Eine Begegnung, die warten musste
Stan Getz und Bill Evans kamen am 5. und 6. Mai 1964 für diese Aufnahmen zusammen. Dass das Material erst rund zehn Jahre später als Album erschien, verleiht dem Zusatz Previously Unreleased Recordings seinen historischen Sinn. Gemeint ist die damalige Veröffentlichung bislang zurückgehaltener Sessions, nicht ein heute neu entdeckter Mitschnitt. Produzent war Creed Taylor.
Die Namen versprechen eine reizvolle Begegnung, doch erst die Besetzung macht das Bild vollständig. Elvin Jones sitzt am Schlagzeug, am Bass wechseln sich Richard Davis und Ron Carter ab. Damit treffen hier vier musikalische Stimmen aufeinander, deren unterschiedliche Erfahrungen genügend Stoff für ein ganzes Album liefern. Getz und Evans stehen gemeinsam auf dem Cover; das Gespräch wird von der Rhythmusgruppe entscheidend mitgestaltet.

Zwei Tage, zwei Bassisten
Die A-Seite stammt aus der Session vom 6. Mai mit Ron Carter: Night And Day, But Beautiful und Bill Evans’ eigene Komposition Funkallero. Richard Davis ist auf den drei regulär gelisteten Stücken der B-Seite vom 5. Mai zu hören: My Heart Stood Still, Melinda und Grandfather’s Waltz. Getz, Evans und Jones verbinden beide Termine.
Das bietet eine konkrete Hörperspektive, ohne die Musiker auf einfache Gegensätze zu reduzieren. Wie verändert sich die Beziehung zwischen Klavier, Bass und Schlagzeug, wenn ein anderer Bassist beteiligt ist? Wo begleitet Evans eine Saxofonlinie, und wo entsteht eine eigene Gegenbewegung? Solche Fragen lassen sich von Stück zu Stück verfolgen. Gerade ein kleines Ensemble macht diese Entscheidungen besonders interessant, weil jede Stimme ihren eigenen Platz behauptet.

Standards und ein Stück von Bill Evans
Cole Porters Night And Day eröffnet die reguläre Titelfolge. But Beautiful führt weiter in das Songbook, bevor Funkallero einen eigenen kompositorischen Beitrag von Evans einbringt. Auf der zweiten Seite stehen Rodgers und Hart sowie Burton Lane und Alan Jay Lerner neben Lars Färnlöfs Grandfather’s Waltz. Bekannte Autoren bilden hier keinen starren Rahmen, sondern Ausgangspunkte für die Begegnung dieser Besetzung.
Es ist die Art von Album, für die man sich gern Zeit zwischen den Titeln lässt: einmal dem Saxofon folgen, dann den Klavierstimmen, beim nächsten Durchgang der Arbeit von Jones. Die Discogs-Dokumentation der Neuauflage verzeichnet außerdem einen kurzen, unvollständigen Dark Eyes-Take als ungelisteten Zusatz. Da der Herausgeber ihn nicht in seiner regulären Titelliste führt, ist er in unseren Angaben entsprechend gekennzeichnet.
Die Verve-Neuauflage von 2024
Die Acoustic Sounds Series legt dieses Album als einzelne 180-Gramm-LP mit 33⅓ Umdrehungen vor. Ryan K. Smith verantwortet das Mastering bei Sterling Sound, Quality Record Pressings die Pressung. Die Ausstattung umfasst ein Stoughton-Tip-on-Gatefold-Cover. Der Herausgeber nennt originale analoge Bänder als Quelle.
Diese Ausgabe sollte nicht mit anderen Veröffentlichungen der gemeinsamen Aufnahmen verwechselt werden. Insbesondere bei Kanal- und Laufzeitangaben weichen Referenzen voneinander ab; hier versprechen wir deshalb keine ungeprüfte Eindeutigkeit. Was bleibt, ist ein klar dokumentierter musikalischer Anlass: zwei Maitage 1964 und eine außergewöhnliche kleine Besetzung, deren Zusammenspiel erst mit erheblichem Abstand als Album zugänglich wurde.
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Künstlerseite: Alle Titel von Bill Evans
Serie: Verve – alle 34 Platten: Stimmen, Orgel und Bossa Nova
Beteiligte Musiker
Mitwirkende und dokumentierter Creditstand. Titelnummern beziehen sich auf die Tracklist.
- Stan GetzTenorsaxofonMitwirkung: Album-Besetzung
- Bill EvansKlavierMitwirkung: Album-Besetzung
- Ron CarterBassMitwirkung: A1, A2, A3
- Richard DavisBassMitwirkung: B1, B2, B3
- Elvin JonesSchlagzeugMitwirkung: Album-Besetzung
Ron Carter: Seite A, Session 6. Mai 1964. Richard Davis: Seite B, Session 5. Mai 1964. Das unvollständige Dark Eyes ist nur in der Discogs-Dokumentation dieser Ausgabe als ungelisteter Zusatz verzeichnet. Abweichende Laufzeiten bleiben ohne Zeitangabe.












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