Katalognummer und Barcode unterschiedliche Kennungen derselben Ausgabe. Entscheidend für die Auswahl ist ihr Programm: keine nachträgliche Erweiterung um „Spill the Wine“, keine Zusammenstellung sämtlicher Langfassungen, sondern die überlieferte Hitfolge von 1976. Die vier Seiten geben ihr eine neue physische Gliederung. Damit lässt sich eine Platte sammeln, deren kompakte Formen bewusst gewählt sind und deren musikalischer Reichtum aus dem Zusammenspiel von sieben Persönlichkeiten entsteht.

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Auch als SACD: Greatest Hits
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Lonnie JordanKeyboards, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
- Howard ScottGitarre, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
- Harold BrownSchlagzeug, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
- B. B. DickersonBass, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
- Lee OskarMundharmonika, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
- Charles MillerSaxofon, Flöte, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
- Papa Dee AllenPerkussion, GesangMitwirkung: Ensemble der Zusammenstellung
Albumcredits sind keine pauschale Zusage jedes Instruments auf jedem Titel.
So hört Michael diese Ausgabe
Höreindruck · sinngemäß zusammengefasst
Michael hört bei der AP-Ausgabe mehr Instrumententrennung, Dynamik und Raum. Die goldfarbene Record-Store-Day-Ausgabe klingt für ihn wärmer und besonders geschlossen. Sein Vergleich würdigt beide Klangcharaktere, mit Vorteilen der AP-Ausgabe bei Punch und Details.
🎧 Review video: War Greatest Hits: Kevin Versus Ryan
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theheepster –
What an absolute banger! These songs have never sounded so awesome. This is one of those records that you can put on for your friends to show how good vinyl can sound. This release is just the best AP Record for me personal.
If Chad Kassem could just get the rights to War’s Studio Albums, please do it on 45 rpm and Ryan K. Smith the cut. That could be a dream.