Der Süden zieht nach Memphis
Tony Joe White braucht keine lange Einleitung. Schon der Titel „They Caught the Devil and Put Him in Jail in Eudora, Arkansas“ öffnet eine ganze Landschaft: kleine Orte, eigensinnige Figuren, Geschichten mit dunklen Rändern. Auf seinem selbstbetitelten Album von 1971 nimmt der Mann hinter „Polk Salad Annie“ diese Erzähllust mit zu Warner Bros. Es ist sein viertes Album und das erste für das neue Label. Der Name auf dem Cover genügt als Ansage.
Aufgenommen wurde im Dezember 1970 in Memphis, bei Sounds of Memphis und Ardent. Peter Asher produzierte, Terry Manning betreute die Aufnahmen als Toningenieur. Damit kommt zu Whites eigenständigem Songwriting ein Umfeld, in dem sich Gitarrenmusik, Soul und Rhythm & Blues ganz selbstverständlich begegnen. Die Herkunft aus Louisiana bleibt dabei der Ausgangspunkt; Memphis erweitert das musikalische Vokabular.

Geschichten statt großer Gesten
White singt, spielt Gitarre und Mundharmonika. Robert McGuffie am Bass, Sammy Creason am Schlagzeug und Mike Utley an Klavier und Orgel bilden die Kernbesetzung. „The Daddy“, „Five Summers for Jimmy“ und „A Night in the Life of a Swamp Fox“ zeigen schon durch ihre Titel, wie sehr diese Platte von Personen und Schauplätzen lebt. Hier lohnt es sich, den kleinen Wendungen ebenso zu folgen wie dem Rhythmus.
Fast alle Kompositionen stammen von White selbst. „Copper Kettle“ von Albert Frank Beddoe setzt einen fremden Song zwischen seine eigenen Geschichten. Das passt zu einem Album, dessen Zusammenhalt weniger von einer einheitlichen Stimmung abhängt als von der unverwechselbaren Perspektive seines Erzählers. Du kannst bei den einzelnen Stücken darauf achten, wie eng Sprachrhythmus und Gitarrenfigur miteinander verbunden sind.

Mehr Farben um die Gitarre
Die Memphis Horns erweitern die Besetzung um Trompeten, Saxofone und Posaune. Hinzu kommen Streicherarrangements von Roger Hopps. Bläser, Orgel und Mundharmonika sind deshalb keine austauschbare Begleitung: Sie eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten, Whites Songs einzurahmen.
Gerade diese Verbindung macht das Album innerhalb seines Katalogs interessant. Der Wechsel zu Warner Bros. wird mit einer Produktion verbunden, die mehrere Klanggruppen zulässt, ohne den Songwriter aus dem Zentrum zu rücken. Wer White nur über eine einzelne bekannte Nummer kennt, bekommt hier einen guten Anlass, sich mit seiner Art des längeren Erzählens zu beschäftigen.
Diese Ausgabe
Analogue Productions führt AAPR 026-45 in der Acoustic Sounds 40 Series: zwei 180-Gramm-LPs mit 45 RPM, gepresst bei QRP, im Stoughton-Tip-On-Klappcover. Als Quelle nennt der Herausgeber das Originalmasterband; ein titelbezogener Mastering-Engineer und die vollständige Übertragungskette sind nicht angegeben. Wichtig: Die veröffentlichte Titelliste enthält zehn Stücke und lässt „Black Panther Swamps“ vom elfteiligen Original aus. Ob nur die Liste unvollständig ist, bleibt offen; eine vollständige Originaltitelfolge ist damit noch nicht bestätigt.
Auch als SACD: Tony Joe White
Kundenfrage: Analogue Productions in Europa kaufen
Serie: Acoustic Sounds 40th Anniversary – alle 25 Alben, Empfehlungen und Musiker
Beteiligte Musiker
Dokumentierte Auswahl der beteiligten Musiker. Die Besetzung kann je Titel wechseln; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Name | Instrument / Rolle |
|---|---|
| Tony Joe White | Mundharmonika, Gitarre |
| Robert McGuffie | Bass |
| Sammy Creason | Schlagzeug |
| Mike Utley | Klavier, Orgel |
| Wayne Jackson | Trompete |
| Andrew Love | Tenorsaxofon |
| James Mitchell | Baritonsaxofon |
| Jack Hale | Posaune |
| Roger Hopps | Trompete |







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