Zehn Songs nach Astral Weeks
Mit Moondance gab Van Morrison seiner Musik 1970 eine neue Form. Auf das weit ausgreifende Astral Weeks folgten zehn kompakte Songs, in denen Rhythm and Blues, Jazz, Folk und Gospel zusammenfinden. Die Stücke entstanden in einer Lebensphase im Umfeld von Woodstock; aufgenommen wurde in New York. Landschaft und Erinnerung bleiben gegenwärtig, doch die Band organisiert sie in deutlich umrissenen Strophen, Refrains und instrumentalen Antworten.
„And It Stoned Me“ eröffnet das Album mit einer erzählten Erinnerung. Wasser, Wetter und eine alltägliche Begebenheit gewinnen im Gesang eine größere Bedeutung. Gleich danach setzt der Titelsong einen anderen Rahmen: „Moondance“ arbeitet mit einem federnden Jazz-Puls und Bläserfiguren. Schon dieses erste Paar zeigt, wie viel Raum Morrison innerhalb überschaubarer Songformen findet. Die Musik muss ihre Herkunft nicht auf ein einziges Genre festlegen.

Bläser als Gesprächspartner
Jack Schroer am Saxofon und Collin Tilton an Flöte und Saxofon prägen die instrumentalen Farben. Jef Labes spielt Tasteninstrumente, John Platania Gitarre; John Klingberg am Bass und Gary Mallaber am Schlagzeug tragen die rhythmische Bewegung. Die Bläser begleiten nicht bloß eine fertige Gesangsmelodie. Ihre kurzen Antworten und Übergänge geben den Songs Kontur und halten die Verbindung zwischen Morrisons Phrasen offen.
Bei „Crazy Love“ und „Brand New Day“ kommen Cissy Houston, Judy Clay und Jackie Verdell als Backgroundsängerinnen hinzu. Hier wird die Nähe zum Gospel besonders greifbar. Morrison kann eine Zeile zurücknehmen und im nächsten Moment stärker nach vorn drängen; das Ensemble reagiert mit wechselnder Dichte. Wenn du den Hintergrundstimmen folgst, hörst du, wie sorgfältig die scheinbar mühelosen Songs ihre Höhepunkte vorbereiten.

Vom Radio bis ins Unbestimmte
„Caravan“ macht Musik selbst zum Gegenstand: Radio, Stimmen und gemeinsames Feiern gehören zu seinem Bild. Der Song blieb für Morrison ein wichtiges Bühnenstück und bekam 1976 mit The Band in The Last Waltz eine weitere bekannte Gestalt. Auf Moondance steht er zwischen der Intimität von „Crazy Love“ und der offenen Bildsprache von „Into the Mystic“. Die Abfolge verbindet sehr unterschiedliche Arten von Nähe.
Auch die zweite Hälfte verdient mehr als den Blick auf die bekanntesten Titel. „Come Running“ und „These Dreams of You“ bringen direkten Vorwärtsdrang, „Everyone“ eine andere instrumentale Leichtigkeit. „Glad Tidings“ schließt das Album mit erneutem rhythmischem Nachdruck. Zusammen zeigen diese Stücke, warum Moondance als ganzes Album funktioniert: Die Band hält den Zusammenhang, während Morrison Erzähler, Soulsänger und Suchender sein kann.
Diese SACD-Ausgabe
CAPP 201 SA erscheint bei Analogue Productions in der Acoustic Sounds 40 Series als Hybrid-Stereo-SACD. Matthew Lutthans masterte die Ausgabe bei The Mastering Lab. Laut Hersteller beginnt der Signalweg mit einem unveränderten 24-Bit/192-kHz-Digitaltransfer der Original-Masterbänder; anschließend folgen analoge Röhrenentzerrung und die DSD-Wandlung. Die Disc enthält eine auf normalen CD-Spielern abspielbare CD-Schicht und eine Stereo-SACD-Schicht für kompatible Geräte. Sie präsentiert das Originalalbum und ist nicht die spätere Steven-Wilson-Neuabmischung.
Im Magazin: Van Morrison: drei Platten zum Verlieben
Auch in einer anderen Ausgabe: Moondance
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Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Judy Clay | Begleitgesang |
| John Klingberg | Bass |
| Jef Labes | Clavinet, Klavier, Orgel |
| Gary Mallaber | Perkussion, Vibrafon, Schlagzeug |
| Guy Masson | Congas |
| Van Morrison | Tamburin, Mundharmonika, Gesang, Gitarre |
| John Platania | Gitarre |
| Jack Schroer | Sopransaxofon |
| Collin Tilton | Tenorsaxofon, Flöte |
| Jackie Verdell | Begleitgesang |
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